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ZiSH Hoch hinaus: So gut sind Kletterhallen in Hannover
Hannover ZiSH Hoch hinaus: So gut sind Kletterhallen in Hannover
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13:44 17.07.2018
Kein Platz für Höhenangst: ZiSH-Autorin Nele hat sich an eine Kletterwand getraut – und würde es wieder tun.
Kein Platz für Höhenangst: ZiSH-Autorin Nele hat sich an eine Kletterwand getraut – und würde es wieder tun. Quelle: Heidrich
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​Mit Schwung greife ich nach dem obersten Klettergriff und erreiche mit letzter Kraft mein Ziel am oberen Ende der Kletterwand. Mit schmerzenden Händen blicke ich hinab zu meinem vierköpfigen 
Toprope-Kletterkurs. Obwohl mich beim Blick nach unten ein mulmiges Gefühl überkommt, überwiegt vor allem der Stolz: Ich habe die 15 Meter hohe Wand erklommen. 

Dabei hatte mir der erste Blick zur Decke der Indoor-Kletterhalle des Deutschen Alpenvereins ​Unbehagen bereitet. Kletterlehrer Michael Brockhaus erklärt rasch die wichtigsten Grundlagen des Top-rope-Klettern: Über ein Seil wird der Kletterer von einer Person am Boden gesichert. Dann kann ähnlich wie beim ungesicherten Bouldern die Wand anhand der Klettergriffe bestiegen werden. 

Dass man dafür nicht nur Kraft in Armen und Beinen benötigt, merke ich schnell. Jede Kletterroute ist durch eine bestimmte Farbe der Klettergriffe gekennzeichnet.  Wenn ich mich verschätze und an einem weniger günstigen Klettergriff festhalte, komme ich deutlich schwieriger voran. Ohne taktische Überlegungen gelangt man nicht ans Kletterziel. „Durch die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade der Routen gibt es ein hohes Steigerungspotenzial”, sagt Brockhaus.

Schnell ist mein Ehrgeiz geweckt, auch schwierigere Routen zu bezwingen. Denn eigene Grenzen auszutesten – darum geht es beim Klettern. 

Während es beim Bouldern um Kraft geht, ist beim Toprope die Ausdauer von großer Bedeutung. „Man kann ohne Befürchtungen über seine Grenzen hinausgehen, da man nie tief fällt“, erklärt Brockhaus. Im Gegensatz zum Toprope bringt man beim Aufstieg die Zwischensicherungen für das Seil selbst an der Wand an. „Wenn ich klettern gehe, verlasse ich beim Aufstieg am ehesten meine Komfortzone“, sagt Brockhaus.  

Bevor ich meinen ersten Aufstiegsversuch starten werde, möchte ich mich erst einmal an schwierigeren Toprope-Routen versuchen. Mein Ehrgeiz, mich von einer Anfängerroute der Schwierigkeit vier auf eine fünfer Strecke zu steigern, ist längst geweckt. Nina Hoffmann

Wer im Griffreich-Kletterzentrum, Peiner Straße 28, Probe klettern möchte, kann das ab 25 Euro. Termine werden unter www.griffreich.de aufgelistet.

Kopfüber und ohne Seil

Fünf Meter hoch ist die Boulderwand im Escaladrome. ​Für Menschen ohne Höhenangst klingt diese Höhe noch aktzeptabel, doch die Halle in Mittelfeld hat es in sich. Immerhin klettert man beim Bouldern komplett ohne Sicherung.  Die Wände neigen sich zum Teil in den Raum oder man baumelt sogar kopfüber im Raum. Für solche Strecken ist Muskelkraft nötig, aber auch der Kopf spielt eine wichtige Rolle. Denn beim Bouldern ist strategisches Denken entscheidend: Welchen Weg nehme ich ans Ziel, und über welche Klettergriffe gehe ich? So sind im Escaladrome stets einige Menschen dabei zu beobachten, die sich vor dem Start angeregt über das Vorgehen austauschen. Und es geht den Boulderern weniger um Rekordzeiten, in denen sie die Wand besteigen.

Wen auf dem Weg nach oben die Kräfte verlassen oder wer einen falschen Tritt setzt, der landet weich auf dem mit Matten gepolsterten Boden. Die Schwierigkeitsgerade der verschiedenen Wege lassen sich anhand von verschiedenfarbigen Zetteln an den Start- und Endpunkten erkennen. Weiß steht für leichte Strecken. Auf dem Weg nach oben muss man dann alle Griffe der gleichen Farbe benutzen, um innerhalb der ausgewählten Schwierigkeitsstufe zu bleiben. 

Louisa Vietmeyer

Das Escaladrome, Am Mittelfelde 39, hat täglich von 10 bis 23 Uhr geöffnet. Eine Tageskarte kostet 10,50 Euro, für Schüler und Studenten 9 Euro. 

Klettern wie Spiderman

​Wie ein Affe den „Orange-Utan“ hinauf schwingen, den Gipfel vom „Hochhinausberg“ erklimmen und am „Strand ohne Meer“ mehr Aktion als Entspannung erleben: Dafür braucht es keine Reise in gebirgige Gegenden. Dies sind drei der vielen Kletterrouten im Klettercampus ​am Moritzwinkel. 

Das Besondere: Hier schrauben die Studenten die Routen selbst. Der Klettercampus bietet eine große Indoor-Kletterwand, in der in kurzen Abständen Karabiner befestigt sind, sodass jede Kletterroute vom Boden aus bestiegen werden kann. Outdoor-Klettern an echten Felsen gibt es bei Touren in den Sommermonaten. Vor dem Aufstieg wird der Besucher ordnungsgemäß gesichert. Die Kletterrouten sind durch die Farbe der angeschraubten Griffe gekennzeichnet und in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden kategorisiert. 

Routen mit einer Schwierigkeitsstufe zwischen drei und fünf sind auch für das erste Mal Klettern machbar, die schwerste Route der Kategorie zehn  ist allerdings etwas für die sehr guten Kletterer. Wer die Route schafft, befindet sich zwölf Meter über dem Boden und kann à la Spider-man kopfüber an der Hallendecke  klettern. 

Janosch Lübke 

Der Klettercampus, Moritzwinkel 6, liegt am Zentrum für Hochschulsport. Geöffnet ist von Montag bis Freitag zwischen 10 und 22 Uhr, am Wochenende zwischen 12 und 22 Uhr. Die Tageskarte kostet für Studis 6 Euro, Gäste zahlen 10 Euro. 

Hoch hinaus 

16 Meter Höhe und 3400 Quadratmeter Kletterfäche – die Kletterbar ​in Brink-Hafen hat im vergangenen Jahr frisch eröffnet. Das Besondere: In der größten Halle Niedersachsens kann im Sommer sogar im Freien an der Außenfassade gekraxelt werden. Und auch drinnen gibt es einiges zu erleben. Insgesamt sind hier 21 000 Klettergriffe an den quietschbunten Wänden verbaut. 260 Kletterrouten gibt es derzeit - "die werden ständig geändert", sagt Geschäftsführer Karsten Bier. So wird es nicht langweilig.

Im Boulder-Paradies in der zweiten Etage können auf 350 Quadratmetern Wände ohne Sicherung bestiegen werden. Wer abrutscht, landet auf Matten. 

Eine weitere Attraktion ist der Pamper Pole, ein ausgetrockneter Baum, der in der Halle steht. Hier hinauf zu gelangen ist einfacher als gedacht, allerdings schwingt der Baum, je höher man klettert. Auf der dünnen Spitze angekommen, kann man ein Foto von sich schießen.

Nele Kolf

Die Kletterbar, Reinhold-Schleese-Straße 21, hat von Montag bis Freitag von 10 bis 23 Uhr und am Wochenende von 9 bis 22 Uhr geöffnet. Eine Tageskarte kostet 15 Euro. Ermäßigt 10 bis 13 Euro.