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Volkszählung 2011 2011 werden Hannovers Einwohner gezählt
Hannover Themen Volkszählung 2011 2011 werden Hannovers Einwohner gezählt
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23:06 19.04.2010
Von Bernd Haase
Protest gegen die Volkszählung in Hannover: Am Kröpcke ließen Demonstranten 1987 die Fragebögen der großen Erhebung durch die Luft fliegen. Quelle: Franke (Archiv)

Überall im Bundesgebiet und in den anderen Staaten der Europäischen Union werden die Einwohner gezählt. Die Vorbereitungen für den sogenannten Zensus 2011 laufen bereits und werden das Rathaus vor einige Herausforderungen stellen. „Es ist die umfangreichste Erhebung seit der Volkszählung 1987“, sagt Rathausmanager Harald Härke.

Das Wort Volkszählung lässt viele hellhörig werden. Vor 23 Jahren rebellierten viele Bundesbürger gegen die Befragung, vom „Eindringen des Schnüffelstaates in die Privatsphäre“ war die Rede. Gegner versuchten, die Angelegenheit auf dem juristischen Weg zu stoppen. Trotzdem kam es zu der Erhebung, und die Ergebnisse wirken bis zum heutigen Tag nach.

Seitdem sind die Bürger nicht mehr gezählt worden, sondern man hat die Daten von damals lediglich fortgeschrieben und durch kleinteilige Befragungen, sogenannte Mikrozensen, gestützt. „Darin liegt das Problem, die Bevölkerungszahlen bedürfen einer Revision“, heißt es beim Bundesamt für Statistik. Bei der Behörde schätzt man, dass in Deutschland nicht, wie offiziell angegeben, 82 Millionen Menschen leben, sondern mindestens 1,3 Millionen weniger. Auch die Zahl der Ausländer ist demnach um eine halbe Million niedriger als bisher angenommen.

Bricht man die Schätzung des Bundesamtes auf Hannover herunter, leben in der Landeshauptstadt tatsächlich nur 505 000 Männer, Frauen und Kinder. Das könnte knapp werden. „Für uns ist es extrem wichtig, dass die Einwohnerzahl über einer halben Million bleibt“, sagt Härke. Sinkt sie drunter, verlöre die Stadt erheblich an Geld aus dem Finanzausgleich des Landes. Weitere Folgen: Der Rat würde kleiner, die Bezirke zu den allgemeinen Wahlen müssten anders geschnitten werden. Wenn vielleicht in der List weniger Menschen wohnen als geahnt und dafür etwa in Linden mehr, könnte das Auswirkungen beispielsweise auf die Schul- und Kindergartenplanung haben.

Der Zensus mit dem Stichtag 9. Mai 2011 soll Gewissheit bringen. Er wird aber ganz anders ablaufen als seinerzeit die Volkszählung, bei der Fragesteller mit Erhebungsbögen von Haus zu Haus ziehen mussten und sich oft Argwohn und Volkszorn ausgesetzt sahen. Dieses Mal setzen die Statistiker auf ein registergestütztes Verfahren. Will heißen: Zunächst sammeln sie vorhandene Daten etwa aus den Einwohnermelderegistern der Kommunen und den Registern der Bundesagentur für Arbeit. Diese werden dann durch Stichproben vor Ort überprüft. „In Hannover bekommen etwa 30 000 Haushalte Besuch“, schätzt Härke. Weil die Statistiker auch Daten über Gebäude und Wohnungen benötigen, erhalten sämtliche Eigentümer Fragebögen per Post. Aber nicht alle Wünsche der Datensammler sind wahr geworden: Eine Befragung, die genaue Angaben über Zahl und Struktur der Arbeitsplätze ergeben hätte, strich der Gesetzgeber aus Kostengründen. Einige weitere Erhebungswünsche hat der Datenschutzbeauftragte des Bundes kassiert.

Die Teilnahme am Zensus ist für die Immobilieneigentümer und für diejenigen, die Teil der Stichprobe werden, gesetzlich verpflichtend. Die Kommunen, also auch Hannover, müssen von Januar 2011 an Spezialstellen einrichten, die sich ausschließlich mit dem Zensus befassen. Härke schätzt, dass 20 Verwaltungsangestellte abgestellt werden müssen. Außerdem benötigt die Stadt im kommenden Frühjahr 700 Hilfskräfte für die Stichprobe. Vermutlich wird man sie aus der Studentenschaft und über die Jobcenter rekrutieren.