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ZiSH So klingt „1220“ von Yung Hurn
Hannover ZiSH So klingt „1220“ von Yung Hurn
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12:48 15.05.2018
Zurück mit neuer Platte: Yung Hurn. Quelle: Handout
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Hannover

 Yung Hurn muss unfassbar gelangweilt sein vom Leben. Knapp 40 Minuten rapjodelt der Österreicher auf seinem Album „1220“ über kaum etwas anderes als Drogen und Sex, ohne dabei den Anschein zu erwecken, irgendetwas zu fühlen. Stellvertretend dafür steht die Single „Ok cool“, in der er eine Profilierungsphrase an die andere reiht und unbeeindruckt zur Kenntnis nimmt: „Deine Freunde verkaufen jetzt Drogen / Ok cool.“ Leidenschaftsloser war Popmusik selten. Und das tut gut. 

Denn während um Authentizität bemühte Popsänger über langweilige Dinge aus ihren langweiligen Leben singen (z. B. Dielenböden, Gefühle), erzeugt Yung Hurn durch das bloße Auflisten von Belanglosigkeiten mehr Tiefe als sie alle zusammen. Am besten gelingt das im Song „Bist du alleine“. Zum zurückgenommenen tippelnden Beat singt er mit leicht sprudelndem Auto-Tune Zeilen wie „Es fühlt sich mit dir immer so warm an.“ Das ist auf merkwürdige Weise berührend. 

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In einer Zeit, in der das Album längst überholt, und selbst der klassische Popsong als Einheit zu lang, zu sperrig ist, kommt Yung Hurns hypermoderner Leier-Rap genau richtig: Der Österreicher baut seine Songs um dahergesagte Phrasen herum, die er immerfort wiederholt, bis es nach zwei Minuten vorbei ist. So geht Pop 2018.

Von Martin Wiens