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Neue Platten Oden ans Neonlicht
Hannover ZiSH Neue Platten Oden ans Neonlicht
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11:47 16.11.2015
Von Karsten Röhrbein
Quelle: Benedikt Schnermann

Enno Bunger ist mit melancholischen Piano-Balladen bekannt geworden, aber für einen Gag ist er trotzdem zu haben. Er nennt sich „Flausenleger“ und „Kummerjäger“, macht Witzchen über die Ohren von Dumbo und Prince Charles. Kalauer gehören für den Ostfriesen zum Handwerk. Sie sind nicht das einzige, was auf dem dritten Album „Flüssiges Glück“ irritiert: Der 28-Jährige sitzt seltener am Klavier, viel öfter lässt er sich vom federnden Keyboard und monotonen Beats treiben, fast wie in Trance. „Nie was Besseres gemacht, als sich so hinzugeben“, sprechsingt Bunger mit leichter Casper-Heiserkeit in „Neonlicht“, einer Ode an das Feiern – ehe der Song zu einem Deep-House-Track wird, an dem man sich nicht satthören kann.

Auch „Hamburg“, mit zehn Minuten Länge das zentrale Stück, verliert sich gekonnt auf der Tanzfläche. Es ist ein Song übers Ankommen in der Wahlheimat und zugleich eine lakonische Klage über Gentrifizierung und Wohnungsnot: „Willst du eine Bleibe habe, folge einem Leichenwagen.“

„Flüssiges Glück“, von Bunger fast im Alleingang eingespielt, ist kein Album für Träumer. Im Gegenteil, es ist ein Wachmacher. In „Am Ende des Tunnels“ geht es um die Gedankenlosigkeit ehemaliger Idole, die jetzt Fast-Food-Werbung machen, in „Wo bleiben die Beschwerden“ ums Behörden-Versagen bei den NSU-Morden – und um bequemen Zynismus angesichts von alltäglichem Rassismus. „Warum lassen wir das zu?“, fragt Bunger da. „Wir können was dafür, wenn wir nichts dagegen tun.“ Wie wahr.

Karsten Röhrbein

Enno Bunger: „Flüssiges Glück“, Pias.
www.ennobunger.de.

Am Freitag, 27. November, spielt Enno Bunger im Pavillon Hannover:

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