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ZiSH "Singende Mülleimer sind spooky"
Hannover ZiSH "Singende Mülleimer sind spooky"
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14:16 20.03.2015
Fröhliche Gesichter im Plenarsaal: Im Ausschuss für Schule, Jugend und Soziales diskutieren Johanna, Rachel und die anderen Schüler mit Projektentwickler Gregor Dehmel. Quelle: Krajinović
Hannover

Ihr Anliegen ist Melis wichtig. So wichtig, dass sie sich heute besonders schick gemacht hat. Ihre Bluse ist ordentlich gebügelt, ihre Haare sind zu einem strengen Dutt gebunden. „Nicht nur Obdachlose brauchen Geld, sondern deren Tiere auch Futter“, sagt sie und schaut mit ernstem Blick in die Runde. Das Plenum nickt verhalten. Keine Widersprüche. Melis fährt fort mit ihrem Plädoyer für den Tierschutz. Die Idee dafür hat sie von ihrer Mutter. Ihre Forderungen sollen am Ende des Tages in
einem konkreten Antrag festgesetzt werden. Um das zu erreichen, hat sie sich heute besonders seriös herausgeputzt – nur ihre weißen Turnschuhe und die Adidas-Schultasche fallen aus dem Bild.

Melis und ihre Zuhörer sind nicht etwa erwachsene Abgeordnete, sondern Schüler des zehnten Jahrgangs der Realschule Isernhagen. Beim Planspiel „Pimp Your Town!“ des Vereins Politik zum Anfassen dürfen sie sich wie Kommunalpolitiker fühlen. In einer dreitägigen Simulation spielen sie die Entscheidungsprozesse in den Ausschüssen der Region Hannover nach. Allerdings geht es nicht um Krankenhäuser, sondern um Themen, die ihnen wichtig sind. Bei ihren Ideen müssen sie, anders als die tatsächlichen Politiker, nicht auf das Geld achten. Es geht nur darum, wie sie zustande kommen und durchgesetzt werden.

Im Gegensatz zu Melis tragen die meisten anderen Schüler lockere Pullis und Röhrenjeans. Viele machen sich zum ersten Mal Gedanken über die Region Hannover. In Ausschüssen zu Themen wie Verkehr, Jugend oder Umwelt erarbeitet sich jede Klasse Anträge. Auf rote, blaue und grüne Zettel schreiben sie ihre Ideen. Auf den roten Zetteln steht, was ohne Kommunalpolitik nicht funktionieren würde: keine Straßenbahn, keine Müllabfuhr, keine Bolzplätze. Auf grünen Zettel notieren die Schüler ihre Wunschträume: 5000 Euro für jeden Bürger, einen Touchscreentisch im Klassenzimmer. Umsetzbare Vorschläge stehen auf den blauen Karten: Schulgebäude müssen saniert werden.

Das findet auch Benjamin. In seinem Klassenraum fehlt eine Platte in der Decke und der Wasserhahn funktioniert nicht. Eine der Gruppen diskutiert über Minijobcenter, in denen Jugendliche Jobs wie Zeitungen austragen vermittelt bekommen. „Mit 14 Jahren ist man aber doch zu jung für einen Minijob“, wirft Emily ein. Trotzdem will die Gruppe den Antrag in der Ausschusssitzung vortragen. Dort treffen sie auf Schüler der Tellkampf- und der Lutherschule, die sich ebenfalls Anträge überlegt haben.

Für das Projekt bewerben sich Politiklehrer mit ihren Klassen. „Erst haben meine Schüler verhalten auf den Vorschlag reagiert“, sagt Lehrer Götz Thomsen von der Tellkampfschule. Eine Wahl hatten sie aber nicht.

Am nächsten Tag feilen Kommunalpolitiker an den Anträgen der Schüler. Das heißt aber nicht, dass die Schüler von ihren Ideen abrücken würden. „Ich will meinen Antrag über ein Freiluftfitnesscenter nicht verändern“, sagt Nico Alexander, der eine Jogginghose und ein T-Shirt trägt. Nadja von der Realschule Isernhagen hat andere Prioritäten: „Wir wollen die Mülleimer in der Stadt mit Graffiti verschönern. Außerdem sollen Tonbänder mit witzigen Sprüchen installiert werden.“ Die anderen sind erst skeptisch: „Sprechende Mülleimer können aber ganz schön spooky sein“, sagt Asena sachlich. Die Schüler einigen sich schließlich auf stumme Mülleimer. Der Antrag wird einstimmig durchgewunken.

Am Ende geben sich die meisten begeistert: Es sei interessant gewesen, sich Gedanken um Kommunalpolitik zu machen. Sich selbst auch weiterhin in Projekte einbringen wollen die meisten trotzdem nicht. Es fehle an Zeit oder Ideen. Melis sieht das anders. Sie hilft nicht nur Tieren, sondern sammelt auch Unterschriften. Ihr ist wichtig, dass ihr die Leute zuhören. Und sie ernst nehmen.

Von Sarah Franke und Nikolai Willgeroth

Das Konzept

Im Planspiel „Pimp Your Town!“ vom Verein Politik zum Anfassen schlüpfen Schüler in die Rolle von Kommunalpolitikern. Sie können ihre eigenen Anträge ausarbeiten und vorlegen – zum Beispiel für einen neuen Bikepark oder günstigere Bustickets. Dann spielen die Schüler die Abläufe in der Kommunalpolitik einmal durch und lernen sie so kennen.

Dabei arbeiten in den Sitzungssälen im Haus der Region drei Schulklassen parallel in einzelnen Ausschüssen wie Jugend, Schule und Soziales. Daneben erfahren die Schüler in einem Crashkurs, wie eine Kommune „regiert“ wird.

Ihre Ideen bleiben aber nicht bloß das Ergebnis eines Spiels. Sie können sie tatsächlich in die lokale Politik einbringen: Heute wird dann in einer gemeinsamen Schlussdebatte über die
einzelnen Anträge der Jugendlichen beraten. Die Resultate des Planspiels werden dann in einer Drucksache zusammengefasst, die dem Rat und seinen Ausschüssen vorgelegt wird. Dadurch haben die Schüler die Gelegenheit, sich direkt an Beschlüssen der Kommunalpolitik zu beteiligen – der erträumte Bikepark könnte also theoretisch tatsächlich gebaut werden.

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