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ZiSH So klingt der Frühling
Hannover ZiSH So klingt der Frühling
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17:43 24.04.2014
Rainer Surrey
Rainer Surrey Quelle: Soundtrack zum Frühling
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Bis es wackelt

Dosenravioli, Weizentoastbrot, Gewürzgurken und eine Palette 0,5-Liter-Dosenbier: Mein Festivalproviant ist zwar nicht besonders vitaminreich, aber sehr sättigend. Zusammen mit einem Schlafsack, den alten Gummistiefeln von Papa und ein paar Klamotten stopfe ich gedanklich schon mal alles in den Rucksack.

„Ich packe meine sieben Sachen“, singt auch Jan Delay in seinem Song „Wacken“ und begibt sich auf Festivalausflug. Mit einem weißen Anzug und rosafarbener Krawatte mischt er sich im Musikvideo provokant zwischen schwarze Kutten und Iron-Maiden-Shirts auf dem Wacken Open Air. Zu verzerrten E-Gitarren und straightem Schlagzeug singt der Hamburger auf seinem neuen Album „Hammer & Michel“ mit seiner gewohnten Näselstimme. Die Metamorphose des Jan Delay vom rappenden Beginner über Reggae, Soul und Funk gipfelt jetzt in klassischem Rock. So viel Lärm machte er noch nie. Gitarrenmusik passt sowieso viel besser zur kommenden Festivalsaison, finde ich.

Bis es so weit ist, hole ich das Festivalfieber einfach zu mir nach Hause: „Wacken“ befördert mich schon jetzt in Gedanken in die verschwitzte Masse vor der Bühne. Und meine Nachbarn müssen mithören. Also drehe ich die Anlage auf und springe wie ein Irrer durch mein WG-Zimmer. „Düb düb, düb düb dü düb düb“ – das breitbeinige Riff von „Wacken“ gröle ich lautstark mit. So lange, bis Frau Meier aus dem Stock unter mir klingelt. Sie hört nicht mehr gut. Aber sie wundert sich, warum ihre Deckenlampe die ganze Zeit wackelt.

Martin Wiens

Mal wieder raus

Zu Hause ist es immer noch am schönsten.“ Das ist so eine Floskel, die einem Großeltern um die Ohren hauen, wenn man ihnen von seinen Reiseplänen erzählt. Trampen ohne Ziel? Reisen in Länder südlich von Italien? Viel zu gefährlich. Wenn das Fernweh nach dem Winter erwacht und mir die Studentenbude auf den Kopf zu fallen droht, sind alle Bedenken weg. Ich muss mal wieder raus.

Zu den Songs vom neuen Chuck-Ragan-Album „’Till Midnight“ möchte ich nur das Nötigste in den Rucksack stopfen und mich mit einem Freund auf den Weg machen. Zum groovigen „Revved“ wird das Zelt irgendwo in der Pampa aufgebaut. Wahrscheinlich passt Ragans leidenschaftlicher Folk-Rock an keinen Ort besser als an ein wärmendes Feuer. Am nächsten Morgen geht die Tour weiter, bis das Spritgeld aufgebraucht ist.

Ragan weiß, wie es ist, ständig unterwegs zu sein. Er verbringt viel Zeit auf Tour. Das prägt – ihn selbst und natürlich auch seine Songs. Während ich davon träume, rauszukommen, möchte Ragan endlich nach Hause. Und erst wenn ich selbst nach dem Roadtrip erschöpft die Tür zu meiner Studentenbude aufschließe, fällt mir auf: Zu Hause ist es auch ganz nett.

ZiSH

Nacht zum Tag

Die Holzkohle knistert, ein Kumpel dreht die ersten halb garen Würstchen auf dem Grill um. Aus der Musikanlage erklingen die ersten Zeilen von „She Moves (Far Away)“. „Far away, far away in the place with marmalade skies.“ Und schon träumen wir von süßen Orten, an denen der Himmel aus Marmelade besteht. Der Elektro-Song von Alle Farben weckt das Fernweh in uns. Aber jetzt sind wir hier, im Garten meiner Eltern. Das ist okay. Mit den schlichten Gitarrenklängen, dem klatschenden Minimal-Beat und dem Refrain von Graham Candy mit Ohrwurmpotenzial im Hintergrund brauchen wir nicht mehr, um uns frei zu fühlen.

Der Song des Berliner Produzenten und DJs erinnert im ersten Moment an „Stolen Dance“ von Milky Chance und den letzten Sommer – beide Songs sind herrlich leicht. Auch wenn wir abends noch eine Decke brauchen, um nicht zu frieren, fühlt es sich an, als wäre der Sommer in greifbarer Nähe. Der gleichmäßige Beat sorgt für sommerliche Ruhe. Doch wenn wir die Anlage aufdrehen, wird der Song absolut tanzbar. Mit geschlossenen Augen singen wir: „On and on she moves into a paradise without day and without night ...“. Wir machen die Nacht zum Tag. Und es sieht so aus, als sei der Himmel über uns aus klebrig-süßer Marmelade.

Kira von der Brelie

Auf Balkonien

Der Winter ist keine gute Jahreszeit für Dream-Pop. Wenn die Welt draußen kalt und düster ist, fällt es schwer, in himmlische Sphären einzutauchen oder in nostalgischen Träumen von Strand und Meer zu versinken. Der Frühling bringt nicht nur wieder sanfte Pastelltöne ins triste Grau meines Kleiderschranks, sondern mit dem neuseeländischen Trio Yumi Zouma den passenden Soundtrack auf meinen iPod. Und der hat nichts mit Frühjahrsmüdigkeit zu tun.

„I watched you from my balcony last month“ heißt es in „It Feels Good to Be Around You“. Der Song ist ein Cover des schwedischen Electro-Pop-Duos Air France, das sich 2012 aufgelöst hat. Er klingt wie eine Einladung auf meinen Balkon. Ich lehne mich an die Brüstung. Auf meinen Armen ruht zur Seite geneigt mein Kopf. Mit halb geschlossenen Lidern lausche ich der lieblichen Stimme der Sängerin, mein Fuß wippt im Takt der weich wabernden Synthesizer. Die leichten Gitarrenklänge und einfachen Beats der Drummachine halten mich wach, um aufmerksam das Treiben unter mir auf der Straße zu beobachten: Mütter schieben ihre Kinderwagen über den Bürgersteig, ein Junge zieht seinen Vater in Richtung Eisdiele.

Auf Balkonien kann ich die Menschen direkt und ohne verstohlene Blicke anschauen – denn nur die wenigsten werfen einen Blick nach oben. Vielleicht radelt ja sogar ein Sommerflirt vorbei, wie es Yumi Zouma singen: „I saw you headin home cycling through gnat-swarms.“ Also rauf auf den Balkon!

Sirany Schümann

Halleluja!

Unsere Füße tun schrecklich weh. Vier Stunden tanzten zu wummerndem Elektro auf dem ersten Open-Air-Rave des Jahres. Anfangs noch mit ihren Freundinnen und meinem Kumpel, dann später nur noch zu zweit. Erst hampelten wir unbeholfen und nervös voreinander rum – und kamen uns doch immer näher. Schon lange war klar: Da knistert was.

Der Weg zu meiner Wohnung ist weit, die Bahnen fahren schon lange nicht mehr. Sie wohnt nur zehn Minuten Fußweg entfernt – und möchte mir noch eine Folge dieser coolen neuen Serie zeigen, die ich noch gar nicht kenne. Und ich will ihr das neue Album von Paolo Nutini zeigen. Das sind nur Vorwände, das wissen wir beide. Aber wir spielen mit, kichern, flirten und spazieren gemeinsam in ihre Wohnung.

Der Opener „Scream (Funk My Life Up)“ ist so sexy wie die Frau, die nun neben mir auf dem Sofa sitzt. „And that girl, so fine, 
makes you wanna scream ,Hallelujah‘“, singt Nutini zu groovig drückendem Bass, Soul-Gitarren und Bläsern. Der Song ist die erste Singleauskopplung aus seinem Album „Caustic Love“. Es geht um Liebe auf den ersten Blick. Und um Sex.

Die Serie, die sie mir zeigen wollte, haben wir bereits nach den ersten Takten vergessen. Wenn die Chemie stimmt, sind andere Dinge wichtiger – Halleluja!

ZiSH

Schwitzen und nörgeln

Heute soll es losgehen: Mit Diät und Sport will ich dem Winterspeck den Kampf ansagen. Aber schon nach dem Aufstehen merke ich, dass die Motivation fehlt – Sofa und Fernseher locken zum Gammeltag. Doch bis zum Sommer will ich eine Bikinifigur haben.

Deshalb höre ich auf die Rapperin Kitty Kat. Ihr Song „Hoch mit der Kiste“ vom neuen Album „Kattitude“ darf beim Joggen auf dem MP3-Player nicht fehlen. Der Text passt zu meinem inneren Schweinehund: Zeilen wie „Nimm mal was in die Hand“ und „Wieso klebst du am Stuhl?“ erinnern mich daran, was für Ziele ich mir für den Frühling gesetzt habe. Ausreden gelten nicht: „Keine Karre? Dann geh’ doch zu Fuß!“ Dazu wummert der Bass in den Ohren und treibt mich voran.

Der Song geht nach vorne: Synthesizer und Drumcomputer treiben mich die Laufroute entlang. Leise und brav ist nicht Kitty Kats Ding. Und so flucht sie genauso hemmungslos wie manche Leute nach zehn Minuten Fitness. Genau deswegen aber hört sich das Lied so an, wie ein Work-out sein sollte: Es geht nicht darum, schön und anmutig auszusehen. Ich will schwitzen und so lange nörgeln, bis es vorbei ist. Und wenn es dann geschafft ist, habe ich das Gefühl, der Sommerfigur ein wenig nähergekommen zu sein.

Anne-Sophie Lucas

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