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ZiSH Schöner schreiben
Hannover ZiSH Schöner schreiben
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14:51 17.02.2015
Es ist zum Haare raufen: Ohne zündende Idee wird die Arbeit am eigenen Text schnell zum Drama. Quelle: Eberstein
Ninia Binias (31), auch bekannt als Ninia LaGrande, ist Bloggerin und Poetry Slammerin aus Hannover. 2014 erschien ihr Buch "...und ganz, ganz viele Doofe". Quelle: Zenker

"Einfach machen!"

Was inspiriert dich am meisten zum Schreiben?
Leute, die ich treffe, oder kuriose Situationen. Ich höre zum Beispiel gern Telefongesprächen von Fremden zu. Da bekommt man Wortfetzen mit, und kann daraus sehr schöne Geschichten basteln.

Hast du immer einen Stift dabei, falls dir plötzlich eine gute Idee kommt?
Obwohl ich ja sonst immer alles online mache, habe ich tatsächlich immer ein Notizbuch dabei. Da schreibe ich alles rein.

Strukturierst du jeden Text erst vor, oder schreibst du wild drauflos?
Bei Slam-Texten oder Kurzgeschichten schreibe ich wild drauflos. Wenn der Text länger wird, überlege ich mir vorher schon, was wann passieren soll.

Was ist dir wichtiger: ein starker Einstieg oder eine überraschende Pointe am Ende eines Textes?
Ich finde überraschende Pointen immer besser. Man kann auch einen lahmen Einstieg wie „Das Telefon klingelt“ haben und dann doch einen guten Text daraus machen.

Und wie bekommt man so eine überraschende Pointe aufs Papier?
Die richtig guten Sachen entwickeln sich von selbst. Also muss man einfach üben und überlegen, was man selbst lustig fände. Ich lese die Texte immer meinem Freund vor und beobachte seine Reaktion.

Was machst du bei einer totalen Schreibblockade?
In Phasen, in denen mir gar nichts einfällt, kann ich mich nicht dazu zwingen, was zu schreiben. Also lasse ich es für ein paar Tage – irgendwann kommt es schon wieder. Ein typischer Lehrbuchtipp ist, die Position zu ändern. Also zum Beispiel in ein Café zu gehen und dort zu schreiben.

Bist du mit jedem deiner Texte zufrieden?
Wenn ein Text fertig ist, habe ich diesen Drang, ihn vorzutragen. Wenn er dann gut ankommt, finde ich ihn gut, wenn nicht, dann nicht. Ich überarbeite einen Text aber nie. Wenn er fertig ist, ist er fertig.
Wie unterscheidet sich das Schreiben für eine Geschichte vom Texten für eine Reportage?
In einer Geschichte kann man alles machen, was man will. Da gibt es keine Vorschriften. Wenn es in Richtung Reportage geht, muss das Ganze schon Hand und Fuß haben und darf dann nicht so locker daherkommen, wie andere Texte.

Wie erstellst du die Charaktere für deinene Texte?
Ich habe einen Zettel pro Charakter, auf dem ich mir immer Notizen zu ihm mache. Oft suche ich mir aus dem Internet Bilder, wie derjenige aussehen soll. Oder ich gehe in die Stadt und beobachte da die Leute.

 
Du schreibst viel aus der Ichperspektive. Wie viel von dir steckt denn in den Texten? Und wie viel ist ausgedacht?
Das ist sehr unterschiedlich. Bei jeder Geschichte ist zwar was von mir drin. Das muss aber nicht das Erlebnis sein. Vielleicht ist es nur ein kleiner Charakterzug von mir, den ich in der Geschichte verstärke.

Was ist dein wichtigster Tipp für Anfänger?
In einem Notizbuch alles aufschreiben, was einem passiert. Und sonst: Einfach machen!

Interview: Maike Brülls

Erik Brandt-Höge (32), arbeitet als freier Journalist und Autor. Sein erster Roman "Diskobushaltestellenhierarchie" handelt von der Jugend auf dem Land.

"Ich mag Happy Ends"

Wie beginnst du einen Text?
Ich schreibe einfach drauflos. Die zeitsparendere Methode wäre vermutlich eher, sich Skizzen zu machen, um dem Ganzen eine Struktur zu geben.

Schreibst du lieber realitätsnah oder fiktiv?
Ich denke mir alles aus. Aber natürlich will ich, dass das, was ich schreibe, auch im wirklichen Leben vorstellbar ist.

Stört es dich nicht, wenn Leute von deinen Protagonisten auf dein eigenes Leben schließen?
Nein, das darf mich auch nicht stören. Ich versuche außerdem, während des Schreibens nicht darüber nachzudenken, was andere später über meine Texte denken könnten; auch nicht darüber, wem sie gefallen könnten und wem nicht.

Und wie baust du die Spannung in deinen Romanen auf?
Ich glaube, dass Spannung während des Schreibens ganz automatisch passiert. Dass Spannung ungeplant auftaucht. Wenn man denn richtig in seiner Geschichte drin ist.

Was sind No-Gos beim Schreiben?
Wenn es No-Gos gibt, dann sind das für mich überflüssige Wörter. Im Laufe der Jahre habe ich gemerkt, dass ein Text ohne Füllwörter viel stärker ist.

Hast du fertige Texte schon mal verworfen, weil sie dir doch nicht gefallen haben?
Klar, manches muss einfach wieder weg. Und die berühmte Schreibblockade kenne ich natürlich auch. In diesen Phasen schreibe ich aber trotzdem weiter. Kann ich nur empfehlen. Weil es immer sein kann, dass genau dabei etwas Gutes herauskommt.

Worauf legst du am Ende einer Geschichte besonderen Wert?
Ich persönlich mag realistische, kitschfreie Happy Ends. Ich möchte, dass der Leser ein Buch zufrieden zur Seite legen kann und nicht verstört mit einem offenen Ende zurückbleibt.

Probierst du auch neue Schreibformen aus oder bleibst du bei Romanen?
Im Moment schreibe ich Romane. Mein zweites Buch „Flamingostar“ erscheint im Juli. Es geht um einen Singer-Songwriter, der seine erste Tournee unternimmt und gleichzeitig seine familiären Probleme in den Griff kriegen muss.

Interview: Paulina Sophie Westing

Luna Ali (21), lebt in Hannover und studiert Kulturwissenschaften. Gerade hat sie die Arbeit an ihrem ersten Theaterstück "Alles fließt" beendet. Quelle: Zenker

"Immer ein Notizbuch dabei"

Bist du schon mal an einem Text verzweifelt?
Ja. (lacht) Das Theaterstück, das ich gerade abgeschlossen habe, habe ich mit anderen in einer Autorenwerkstatt diskutiert und dabei festgestellt, dass es doch noch nicht fertig ist. Ich habe die Hälfte des Stückes gelöscht und in der Mitte angefangen, alles neu zu schreiben. Irgendwann habe ich es zwei Monate lang nicht mehr angerührt, aber dann kamen mir plötzlich wieder gute Ideen.

Was tust du, um Spannung aufzubauen und zu halten?
Man kann die Aufmerksamkeit des Lesers als Schreiber gut lenken, wenn man falsche Fährten legt, wie es in Krimis oft der Fall ist. Oder man macht etwas erst wichtig, indem man es oft nennt, vergisst es dann mehrere Seiten und kommt später darauf zurück.

Wann ist ein Text gut?
Wenn ich glaube, dass ich ihn jemandem vorlesen kann. Und wenn er mir einen interessanten Inhalt neu erzählt.

Was macht einen Charakter interessant?
Das Wichtigste ist, dass die Figur eine ganz eigene Art hat, wie sie die Welt betrachtet. Nur dadurch kann sie spannend werden.

Was sollte man beim Schreiben vermeiden?
Ich finde, in viele Texte passt Onomatopoesie, also geschriebene Geräusche wie „pling“, nicht.

Gibt es einen Ort, an dem dir das Schreiben besonders gut gelingt?
In meinem Zimmer und im Zug. Schwierig wird es bloß, wenn direkt neben einem jemand sitzt und man Gedanken aufschreibt, die nicht jeder lesen soll.

Welchen Ratschlag kannst du absoluten Schreib-
anfängern mit auf ihren literarischen Weg geben?
Hauptsächlich das, was um einen herum passiert, zu beobachten. Immer ein Notizheft dabei zu haben, ist sehr hilfreich.

Interview: Laura Pape

Alle Infos zum HAZ-Schreibwettbewerb gibt es hier.

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