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Die Fernschreiberinnen Durch den Regenwald
Hannover ZiSH Die Fernschreiberinnen Durch den Regenwald
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21:53 23.03.2012
Galoppieren am Strand: Ariane (l.) und Alisa am am „Cape Trib“.
Galoppieren am Strand: Ariane (l.) und Alisa am am „Cape Trib“. Quelle: Schellenberg/Struckmeier
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Australien

Es regnet. Vorsichtig steuere ich unseren Geländewagen über die einzige befestigte Straße, die sich entlang von kleinen Wasserfällen und Steingeröll einen Weg durch den Regenwald bahnt. Hier und dort gewährt uns der Dschungel einen Blick auf den Pazifik. Die nasse Straße erlaubt nicht viele Blicke zur Seite. Landestypisch gelbe Schilder am Straßenrand warnen vor Kängurus, Wombats und Cassowarys, die jederzeit unseren Weg kreuzen könnten.
Besonders mit den einem Strauß ähnlichen, vom Aussterben bedrohten Cassowarys möchte ich es hier am Cape Tribulation nicht aufnehmen. Unsere Fahrt durch den Daintree Regenwald fühlt sich ein wenig wie ein Besuch am Ende der Welt an. Das Ende Australiens haben wir hier oben im Norden tatsächlich fast erreicht. Hundert Kilometer unbefestigte Piste sind es bis zum letzten größeren Ort, Cooktown. Was danach kommt wird von den Australiern liebevoll „the swamp“, der Sumpf, genannt. Unbefahrbares Grenzland – zumindest zur Regenzeit.

Während wir uns weiter gen Norden bewegen verstehe ich, warum der einst große Entdecker Captain Cook dieses Kap „Cape Tribulation“, das Kap der Mühsal, getauft hat. Die Regenzeit macht nun auch uns, ein paar Jahrhunderte später, einen dicken Strich durch die Rechnung. Ich muss einsehen, dass unser Geländewagen kleine Bäche, die sich durch den vielen Regen in reißende Flüsse verwandeln, auch mit Allradantrieb nicht durchqueren kann. Erst recht nicht mit mir als Fahrerin.

Wir stoppen an einem Campingplatz im Ort. Der Besitzer begrüßt uns mit einem Cocktail, der geht aufs Haus. Wegfahren können wir heute nicht mehr. Die Regenzeit bringt so wenig Gäste, dass wir nach dem Abendessen mit dem Koch und dem Kellner Billard spielen. Am nächsten Tag wird uns angeboten, doch noch eine Nacht länger zu bleiben – kostenlos. Spätestens am Sonntag sollten wir uns allerdings wieder auf den Rückweg machen, die befürchteten Niederschläge könnten unsere Fahrt zurück nach Cairns sonst um mehrere Tage verzögern. Von der Außenwelt abgeschnitten im Regenwald den Regen aushalten? Nicht mit uns.
Vor dem großen Wolkenbruch gönnen wir uns einen langen Ausritt, der von einer abgelegenen Farm durch den Regenwald bis an den Strand führt. Als ungeübte Reiterin bin ich glücklich, dass mein Pferd Leo den Weg durch Flüsse und Dickicht sehr gut zu kennen scheint. Trotzdem muss ich bei jeder Baumwurzel, der weder Pferd noch Reiterin ausweichen können, darüber nachdenken wie es wohl wäre am Cape Tribulation, einem Ort ohne Arzt, einen Unfall zu haben.
Beim Galoppieren am Strand verfliegt auch diese Sorge. Am Ende unserer Erkundungstour reiten wir durch einen nicht ganz ungefährlichen Fluss. Auffällige Warnschilder kennzeichnen diesen Wasserlauf, auch auf Deutsch, als einen beliebten Aufenthaltsort für Krokodile. Unbeirrt von Schildern oder aufmüpfigen Reptilien traben unsere Pferde einfach weiter. Gefressen wird heute niemand.
Nach zwei Tagen am „Cape Trib“, wie es die Einheimischen nennen, fühlt sich das Übersetzen mit der Fähre an wie eine Rückkehr in die Zivilisation. Wir freuen uns auf weniger Regen, weniger Spinnen und ein richtiges Bett. Einen Ausflug zum Cape Tribulation, sei es auch nur für ein paar Tage, sollte jeder Australienreisende einmal unternommen haben. Zumindest solche, die schon so weit gekommen sind, wie wir.

Alisa