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ZiSH Für Bands und Bändchen
Hannover ZiSH Für Bands und Bändchen
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15:17 20.06.2014
Quelle: Privat
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Ihre Rucksäcke und Zelte hatten Merret und Frederik bereits am Mittwoch gepackt. Mit im Gepäck waren Sonnencreme und Sonnenbrille ebenso wie Gummistiefel und Regencape. Das Wetter beim „Hurricane“-Festival in Scheeßel, das wissen die beiden, ist tückisch. Einen Tag herrscht sengende Hitze, am nächsten Tag können Hunderte Zelte unter Wasser stehen. Wie rund 73 000 andere Gäste fahren Merret und Frederik auch dieses Jahr wieder zu dem Festival, wo Arcade Fire, Fettes Brot und The Black Keys spielen. Allerdings sind die beiden Studenten schon zwei Tage vor Beginn des „Hurricane“ angereist.

Die beiden sind Festivallotsen – sogar ziemlich erfahrene. An Merrets Arm baumeln ein gutes Dutzend bunte Festivalbändchen. Beide besuchen sechs bis sieben Festivals pro Jahr, bei der Hälfte sind sie als Lotsen tätig, seit das Projekt „24/5“ vor zwei Jahren startete. An fünf Tagen sollen die Lotsen auf dem „Hurricane“ insgesamt 24 Stunden arbeiten. Jeden Tag leisten sie zwischen vier und sechs Stunden ab – unentgeltlich. Dafür bekommen sie das Ticket vom Veranstalter spendiert. 150 Euro kostet das „Hurricane“. „Wir erleben das Festival anders als die normalen Besucher. Wir kriegen Einblicke hinter die Kulissen und es gibt immer Herausforderungen“, sagt Frederik. So dürfen die Lotsen auch mal die Backstageräume der Musiker dekorieren, in denen sich später Peter Fox, Kraftklub und andere auf ihre Shows vorbereiten. Doch die meisten Arbeiten sind eher weniger glamourös: Unmengen an Dosen, Flaschen, Wurstverpackungen, sowie Grills und komplette Zelte werden jedes Jahr zurückgelassen. Die Lotsen müssen das Chaos beseitigen. So wurden 2013 auf dem „Hurricane“ und dem Schwesterfestival „Southside“ insgesamt 18 Tonnen Müll aufgesammelt.
Auf acht von zehn Festivals, die FKP Scorpio organisiert, werden Lotsen eingesetzt, vom „Hurricane“ in Norden bis zum „Chiemsee Summer“ in Bayern.

1500 Bewerbungen gab es für die Lotsenjobs dieses Jahr auf dem „Hurricane“, 550 haben eine Zusage bekommen. Besondere Vorerfahrungen müssen die Lotsen dabei nicht mitbringen. Hauptsache volljährig und ein nettes Motivationsschreiben – das reicht. Wer sich nur bewirbt, um den freien Eintritt abzusahnen und dann nicht zum Dienst antritt, muss die Ticketkosten an den Veranstalter zurückzahlen. Erfahrene Lotsen wie Frederik und Merret sind daher erwünscht: Sie sind zuverlässig und haben Spaß bei der Sache, wenn sie in vier- bis sechsstündigen Schichten ihre Arbeitszeit ableisten. So wünscht sich das der Veranstalter.

Aufgaben gibt es auf dem riesigen Gelände genug: Festivalbändchen am Einlass verteilen, Parkplätze zuweisen, Müllpfand ausgeben oder beim Auf- und Abbau helfen. Gearbeitet wird in zehnköpfigen Teams. Am liebsten macht Merret, die Aufgaben in denen sie Kontakt mit den Gästen hat. Bis auf einen: „Den Anreiseverkehr zu regeln ist nicht so toll. Da steht man die ganze Zeit alleine rum.“ Eine besondere Aufgabe ist die des Jokers: Überall, wo Hilfe gebraucht wird, muss er einspringen.

Von ihrer Arbeit erhofft sich Merret Erfahrung für ihren späteren Beruf zu sammeln. Zurzeit studiert sie Eventmanagement. „Da kann ich auf dem Festival einiges lernen“, sagt die 20-Jährige . Frederik ist da pragmatisch: Freier Eintritt für Arbeit bei sengender Hitze oder Sprühregen lohnt sich für ihn. Dass es außer dem Ticket und einem Shirt kein Geld gibt, ist ihm nicht so wichtig. Außerdem haben beide auf Festivals viele Freunde unter den Lotsen gefunden, mit denen sie auch außerhalb der Saison Treffen organisieren.

Um ihre Lieblingsbands sehen zu können, müssen Merret und Frederik schnell sein. „Sobald der Dienstplan online steht, muss man sich schnell für Teams eintragen.“ Dann kann ausgewählt werden, wann und als was man arbeiten möchte. Eine Garantie, die gewünschten Arbeitszeiten auch zu bekommen, gibt es nicht.

Dieses Jahr freuen sich die beiden auf Seeed, Volbeat und The Dropkick Murphys. Die Lotsen haben einen eigenen Campingplatz, auf dem nach der Arbeit mindestens genauso ausgelassen gefeiert wird, wie auf dem normalen Gelände, meint Merret. Allerdings ist Zurückhaltung angesagt: alkoholisiert zur Arbeit anzutreten ist verboten. Ab und an schauen auch Musiker auf dem Campingplatz der Lotsen vorbei: „Letztes Jahr kam Casper vorbei und hat sich für unsere Arbeit bedankt. Dann haben wir mit ihm Flunkyball gespielt“, erzählt Merret.

Spätestens am Wochenende um den 9. August treffen sich Merret, Frederik und die anderen Lotsenkollegen wieder. Dann werden sie auf dem „M’era Luna“ bei Hildesheim gebraucht. Ihre preiswerte Hilfe wird natürlich auch dort gerne angenommen.

Manuel Behrens

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