Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
City 2020: Pläne für Hannover Stadt Hannover zieht Geld aus Ihme-Zentrum ab
Hannover Themen City 2020: Pläne für Hannover Stadt Hannover zieht Geld aus Ihme-Zentrum ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:52 10.11.2010
Von Conrad von Meding
Jetzt gehen der Lindener Dauerbaustelle auch noch Fördermillionen verloren: Seit Monaten herrscht Stillstand in den Geschäftsetagen des Großkomplexes zwischen Ihme und Blumenauer Straße. Quelle: Michael Heck
Anzeige

Die Stadt zieht die Notbremse: Damit EU-Fördergeld in Höhe von zwei Millionen Euro nicht verfällt, will die Verwaltung den eigentlich fürs Ihme-Zentrum reservierten Betrag umwidmen und für die Modernisierung der Innenstadt verwenden. In der Lindener Betonburg dauern die Entscheidungen inzwischen so lange, dass das Geld nicht mehr sicher hätte verwendet werden können – es muss bis 2014 mit der EU abgerechnet sein. Die Stadt will den Kommunalpolitikern jetzt vorschlagen, den Millionenbetrag stattdessen für den seit Jahren geplanten Umbau des Otto-Brenner-Kreisels am Klagesmarkt zu verwenden. Er soll zur Kreuzung werden, sodass die umliegenden Grünflächen etwa des Nikolaifriedhofs oder der Goseriede aufgewertet werden können. 2012 könnte der Umbau in der Stadtmitte abgeschlossen sein – als erster Baustein zur Umsetzung des Innenstadtwettbewerbs City 2020, der am bisher eher tristen Klagesmarkt moderne Wohn- und Bürobebauung vorsieht.

„Wir ziehen uns nicht aus dem Ihme-Zentrum zurück“, beugt Stadtbaurat Uwe Bodemann möglichen Schlussfolgerungen vor. Hannover stehe zu seinen Versprechen und bleibe weiterhin Großmieter in dem Gebäude – sowohl mit eigenen Ämtern als auch mit kommunalen Unternehmen wie den Stadtwerken. Auch soll es weiterhin Finanzhilfen zur Sanierung des Zentrums geben, in dessen Ladenetagen seit der Insolvenz der Investorengesellschaft Stillstand herrscht. Was die EU-Förderung durch sogenannte Efre-Mittel betrifft, habe aber dringender Handlungsbedarf bestanden. „Das Geld wäre sonst für Hannover verloren gewesen“, sagt Bodemann.

Das Land, zuständige Vergabeinstanz für Efre-Mittel, habe den Zeitplan vorgegeben, sagt Bodemann. Demnach hätte die Stadt eigentlich schon bis Sommer 2010 einen konkreten Stadtumbauvertrag fürs Ihme-Zentrum vorlegen müssen, unterschrieben von den Eigentümern des Ihme-Zentrums. „Das ist allen Akteuren bekannt gewesen“, sagt Bodemann. Trotz mehrfacher Aufforderungen bis in den Herbst hinein hätten die zahlreichen Eigentümer im Ihme-Zentrum den Vertrag aber nicht unterschrieben. Hintergrund sind wohl die Probleme, die Interessen aller Eigentümer unter einen Hut zu bringen. Obwohl 83 Prozent der Anteile nach der Insolvenz des Investors in der Hand eines Institutszwangsverwalters sind, können einzelne Eigentümer mit Vetorechten Beschlüsse verhindern. Das Verfahren soll vereinfacht werden (Text rechts) – doch der Stadt lief jetzt wegen des Fördergelds die Zeit davon.

Im Rathaus wird derzeit ein Beschlussvorschlag für die Politiker erarbeitet mit dem Ziel, das Efre-Geld umzuwidmen. 2011 soll die Planung für den Bereich des bisherigen Kreisels abgeschlossen sein, 2012 der Umbau. Weil eine Kreuzung an allen Einmündungen weniger Platz wegnimmt als ein Kreisel, könnte die Ruine der Nikolaikapelle an der Goseriede statt vom Verkehr künftig von Grünflächen umspielt werden, bis hin zur Einmündung der Nikolaistraße würden die Umbauten reichen. Am Ihme-Zentrum aber würde die Aufwertung des Ihme-Uferwegs mit der erhofften Marina auf Jahre verzögert.