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Boehringer: Streit um ein Tierlabor Boehringer-Gegner besetzen Rathaustreppe
Hannover Themen Boehringer: Streit um ein Tierlabor Boehringer-Gegner besetzen Rathaustreppe
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Polizeibeamte tragen die Besetzer nach draußen.
Polizeibeamte tragen die Besetzer nach draußen. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Wegen der miserablen Akustik in der großen Halle wurden sie jedoch von kaum jemandem verstanden.

Dabei war im Rathaus einiges los: Die Briefwahlstelle direkt neben der Freitreppe war wenige Wochen vor der Bundestagswahl voll besetzt, im Restaurant Gartensaal gab der Deutsche Fußballbund (DFB) wegen des Länderspiels gegen Aserbaidschan einen Empfang, und in der ehrwürdigen Ratsstube ehrte Oberbürgermeister Stephan Weil drei Bürger mit Verdienstkreuzen für ihr Engagement. Er unterbrach die Zeremonie nicht, sondern fuhr in seiner Ansprache fort.

Offenbar kamen die Tierschützer ins Rathaus, als Pförtner Franz Schäfer gegen 16.15 Uhr vor dem Gebäude gerade die Fahnenmasten abflaggte. „So etwas habe ich während 20 Jahren im Rathaus nicht erlebt“, sagte er später. Etliche Passanten beobachteten die Protestaktion. Hanna Herburg und Dirk Buchholz, die eigentlich gerade einen Spaziergang durch den Maschpark machten, fanden es „eher lächerlich“. Man habe schließlich „nichts verstanden“, sagte Herburg. Inge Fritz aus Linden hingegen, die gerade ihre Briefwahl im Rathaus erledigte, sprach den Tierschützern ihre Sympathie aus: „Eine legitime Aktion, ich finde Tierversuche auch nicht gut“, sagte sie. „Und die Jugendlichen haben schließlich nichts kaputtgemacht.“

Am Mittwochnachmittag haben Boehringer-Gegner spontan in Hannovers Innenstadt demonstriert. Da die Protestaktion nicht genehmigt war, löste die Polizei die Versammlung auf.

Die Stadtverwaltung erteilte den Störern auf der Treppe zunächst Hausverbot. Als sie das Gebäude trotzdem nicht verlassen wollten, rief einer der Pförtner die Polizei. Die Beamten versuchten zunächst, mit den Demonstranten zu reden, erteilten ihnen anschließend Platzverweise. Dann räumte die Polizei die Freitreppe, trug die Boehringer-Gegner einzeln vor das Rathaus und nahm sie zur erkennungsdienstlichen Behandlung mit. Die Stadtverwaltung erstattete Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs.

Nach Angaben der Demonstranten war die Besetzung Teil einer „Aktionswoche“ gegen den Bau des Impfstoffzentrums in Kirchrode, die noch bis zum Sonnabend dauern soll. Boehringer-Gegner hatten in der Vergangenheit mehrfach Fassaden, darunter auch die des Wohnhauses von Oberbürgermeister Stephan Weil, mit Parolen beschmiert. Darüber hinaus gab es Versuche, Fahrzeuge der Stadt und von Schlachtereien in Brand zu stecken. Die Polizei rechnet auch diese Taten dem Lager der Boehringer-Gegner zu.

von Conrad von Meding und Tobias Morchner