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Volkszählung 2011 Zu wenig Freiwillige für Volkszählung in Region Hannover
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09:12 12.04.2011
Als 1987 bei der bisher letzten Volkszählung zahlreiche Daten erhoben wurden, gab es eine breite Verweigerungsbewegung. Quelle: dpa (Archiv)
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Bis zur großen Volkszählung „Zensus 2011“ sind es nur noch vier Wochen, doch noch immer fehlen bundesweit Freiwillige, die von Haustür zu Haustür gehen und Fragebögen ausfüllen. Hannovers Stadtverwaltung meldete zum Wochenende Vollzug: Dort sind in letzter Minute genug sogenannte Erhebungshelfer zusammengekommen. Bei der Region jedoch sind offenbar knapp 100 Freiwillige schon wieder von der Stange gegangen. Für Einsätze in zahlreichen Umlandkommunen werden wieder Ehrenamtliche gesucht – und die sollen bis zum Stichtag 9. Mai sogar noch ausgebildet werden. Derweil formiert sich ganz allmählich Widerstand gegen die Datenmengen, die über jeden Bürger angehäuft werden. Bei einer Veranstaltung informierte jetzt der hannoversche Arbeitskreis Zensus über das Projekt.

„So eine riesige Datei hat es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gegeben“, sagt Michael Ebeling vom AK Zensus, der mit Gleichgesinnten Informationen über die Volkszählung sammelt. Was kaum jemand weiß: Seit Monaten schon tragen etliche Ämter und Meldestellen große Mengen von Daten über alle Bürger zusammen, die dann mit den Erhebungsbögen der Volkszählung ergänzt werden sollen. Der gigantische Datensatz ist nicht anonymisiert, um Rückfragen zu ermöglichen, und muss laut Gesetz erst bis zum Jahr 2017 gelöscht werden. Kritiker fürchten Missbrauch durch Datenklau und -handel. Zudem wecke allein schon das Vorhandensein einer derart großen Datei Begehrlichkeiten, wenn etwa nach einem Terroranschlag der Ruf nach Rasterfahndungen laut werde.

Offiziell dienen die Daten nur dazu, dass Behörden und Politik besser planen können. Kritiker vom AK Zensus allerdings fragen, warum dann auch solche Daten gespeichert werden:

Auskunftssperre: Von jedem Bürger wird in der Großdatei registriert, ob er beim Ordnungsamt die Weitergabe seiner Anschrift etwa an Telefonbuchverlage gesperrt hat und mit welcher Begründung.

Migrationshintergrund: Gefragt wird, ob man eingewandert ist oder die Eltern es sind, und wenn ja, wann und woher. „Sogar Statistiker halten diese Frage für überflüssig“, sagt Ebeling: „Wichtiger wäre, zu wissen, welche Sprache am Mittagstisch gesprochen wird.“

Weltanschauung: Außer nach der Religionsgesellschaft wird auch nach dem Glauben gefragt – die Antwort ist freiweillig. Dabei wird nur beim Islam zusätzlich in sunnitisch, schiitisch und alevitisch unterschieden.

Insgesamt werde „das Gesetz zur Datensparsamkeit missachtet“, sagt Zensuskritiker Ebeling. Es fehle an Datensicherheit, wenn die ausgefüllten Bögen tagelang bei den Volkszählern zuhause im Wohnzimmer herumlägen. Tatsächlich bestätigen Stadt- und Regionsverwaltung unisono, dass von den Freiwilligen nicht verlangt werden könne, täglich die Bögen in die Behörde zu bringen.

Conrad von Meding