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Die Fernschreiberinnen Mit dem Zug zum Uluru
Hannover ZiSH Die Fernschreiberinnen Mit dem Zug zum Uluru
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16:26 03.07.2018
Der Ghan ist Australiens einziger Zug, der von Darwin bis ins südliche Adelaide einmal durch die Mitte des Landes fährt. Quelle: dpa
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Australien

Wir können uns zurücklehnen und die Aussicht auf Termitenhügel und Kuhherden genießen. Unser Auto haben wir in einem anderen Teil des Zuges untergebracht. Wären wir von Darwin aus mit dem Geländewagen zum Uluru gefahren, hätten mehrere Fahrtage und die unglaublich teuren Benzinpreise im Outback uns zu viel Zeit und Geld geklaut. So fahren wir etwas günstiger und mit mehr Beinfreiheit zur wohl wichtigsten Touristenattraktion in Australien.

Nach den ersten zwölf der vierundzwanzig Stunden im Großraumabteil finde ich alle anderen Passagiere nervig. Das alte Ehepaar, das im Sitzen schnarcht, die mies gelaunte Zugbegleiterin, das unaufhörlich plappernde Grundschulkind auf dem Sitz hinter mir oder die Deutsche,die ihre Darmprobleme lautstark diskutiert  – ich möchte sie alle loswerden. Seit fast sieben Monaten leben Ariane und ich mit anderen Menschen auf engem Raum. Das ist häufig witzig, manchmal anstrengend und wenn es unerträglich wird, können wir uns einfach umdrehen und gehen. In einem Zug, den die Passagiere in vierundzwanzig Stunden nur zweimal verlassen dürfen, wird der Blick aus dem Fenster von einer netten Annehmlichkeit des Bahnfahrens zu einer dringend nötigen therapeutischen Maßnahme.

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Die Reise mit dem „Ghan“, ehemalig der „Afghan Express“, ist trotzdem ein unvergessliches Erlebnis. Und verglichen mit den Anfängen dieser Zuges, der ende des 19. Jahrhunderts den Transport mit aus Afghanistan importierten Kamelen ablöste, reisen wir heute sehr komfortabel.
Nach einer Nacht im Zug stolpern wir in die kalte Luft von Alice Springs.

Mit dem Auto geht es vierhundert Kilometer ins Landesinnere zum Stein. Von europäischen Entdeckern zum Ayers Rock ernannt, ist der Monolith das größte Heiligtum der Aborigine-Stämme aus dieser Region des Landes. Das Gebiet um den Stein, heute ein Nationalpark, wurde den ursprünglichen Eigentümern in den achtziger Jahren in einer Zeremonie zurückgegeben. Trotzdem ist der Stein eher eine Sehenswürdigkeit für Touristen geblieben, als ein spiritueller Ort der Einheimischen.

Doch als wir kurz vorm Sonnenuntergang mit dem eigenen Auto in den Nationalpark fahren, bin ich überwältigt von der tatsächlichen Schönheit des roten Monolithen. Wie grafisches Detail, das der an sich so kargen Landschaft auf dem Computerbildschirm künstlich hinzugefügt wurde, thront der  Uluru über der kargen Steppe des Nationalparks.
Ein Anblick, den ich auch trotz vierundzwanzig Stunden im Großraumabteil nicht missen möchte.
Eine weite Reise für einen einzigen Stein.

Alisa Schellenberg

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