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ZiSH Vegetarier, Veganer und Frutarier im ZiSH-Porträt
Hannover ZiSH Vegetarier, Veganer und Frutarier im ZiSH-Porträt
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21:21 13.01.2011
Fleisch kommt nicht mehr auf den Teller. Quelle: Archiv

Kann man das noch essen oder ist das auch kontaminiert? Diese Frage treibt viele Verbraucher um, seit Spuren giftigen Dioxins in Tierfuttermitteln gefunden wurden. Nicht nur Eier, auch Puten-, Hühner- und Schweinefleisch sind vom Dioxin-Skandal betroffen.

Für viele Konsumenten ist das ein Grund, eine Weile lang die Finger von Eiern, Milch und Koteletts zu lassen. Damit sind sie in Deutschland in guter Gesellschaft. Denn laut der zweiten nationalen Verzehrstudie des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bezeichnen sich 1,6 Prozent der Befragten als Vegetarier. Von inzwischen sogar sechs Millionen Vegetariern will Sebastian Zösch, Geschäftsführer des Vegetarierbundes Deutschland, wissen. In Supermärkten entstehen Vegetarier-Regale, Fast-Food-Ketten verkaufen Sandwiches mit fleischlosen Buletten. Filme wie „We feed the World“ und Bücher wie „Tiere essen“ vom US-Amerikaner Jonathan Safran Foer plädieren mit tiefen Blicken in die Abgründe der Lebensmittelindustrie für Vegetarismus und werden damit zu Bestsellern. Vor nicht allzu langer Zeit noch als Spleen militanter Tierschützer verschrien, ist der Vegetarismus mit einem Mal salonfähig.

Um den Schutz der Tiere geht es vielen tatsächlich – aber auch um gerechte Nahrungsmittelverteilung. „Um ein Kilo Fleisch zu produzieren, muss eine Kuh ein Zehnfaches davon an Futtermitteln fressen“, erklärt Zösch. Mit der gleichen Menge an pflanzlichen Nahrungsmitteln könne man viel mehr Menschen ernähren.

In den vergangenen Jahren ist auch der Klimaschutz zu einer wichtigen Begründung für fleischloses Essen geworden. Denn laut Greenpeace werden in Deutschland 13 Prozent der Treibhausgase von der Landwirtschaft verursacht, etwa drei Viertel davon von der industriellen Tierhaltung und der Futtermittelindustrie.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), ein gemeinnütziger Verein zur Förderung der Ernährungswissenschaften, empfiehlt Mischkost mit Fleisch und anderen tierischen Produkten, rät aber, den Fleischkonsum einzuschränken. „300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurstwaren in der Woche sind empfehlenswert“, erklärt Antje Gahl, Ernährungswissenschaftlerin bei der DGE. Auch Krankheitsrisiken ließen sich so reduzieren.

Über solche Äußerungen kann sich Eric Handke, Vertreter der Freien Fleischer-Innung Hannover, nur wundern. „600 Gramm Fleisch müssen Sie erst mal in einer Woche essen“, empört er sich. Das Problem mit dem heutigen Fleischkonsum sei ein anderes: die Discountpreise der Fleischindustrie. Besser wäre es, „wenn die Leute weniger Fleisch äßen, dafür aber Hochwertiges kaufen würden“. Von Gesundheitsgefährdung möchte er nichts wissen. „Schwarze Schafe gibt es überall. Fleisch ist eins der am besten kontrollierten Lebensmittel“, ist er überzeugt.

Aber ist es auch gesund? E gebe es Studien, so Ernährungswissenschaftlerin Gahl, die nahelegten, dass Ovo-Lacto-Vegetarismus – also der Verzicht auf Fleisch, nicht aber auf Eier und Milchprodukte – Bluthochdruck und Diabetes vorbeuge. Vegane Ernährung sieht Gahl nicht ganz so unproblematisch. Denn dabei kann es zu Vitamin-, Protein- und anderen Mangelerscheinungen kommen. „Schwangere, Stillende und Kinder sollten sich deshalb vorsichtshalber nicht vegan ernähren“, rät Gahl. Malte Mühle