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Die Fernschreiber Dunkle Wolken über Sydney
Hannover ZiSH Die Fernschreiber Dunkle Wolken über Sydney
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16:29 03.07.2018
Quelle: Thannheiser
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Wir hatten überlegt, uns für die letzte Woche ein Apartment zu leisten, doch als wir das Hochhaus besichtigten, roch es dort so vermodert, dass wir uns lieber wieder für ein billiges Hostel in der Stadt entschieden. Hinter der Tür mit der Nummer 37 erwartete uns ein recht dreckiges Vierbettzimmer mit eingeschlagener Fensterscheibe, dort standen aber auch eine Playstation 3, ein HD-Fernseher und ein Surround-Sound-System. Wenig später lernten wir auch unsere beiden Mitbewohner kennen, einen Neuseeländer und seine deutsche Freundin, die seit drei Monaten in Sydney arbeiteten und sich in Zimmer 37 schon häuslich eingerichtet hatten. Jeden Abend guckten wir gemeinsam Ultimate-Fighting-Kämpfe (der Neuseeländer war ein riesiger Martial-Arts-Fan), wenn wir nicht gerade deutsche Serien in Dauerschleife ertragen mussten (die seine Freundin sehen wollte).

Zu Fuß erkundeten wir die Stadt und versuchten, alles Sehenswerte mitzunehmen. Am zweiten Tag liefen wir durch die Innenstadt hoch bis zum Hafen, und ich sah zum ersten Mal in meinem Leben das Opernhaus von Sydney. In Australien wurde es Winter. Es war verhältnismäßig kalt, und an jenem Tag war der Himmel bewölkt - alles in allem war unsere Stimmung nicht mehr die beste. Wir wussten, dass unsere Reise sich dem Ende näherte, hingen ein bisschen in der Luft und versuchten, die Tage bis zum Heimflug totzuschlagen. Irgendwie waren wir beide auch langsam ein bisschen voneinander genervt. Unsere Geldnot und der damit verbundene Zwang zur Sparsamkeit hob die Laune nicht gerade.

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Als ich dann jedoch am Hafen stand und plötzlich ein Sonnenstrahl durch die Wolkendecke brach und das Opernhaus erleuchtete, wurde mir bewusst, dass ich gerade am anderen Ende der Welt stand, am Ende einer aufregenden, interessanten Reise. Die Erinnerungen daran, das wusste ich in diesem Moment, würden mich noch lange begleiten.

Gemeinsam mit dem dänischen Paar Klaus und Louise, das wir auf der Bananenfarm kennengelernt hatten, gingen wir ins IMAX, das Kino mit der wohl größten Leinwand der Welt, spazierten durch den Park und fütterten Kakadus, die auf unsere Köpfe kletterten. Unsere letzten Tage in Sydney gestalteten sich also doch noch ganz entspannt. Trotzdem freuten wir uns darauf, bald wieder zu Hause zu sein. Darauf, Familie und Freunde wiederzusehen, im eigenen weichem Bett zu schlafen, einen vollen Kühlschrank zu haben und noch etwas vom deutschen Sommer mitzunehmen.

Jonas