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Wiederaufbau Schloss Herrenhausen Schloss Herrenhausen nimmt Formen an
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23:43 16.02.2012
Wilhelm Krull, Stephan Weil und David McAllister beim Richtfest in Herrenhausen. Quelle: Thomas
Hannover

Jahrzehntelang hat man den Hannoveranern erzählt, die zerbombte Herrenhäuser Sommerresidenz sei gar kein richtiges Schloss, deshalb lohne der Wiederaufbau kaum. Noch 2010 hatte Oberbürgermeister Stephan Weil trotz aller Freude auf den Schlossbau vor überzogenen Vorstellungen gewarnt: Recht klein sei das Bauwerk, man dürfe bloß nicht zu viel erwarten.

Gut 200 Gäste durften sich erstmals ein Bild davon machen, wie viel Platz die Architekten mit pfiffigen Ideen aus dem begrenzten Bauwerk herausgeholt haben. Staunend standen sie im Festsaal im Obergeschoss, der etwa viermal so groß geworden ist wie das historische Original. Die nächste Überraschung gab es im Keller: Versteckt unter der Rasenfläche im Schlosshof breitet sich der neue große Tagungssaal aus, in dem sich künftig internationale Wissenschaftler zu Symposien und Kongressen treffen sollen. Und selbst der Tunnel, der die beiden Museumsflügel verbinden wird, scheint kein düsterer Gang zu werden, sondern ein breiter Flanierweg mit Tageslicht aus dem Lichthöfen.

Am Donnerstag wurde Richtfest am Schloss Herrenhausen gefeiert. Bis Ende dieses Jahres wird die Welfenresidenz wieder aufgebaut.

68 Jahre, drei Monate und 22 Tage nach den Bombentreffern sei das Richtfest „ein Tag der Freude“, sagte Ministerpräsident David McAllister. Jetzt werde „erkennbar, wie sehr das Schloss dem Großen Garten als authentischer Bezugspunkt gefehlt“ habe: „Was heute Baustelle ist, wird bald ein prachtvolles Zentrum sein für Geschichte und Kultur und Menschen aus aller Welt“.

Die Volkswagenstiftung, hervorgegangen aus dem Privatisierungskapital von Volkswagen und inzwischen größter Wissenschaftsförderer Deutschlands, lässt die ehemalige Sommerresidenz der Welfen für 20 Millionen Euro wieder aufbauen – mit historischer Fassade, aber einem Hochtechnologie-Konferenzzentrum im Inneren. Gut 100 Tage im Jahr wird die Stiftung selbst das Schloss für Wissenschaftsveranstaltungen vom Betreiber zurückmieten, den Rest des Jahres muss der Betreiber selbst für eine Auslastung sorgen, um die Immobilie kostendeckend betreiben zu können.

Lange war um einen solchen Betreiber gerungen worden, anfangs waren fünf Interessenten im Gespräch. Zu Beginn dieser Woche war bekannt geworden, dass die zuständige Stiftungstochter IVA nur noch mit einem Bewerber ernsthaft verhandelt. Gestern lüftete Wilhelm Krull, Generalsekretär der Stiftung, das Geheimnis. „Die IVA KG befindet sich in fortgeschrittenen Vertragsverhandlungen mit Hochtief Solutions“, sagte Krull: Das Unternehmen bringe Erfahrungen im Management großer Veranstaltungsprojekte bis hin zu Fußballstadien mit und sei in vielen Regionen Deutschlands Marktführer im Eventmanagement. Wie genau sich die Zusammenarbeit mit Hochtief gestalten werde, könne wegen der laufenden Verhandlungen noch nicht gesagt werden: „Da bitte ich um Verständnis.“

Dietmar Althoff, der zusammen mit Sascha Grauwinkel den Exklusivvertrag für Gastronomie in den Herrenhäuser Gärten hat, sagt, dass Hochtief „einen exzellenten Ruf“ habe. Man sei in Gesprächen miteinander, mehr wolle auch er nicht sagen.

Derweil genossen die Besucher die ersten Rundgänge durch den Neubau. Die Handwerker von der Lingener Firma Hofschröer hatten es trotz der Winterpause geschafft, wenigstens einige Elemente des Dachstuhls und ein provisorisches Giebeldreieck auf das Gebäude zu setzen. Der Westflügel liegt leicht hinter dem Zeitplan, Hauptgebäude und Ostflügel sind aber im Rohbau weitgehend fertig. Ganz wagemutige schlichen sich sogar auf das Dach der Seitenflügel, von wo aus man erstmals nach fast 70 Jahren wieder den royalen Ausblick über den Barockgarten genießen konnte.

„Ich bin glücklich über dieses Projekt“, sagte etwa Hannovers ehemaliger Opernintendant Hans-Peter Lehmann. Lutz Stratmann, Kuratoriumsvorsitzender der Volkswagenstiftung, war ebenso gekommen wie Prinz Heinrich von Hannover als Vertreter des Welfenhauses oder Thomas Schwark, Direktor des Historischen Museums, der später die Museumsflügel betreuen wird.

Dafür, dass dieses Projekt finanzierbar wurde, dankte OB Weil nicht nur dem Land, sondern auch der Arbeitgeberstiftung Niedersachsenmetall, die das Projekt mit einem Millionenbetrag unterstützt. Der Schlossbau sei „eine Riesenchance für Hannover“, sagt Weil. Nicht nur, weil die „als schmerzlich empfundene Baulücke“ geschlossen und das ursprüngliche Ensemble wieder zusammengefügt werde. Sondern auch, weil kulturelle, wissenschaftliche und touristische Aktivitäten in dem Schlossbau „auf höchstem Niveau“ eine Verbindung eingingen. Eröffnung soll im Spätherbst sein, das Datum steht noch nicht fest.

Von Conrad von Meding

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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