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Die Fernschreiberinnen 2800 Kilometer rote Erde
Hannover ZiSH Die Fernschreiberinnen 2800 Kilometer rote Erde
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14:28 10.04.2012
Durch Australiens Herzstück: 2800 Kilometer fahren Arina (Bild) und Alisa durchs Outback.
Mitten im Nirgendwo: Arinane im Outback. Quelle: Schellenberg
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Australien

Eine Reise durch das Niemandsland, wo es nicht mehr gibt als Straßen, riesige Ländereien im Ausmaß von kleinen europäischen Staaten und viel, viel rote Erde gibt, will gut vorbereitet sein. Ich notiere mir die Einwohnerzahl von jedem der Orte, die wir entlang des Highways zum Auffüllen unseres Benzintanks ansteuern könnten.Viele sind es nicht.
Eine der wenigen Siedlungen im Outback, die eine Tankstelle hat, zählt laut Google sogar nur elf Einwohner. Zur Sicherheit füllen wir unseren Ersatzkanister schon in Cairns. Am Tag der Abreise lagern drei Kilo Nudeln, Konservendosen und Toast in einer Kühlbox im Auto, auch Kartenmaterial haben wir zur Genüge. Wenn wir wollten, könnten wir nicht nur die geplante Woche, sondern einen ganzen Monat im Nirgendwo verbringen.

Kaum haben wir den innerstädtischen Verkehr hinter uns gelassen, rennt nur wenige Meter vor unserer Motorhaube ein Dingo über die Fahrbahn. Bis auf eine kleine Schlange schaffen es auf unserer Fahrt auch alle anderen Tiere, sich rechtzeitig vor unserem Auto in Sicherheit zu bringen.
Weitere 200 Kilometer später verlassen uns Handy- und Radioempfang endgültig. Die wenigen Autofahrer, die mir jetzt noch entgegenkommen, grüßen per Handzeichen. Ich drehe „Down Under“ von Men at Work (die inoffizielle Nationalhymne aller Australier) laut auf. Wir sind im Outback. Während die Kultband weitere Lobgesänge auf ihren Kontinent anstimmt, fahre ich immer weiter gen Westen. Der Highway verläuft schnurgerade bis zum Horizont - als könnte ich ewig weiterfahren, ohne mein Ziel jemals zu erreichen.
   
Australien ist ein Land der Extreme. Entweder regnet es so sehr, dass wir in den Straßen baden könnten, oder es ist so heiß, dass ganze Wälder brennen. Und wenn etwas schön ist, dann ist es so schön, dass keine Kamera der Welt den Moment richtig einfangen könnte. Etwa den Sternenhimmel im Outback. Selbst in Nächten, in denen ich den Mond fast nicht erkennen kann, leuchtet das Kreuz des Südens so klar wie vielleicht nirgends sonst auf der Südhalbkugel.
Wir haben die Kuhherden im Westen Queenslands gesehen, haben Schlaglöcher in Badewannengröße auf den Straßen im Northern Territory umfahren, haben die Gebiete der Aborigines durchquert, mitten im Nirgendwo übernachtet, als wir nach fünf Tagen und vier Nächten unversehrt – abgesehen von ein paar Mückenstichen - unser Ziel erreichen: Darwin.
Keine der gefährlichen Situationen, die besorgte Menschen vor der Abfahrt heraufbeschworen haben, ist eingetreten, keine einzige Giftschlange hat sich unseren Füßen auch nur genähert. Stattdessen haben wir im Outback nur hilfsbereite, freundliche Menschen getroffen. Denn wer im  Outback die Motorhaube aufklappt, und sei es nur zum Lüften, hat sofort einen Helfer neben sich.
Ariane