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ZiSH „Ich will den Leuten nichts vorbeten“
Hannover ZiSH „Ich will den Leuten nichts vorbeten“
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13:17 16.01.2015
Back in black: Sänger Felix (Mitte) und seine Kraftklub-Kollegen Karl, Max, Steffen und Till. Quelle: Tim Kloecker

Ihr seid gegen Pegida auf die Straße gegangen und habt auf eurem letzten Album „In Schwarz“ mit „Schüsse in die Luft“ auch einen recht politischen Song. Dabei wolltet ihr doch eigentlich gar keine politische Musik machen.
Wir dachten immer, es würde funktionieren, dass wir eine Band sind, die aus sehr politisch denkenden Menschen besteht und trotzdem keine politische Band sind. Irgendwann haben wir dann gemerkt, dass das nicht funktioniert – und uns damit abgefunden. Wir sind halt schon eine politische Band. Kunst ist ja irgendwie immer politisch, finde ich.

Wieso hat sich das geändert?
Wir dachten, es ist nicht nötig, als Band politisch zu sein und es reicht, dass wir das privat sind. Ich versuche auch immer, in Interviews so wenig wie möglich in dieser Hinsicht zu erzählen. Unsere Musik spricht schon ganz gut aus, was wir sagen wollen. Es ist halt eine Selbstverständlichkeit bei uns, dass man nicht rechts ist. Wenn man sich entscheiden muss, ist man auf jeden Fall klar links. Das war für uns immer klar. Deswegen haben wir uns nie so politisch gesehen. Aber natürlich waren wir die ganze Zeit auch politisch.

Warum ist es denn für euch selbstverständlich gegen rechts zu sein?
Wir sind in Chemnitz in den 90er-Jahren aufgewachsen – in einer Stadt, in der es sehr viele Nazis gab. Bei uns in der Innenstadt gab es eine zentrale Stelle: die Uhr. Wenn du da abgehangen hast und längere Haare oder einen Parka hattest, dann musstest du halt ab und zu mal flitzen. Wir waren da nicht politisch in der Zeit. Da ging es ums Mädchenknutschen und Schulzensuren. Um die großen Themen der Politik haben wir uns damals keine Gedanken gemacht. Aber man musste sich halt schon in der Schulzeit entscheiden. Und für uns war es relativ klar, dass wir links sind.

Pegida findet ja im Osten mehr Anklang, als im Westen ...
... Nein, das ist falsch! Das findet in Dresden mehr Anklang. Es ist einfach nur Dresden. Also, tut mir auch voll Leid für die Dresdner. Am Montag waren laut Polizeiangaben 4800 Leute bei Legida in Leipzig und rund 30 000 Gegendemonstranten. Und in Chemnitz gibt es noch nicht mal einen Pegida-Ableger. Da gibt es nur „Chemnitz wehrt sich“ – das sind 200 Hansel, aber die stehen auch anderthalbtausend gegenüber. Also ich hab nicht das Gefühl, dass das ein ostdeutsches Phänomen ist.

Habt ihr das Gefühl, dass die Jugend unpolitisch ist? Das klingt zumindest bei „Schüsse in die Luft“ so. Da singt ihr darüber, dass sich zu viele beklagen, aber zu wenige etwas ändern.
Ich weiß nur, dass es so eine Art Doofhaltungssache vom Fernsehen gibt. Den Leuten fehlt die Empathie, habe ich manchmal das Gefühl. Man macht den Fernseher an und lacht Leute aus, die offensichtlich ein bisschen doof sind. Das ist ein gutes Bild dafür, was mit dieser Generation schiefläuft. Wenn ich das schon höre aus meinem Umfeld: „Ja, aber weißte, da komme ich so nach Hause, dann will ich mich einfach ein bisschen berieseln lassen.“ Was ist denn das für eine Herangehensweise an das Fernsehen? Einfach so Berieselfernsehen.

Wollt ihr mit eurer Musik denn eine bestimmte Haltung vermitteln?
Wenn wir es uns aussuchen könnten, würden wir uns wünschen, dass sich die Leute, die unsere Musik hören, genauso kritisch mit uns auseinandersetzen wie wir uns mit anderen Dingen auseinandersetzen. Aber ich will mich eben nicht hinstellen und den Leuten vorbeten, was sie zu wählen haben, wogegen und wofür sie demonstrieren sollen. Das finde ich anmaßend. Wir sind nicht die, die konstruktive Lösungsvorschläge raushauen oder den Leuten sagen: „Hey Leute, so wird’s gemacht!“ Ich finde es immer ein bisschen gefährlich, wenn Leute meinen, die einzig wahre Wahrheit zu kennen und sie dann anderen verklickern wollen.

2013 habt ihr eure Echo-Nominierung nicht angenommen, weil Freiwild auch nominiert wurde. Da politisiert ihr euch dann ja im Prinzip schon als Band.
Ja klar, aber das ist so wie: „Ich geh’ nicht auf ‘ne blöde Party. Feiert halt – aber ohne uns.“ – mehr ist das nicht.

Bei Facebook habt ihr unter „Schüsse in die Luft“ den Spruch „immer wieder montags“ gepostet. Beeinflusst das dann nicht eure Fans?
Ich glaube nicht, dass der Fan eine Knetmasse ist. Ich hoffe und glaube, dass Fans kritische Leute sind. Und wenn du dir die Kommentare anguckst, dann gibt es da durchaus kritische Stimmen. Ich finde es nur nicht verkehrt, einen Anstoß zu geben. Man geht auf eine Demo. Ach Mann, mir liegt so viel auf der Zunge. Aber ich habe mir eben gesagt, dass ich das nicht will. Ich will nicht in einem Interview Leuten erzählen, was sie machen sollen.

Viele eurer Songs sind auch sehr ironisch und nicht alle verstehen Ironie.
Ich glaube, unsere Fans sind alle der Ironie mächtig. Wer sich zum Beispiel „Unsere Fans“ anhört und dann sagt: „Was? Das kann ja wohl nicht wahr sein. Ich hab mir hier für 10 Euro die scheiß Platte gekauft. Und jetzt werde ich erst mal gedisst.“ – Der hat es wahrscheinlich auch mit der restlichen Platte nicht so.

Deine Eltern hatten früher auch eine Band. Du und dein Bruder machen jetzt im Prinzip das Gleiche. Ist das nicht auch ein bisschen spießig?
Bisschen spießig – ja schon, da hast du recht. Aber mein Gott. Hätten wir uns emanzipieren wollen, dann hätte man wahrscheinlich besser eine Bankkaufmannslehre gemacht oder so.

Oder müsst ihr euch nicht abgrenzen, weil ihr euch gut mit denen versteht?
Doch, also ich hatte da schon auch meine schwierigen Phasen. Ich war kein einfaches Kind in der Pubertät, glaube ich. Aber mit 25 bin ich jetzt nicht mehr in dem Alter, in dem ich jeden Tag mit den Türen knalle und meine Eltern beschimpfe. Seitdem man nicht mehr zusammenwohnt, ist das eigentlich alles ein bisschen entspannter geworden.

Spielt ihr ein fertiges Album denn eurer Familie oder euren Freunden vor?
Das erste Mal, dass wir „In Schwarz“ jemandem vorgespielt haben, war bei dem Geburtstag von unserem Gitarristen Steffen. Da waren wir eine große Runde mit unseren Kumpels. Eigentlich wollten wir nur fünf, sechs Songs vorspielen – und zu jedem einen Schnaps trinken. Im Endeffekt haben wir dann das komplette Album angehört, alle 15 Songs, und waren lattenstramm. 


Interview: Kira von der Brelie

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Felix Brummer, Sänger von Kraftklub, und seine Bandkollegen haben sich kurioserweise in einem Fitnessstudio kennengelernt. Die klugen Texte von Felix Brummer zeigen allerdings, dass Köpfchen der Band weitaus wichtiger ist als ein durchtrainierter Bizeps. Im Jahr 2010 gewinnen die Jungs aus Chemnitz – oder wie sie sagen: Karl-Marx-Stadt – den Musikpreis „New Music Award“ und damit einige Aufmerksamkeit. Ein Jahr später treten Kraftklub mit dem Song „Ich will nicht nach Berlin“ bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest auf, wo sie den fünften Platz belegen. Im Gegensatz zu vielen ihrer Musikerkollegen haben sie daraufhin immer noch keine Lust, ins hippe Berlin zu ziehen. Stattdessen nehmen sie sich und ihre Herkunft nicht zu ernst und bringen im Januar 2012 das Nummer-1-Album „Mit K“ raus. Dem großen Erfolg und Vorwürfen des kommerziellen Ausverkaufs entgegnet die Band den Song „Unsere Fans“. Der erscheint als zweite Single auf dem zweiten Album „In Schwarz“. Felix Brummer münzt darin all die Vorwürfe einfach auf die Kraftklub-Fans um: „Unsere Fans haben sich verändert, unsere Fans haben sich verkauft“ – eine gute Art, mit stumpfer Kritik umzugehen. Am Montag, 2. März, spielen Kraftklub in der Swiss Live Hall. Tickets gibt es ab 31,80 Euro an allen HAZ-Ticketshops und im Internet auf www.tickets.haz.de

Martin Wiens

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