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Boehringer: Streit um ein Tierlabor Seit 1898 wird an Seuchen geforscht
Hannover Themen Boehringer: Streit um ein Tierlabor Seit 1898 wird an Seuchen geforscht
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19:00 13.05.2009
Von Veronika Thomas

1898 entdeckte Friedrich Loeffler, Ordinarius an der Universität Greifswald, auf Riems, dass die Maul- und Klauenseuche nicht durch Bakterien, sondern durch Viren verursacht wird. Während der Nazizeit wurden auf der Insel potenzielle Biowaffen untersucht, seit 1997 erforscht das FLI als Bundesinstitut dort Tierseuchen wie BSE, Schweinepest, Vogelgrippe oder Ebola. Zudem entwickeln die Wissenschaftler Vorsorge- und Schutzmaßnahmen sowie Medikamente. Bis 2010 soll die Forschungseinrichtung für 150 Millionen Euro ausgebaut werden.

Im Gegensatz zu kommerziellen Pharmaunternehmen wie Boehringer werden im FLI aber keine massentauglichen Impfstoffe entwickelt, stattdessen wird vor allem Grundlagenforschung betrieben. Die Versuche an Rindern, Schweinen, Ziegen, Schafen, Fischen und Geflügel werden unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen vorgenommen, sagt Elke Reinking, Sprecherin des FLI.

Um die infizierten Tiere gemäß der gesetzlichen Vorschriften zu entsorgen, werden derzeit zwei unterschiedliche Verfahren angewendet. Eine Variante der Entsorgung, die später auch bei Boehringer in Kirchrode zum Einsatz kommen soll, ist die sogenannte alkalische Hydrolyse. Bei diesem Verfahren werden die Tierkadaver in einer hochalkalischen Lauge unter Druck und hohen Temperaturen aufgespalten. Übrig bleibt eine aminosäurehaltige Lösung, die schließlich in einer Kläranlage entsorgt wird. Das Verfahren gilt als geruchsneutral. Eine andere Möglichkeit ist, die Tierkörper in einem sogenannten Rotationsautoklaven, einem großen, rotierenden Dampfdrucktopf unter hohen Temperaturen und Druck aufzuspalten. Den dabei entstehenden Brei verbrennt später eine Tierkörperbeseitigungsanstalt. In beiden Fällen werden die Tiere zunächst betäubt, getötet und je nach Versuch weiter untersucht.

Irmela Ruhdel, Leiterin der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes, die tierversuchsfreie Forschungsmethoden untersucht, hält beide Formen der Entsorgung für unproblematisch. Ethische Bedenken äußert die Wissenschaftlerin jedoch gegenüber den Haltungsbedingungen sowie den Tests mit Erregern und Impfstoffen. „Für die Tiere sind das sehr belastende Versuche“, sagt Ruhdel.

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