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ZiSH Wie trennt man sich am besten von den Schwiegereltern?
Hannover ZiSH Wie trennt man sich am besten von den Schwiegereltern?
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20:07 10.08.2017
Quelle: Illustration: Stefan Hoch
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Weder Freund noch Fleisch

Wenn ich in ein Wurstbrötchen beiße, muss ich manchmal noch an sie denken: Die Eltern meines Ex-Freundes. Sie arbeiten beide bei unserem beliebtesten Dorf-Fleischer. Schon mit fünf Jahren bekam ich dort ein Würstchen auf die Hand geschenkt. Heute sind Orte, an denen ich auf meinen Ex-Freund oder seine Eltern treffen könnte, tabu. Wenn man sich zufällig auf der Straße begegnet, gibt es ein verhaltenes Winken und danach einen hektischen Blick ins nächste Schaufenster, ob ich auch akzeptabel aussehe. Der innere Drang zu beweisen, dass es mir auch ohne ihren Sohn gut geht, konnte ich nach neun Monaten Trennung noch nicht ablegen.

Drei Jahre war ich mit meinem Ex-Freund zusammen. Gelegentliche Spieleabende und morgendliches Frühstücken gehörten zu den seltenen Momenten, die ich mit seinen Eltern teilte – denn zu ihrem Entsetzen hatte ich nie das Bedürfnis, ein fester Teil der Familie zu sein. Mit 18 Jahren hatte ich einfach keine Lust auf die ständigen Familienfeiern, und das Gerede über unsere großartige Zukunft machte mir Angst. Seitdem sich diese Zukunft in Luft aufgelöst hat, habe ich mit seinen Eltern kein Wort mehr gewechselt. Für eine tränenreiche Verabschiedung ihrerseits war unsere Verbindung einfach nicht tief genug und ich wohl zu zurückhaltend. Deswegen ist der Kontakt zu meinen Ex-Schwiegereltern auch direkt abgebrochen. Ich habe einfach keinen Grund gesehen, noch einmal bei ihnen vorbeizufahren und mich zu verabschieden – wir haben sowieso nicht viel miteinander gesprochen. Auf Auskünfte über ihren Sohn und seine Neue verzichte ich gern. Wenn wir uns sehen, lächle ich nett, winke und lasse das alte Kapitel samt Ex und seiner Familie hinter mir. Und Fleisch esse ich eh kaum noch.

Nina Hoffmann

Kaffee trinken mit Schwiegermama

Vor dem ersten Treffen mit den Eltern meines Ex-Freundes verbrachte ich gefühlt drei Stunden im Bad und vor dem Kleiderschrank. Meine Idealvorstellung: nette Plaudereien mit der Mutter, Blödeleien mit den jüngeren Geschwistern und ein anerkennender Blick des Vaters, weil sein Sohn so einen guten Fang gemacht hat. Meine Mühe hatte sich gelohnt: Nach dem Kennenlernen folgten viele schöne Feiern, Abendessen und Spielabende. Und mit seiner Mutter ging ich sogar shoppen und Kaffee trinken – ohne meinen Ex-Freund. Ich konnte ihr als Außenstehende viele Dinge anvertrauen. Zwischen uns entwickelte sich eine richtige Freundschaft. Mein Ex-Freund freute sich darüber – jedoch nur bis zur Trennung. Denn anstatt mich auch von seiner Mutter zu distanzieren, traf ich mich weiterhin mit ihr.

Er war wütend und fühlte sich wohl von uns hintergangen. Das legte sich erst, als er ein anderes Mädchen kennenlernte. Seine neue Freundin war wiederum ganz schön eifersüchtig auf mich. Aber wie das bei Freundschaften manchmal so ist, wurden unsere Treffen mit der Zeit weniger. Wohl auch, weil mit der Trennung unsere größte Gemeinsamkeit wegfiel.

Trotzdem bereue ich es nicht, den Kontakt gehalten zu haben. Gerade weil wir uns so gut verstanden, wäre es nicht fair gewesen, einfach abzuhauen. Jetzt schreiben wir uns nur noch zu Feier- und Geburtstagen, und der Platz der „besten Schwiegertochter“ ist wieder freigegeben.

Sarah Mussil

Mäusevideos statt Mädelsabend

Du warst doch wie eine Tochter für mich, meine Einzige“, steht auf dem Handydisplay. Dahinter reihen sich viele weinende Emojis aneinander. Nur einen Tag nachdem mein Freund und ich uns nach fünf Jahren Beziehung getrennt haben, bekomme ich diese Nachricht von seiner Mutter. Na toll.

Ich hatte ohnehin schon ein komisches Gefühl im Bauch. Zwar war die Trennung die richtige Entscheidung, doch nach fünf gemeinsamen Jahren fühle ich mich trotzdem ein wenig verloren. Dazu kommt jetzt noch das schlechte Gewissen. Die Nachricht von meiner mittlerweile Ex-Schwiegermutter klingt wie ein Vorwurf. Sie hat fünf Söhne, wünschte sich jedoch immer eine Tochter. Aber darauf kann ich doch jetzt keine Rücksicht nehmen, oder?

Ich brauche einen Moment, bis ich mich gefangen habe und der Kloß im Hals kleiner wird. Noch ein paar Mal lese ich die lange Whats-app-Nachricht durch und stelle fest: So vorwurfsvoll schreibt sie gar nicht. Sie ist wirklich traurig. Und sie will sich weiterhin regelmäßig mit mir treffen. Dabei haben ihr Sohn und ich noch nicht einmal geklärt, ob wir Freunde bleiben und wie es jetzt überhaupt weitergeht. Sie dagegen plant wohl schon gemeinsame Mädelsabende. Ich antworte mit Standardausreden: Gerade wirklich ganz wenig Zeit, viel Arbeit, melde mich.

Getroffen habe ich die ehemalige Schwiegermutter in spe seitdem nicht mehr. Für mich war dieses Kapitel abgeschlossen – und auch meinem Ex wären Treffen zwischen seiner Mama und mir sehr unangenehm gewesen. Eine Zeit lang schrieben wir hin und wieder noch etwas Smalltalk. Jetzt, ein Jahr später, beschränken wir uns auf Glückwünsche zu Geburtstag, Ostern und Weihnachten. Sie schickt Videos mit sprechenden, animierten Mäusen und rosa Herzchen, und ich antworte höflich „Danke“. Mit Sicherheit bekommt sie irgendwann eine neue, tolle Schwiegertochter – bei fünf Söhnen ist das doch sehr wahrscheinlich.

ZiSH

„Der Ex ist kein Ersatzkind“

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Wer macht sich mehr Gedanken über den weiteren Kontakt, Schwiegereltern oder der Ex?
Zu mir nach Hannover kommen eher die Schwiegereltern selbst, weil sie oft nicht mit ihren Kindern über das Verhältnis sprechen können. Es hängt auch oft davon ab, ob das eigene Kind der Verlassene ist oder selbst Schluss gemacht hat.

Wann können Probleme entstehen?
Wenn die Eltern ein gutes Verhältnis zum Ex haben, das Kind aber in einer neuen Beziehung ist. Dann beschweren sich die neuen Partner oft über die enge Bindung. In diesen Fällen muss ein klares Wort gesprochen werden. Schließlich sollte der Ex für die Schwiegereltern kein Ersatzkind sein. Gerade das passiert aber schnell, da das Verhältnis manchmal unbelasteter als zum eigenen Kind ist. Es passiert auch, dass der Verlassene den guten Kontakt zu den Eltern als Druckmittel einsetzt.

Wie sollte man in diesen Situationen handeln?
Eigentlich rate ich immer, dass sich alle an einen Tisch setzen und darüber reden. Wenn aber gerade eine Beziehung kaputtgegangen ist, ist das schwierig.
Was mache ich, wenn ich mit den Eltern Kontakt halten möchte?
Wenn man sich mit dem Ex nicht mehr versteht, mit seinen Eltern aber schon, ist das oft eine Baustelle. Für die Eltern bringt das einen Loyalitätskonflikt, weil sie ja auch zu ihrem Kind stehen. Da muss man dann im Einzelfall und ehrlich schauen, wie man das macht.

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