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ZiSH Wie viel Asche in die Tasche?
Hannover ZiSH Wie viel Asche in die Tasche?
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20:53 30.11.2009
Oops, leer it is! Das Schaufenster lockt mit allerlei Anziehbarem, aber Marie-Céline ist pleite. Quelle: Florian Wallenwein
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Der Viertklässler: Döner und Kakao

Endlich ist wieder Geld für Fußballsticker da! Es ist Monatsanfang, ich habe 20 Euro Taschengeld bekommen. Als Erstes kaufe ich mir nach dem Volleyball eine Erfrischung am Kiosk und zeige meiner Schwester stolz die blaue Zunge vom Wassereis. Am Sonntag habe ich tierischen Hunger auf Döner – 2,50 Euro, aber lecker. Am Mittwoch kaufe ich mit meinen Freunden Kakao am Schulkiosk. Da ich so gerne Mohnbrötchen esse, laufe ich zum Bäcker und kriege eins für 43 Cent.

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Nach zwei Wochen sieht die Bilanz für mich echt gut aus: Ich habe noch zwölf Euro und 97 Cent übrig und einen guten Überblick über alle Ausgaben. Vielleicht sollte ich später Finanzminister werden. Sogar für meine Schwester habe ich noch Geld übrig: Als sie krank wird, bekommt sie Appetit auf Süßigkeiten. Also hole ich etwas Süßes für sie. Da ich schon mal da bin und immer noch Geld über habe, kaufe ich mir auch gleich eine bunte Tüte. Meiner Schwester geht es schnell besser, die Süßigkeiten waren gute Medizin und lecker.

Kurz vor Ende des Monats kaufe ich mir für 9,50 Euro Fußballsticker. Ganz schön viel Geld. Danach hatte ich nur noch 47 Cent im Portemonnaie. Eigentlich wollte ich ja diesen Monat fünf Euro ins Sparschwein stecken.

Wenn ich darüber nachdenke, wie sinnlos ich mein Taschengeld manchmal ausgebe, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Denn leider haben nicht alle Kinder solches Glück wie ich.

Thao, 9 Jahre, Schüler.
Taschengeld: 20 Euro, Ausgaben: 19,53 Euro.
Fazit: Süßes ist die beste Medizin.

aufgezeichnet von Eveline Haag

Die Siebtklässlerin: Schminke und daddeln

Wenn ich vor dem Süßigkeitenregal im Supermarkt stehe und mich zwischen der süßen Schokolade und den knusprigen Chips nicht entscheiden kann, nehme ich oft beides. Ich habe Glück: Ich bin zwölf Jahre alt und bekomme im Monat 41 Euro Taschengeld. Die eine Oma gibt mir 21 Euro, meine andere Omi 20 Euro.

Meine Freundinnen bekommen nicht so viel. Trotzdem kaufen wir dieselben Dinge, vor allem Mädchenzeitschriften und Make-up sind uns sehr wichtig. Ich kaufe von meinem Geld Kajalstifte und gebe auch schon mal zehn Euro für Mascara aus – ungeschminkt gehe ich nicht gerne zur Schule. Manchmal gönne ich mir etwas Besonderes. So wie das Armband mit den Schneemann- und Rentieranhängern, das ich mir vor Kurzem gekauft habe.

Dieses vorgezogene Weihnachtsgefühl war mir die 7,99 Euro einfach wert. Und die Anhänger sehen ziemlich lustig aus. Mitte November ging es meinem Taschengeldkonto noch ziemlich gut, da habe ich mir für zusammen 5,70 Euro erst mal Kaugummi und Mineralwasser mit Erdbeergeschmack gekauft. Süß und lecker! Meine letzte Ausgabe war das Weihnachtsgeschenk für meine beste Freundin. 5,19 Euro hat es gekostet. Was es ist, verrate ich aber natürlich noch nicht.

Jetzt ist der November vorbei, und ich habe 27 Cent übrig. Die lege ich zur Seite, ich spare nämlich für ein neues Spiel für die Wii-Konsole. Das ist zwar sehr wenig, aber mit dem Weihnachtsgeld sollte das klappen!

Sonja, zwölf Jahre, Schülerin.
Taschengeld: 41 Euro, Ausgaben: 40,73 Euro.
Fazit: Die Ungeschminkten spielen schneller.

aufgezeichnet von Marina Uelsmann

Die Abiturientin: Liebestipps und Ledergürtel

Es ist Monatsanfang, ich halte einen 50-Euro-Schein in der Hand. In Gedanken male ich mir all die schönen Dinge aus, die ich mir mit meinem Taschengeld kaufen könnte. Das Fernziel: ein Blitzgerät für meine Spiegelreflexkamera. Das Problem: mein quietschgelbes, hungriges Sparschwein.

In den vergangenen Monaten habe ich es nicht gefüttert. Immer kamen andere Investitionen dazwischen. Schon meine Drei-Zonen-Fahrkarte macht mich monatlich um 18,80 Euro ärmer. Die nächste Kostenfalle ist die zwei Wochen lange Klausurenphase: Ohne meinen Freund, den Kaffeeautomaten, überstehe ich diesen Stress nicht. Mit jedem Euro, den ich in die Maschine werfe, rückt mein Blitzgerät weiter in die Ferne. Doch ohne die bitter-braune Brühe, die meine Nerven stärkt und mich wach macht, hätte ich die Politikklausur bestimmt verhauen.

Eine Woche vor Monatsende sagt mir mein Taschenrechner, dass ich ganze 15 Euro für Kaffee ausgegeben habe. Um mein Sparschwein vor dem Hungertod zu retten, beende ich die einseitige Beziehung mit dem Kaffeeautomaten. Mit den restlichen 16,20 Euro in der Tasche gehe ich frustshoppen. Beim Kiosk um die Ecke finde ich Trost. Für zwei Euro kaufe ich mir ein Magazin, das mit den 100 besten Tipps gegen Liebeskummer für sich wirbt. Zwei Schaufenster weiter verliebe ich mich neu, in einen blauen Ledergürtel. Für zwölf Euro ist er meiner. Da es sich von Luft und Liebe aber nicht leben lässt, kaufe ich mir noch schnell ein belegtes Brötchen. Damit bin ich pleite und mein Sparschwein weiterhin auf Nulldiät.

Marie-Céline, 17 Jahre, Schülerin.
Taschengeld: 50 Euro, Ausgaben: 50 Euro.
Fazit: Kaffee macht wach, brennt aber auch Löcher in den Geldbeutel.

von Marie-Céline Gräber

Der Student: Mensa und Musik

Neuer Monat, neues Glück: 175 Euro Taschengeld für alles, was ein Erstsemesterstudent so braucht. Am Ende der ersten Woche lässt sich eine erste Prognose aufstellen: Etwa 18 Euro gebe ich pro Woche für mein Mittagessen aus. Wenn das so weitergeht, bleibt am Ende vielleicht sogar etwas fürs Sparschwein übrig. So will es der Plan.

Das Leben hält sich allerdings nicht an schöne Pläne. Drei Tage vor Monatsende zeigt sich, dass Kaffee und andere Getränke, die mich durch den Uni-Alltag bringen, zusammmen mit Süßigkeiten und dem täglichen Mittagessen ein nicht zu unterschätzendes Loch von 112 Euro in den Geldbeutel gefressen haben. Zwei CDs, neue Kopfhörer für den MP3-Player und ein Kinobesuch richten zusätzliches Unheil im Wert von etwa 35 Euro an. Für das Studium wollen außerdem erste Bücher angeschafft werden. Es bleibt mit Blick auf die Abrechnung am 30. November aber bei nur zwei Werken für insgesamt 25 Euro.

Noch freue ich mich über einen halbwegs ausgeglichenen Finanzhaushalt. Doch plötzlich bricht herbstlicher Regen über Hannover herein. Die Löcher in den Leinenschuhen, die mich durch den Sommer begleiteten, lassen sich jetzt nur noch schwer ignorieren. Weitere 20 Euro ziehen auf Nimmerwiedersehen ins Land der unendlichen Einkaufsmöglichkeiten. Am letzten Wochenende des Monats mache ich mich an den Kassensturz. 192 Euro habe ich für Mittagessen, Kaffee, Musik und trockene Füße ausgegeben – 17 Euro zu viel! Zum Glück habe ich meinen Nebenjob, sonst müsste ich wohl bald mit Besuch von Peter Zwegat rechnen.

Malte, 19 Jahre, Student.
Taschengeld: 175 Euro, Ausgaben: 192 Euro.
Fazit: Trockene Füße sind teuer.

von Malte Mühle

Nachgefragt bei Dietmar Gensicke, Erziehungswissenschaftler an der Leibniz-Uni.

Gibt es ein Recht auf Taschengeld?
Im juristischen Sinne nein. Es ist schade, wenn Kinder Taschengeld als eine Selbstverständlichkeit ansehen oder Eltern es nur deshalb geben, weil „es alle machen“. Es ist eine Form der Anerkennung von Selbstständigkeit.

Ab wann sollten Kinder Taschengeld bekommen?
Dann, wenn sie von ihrer Entwicklung her in der Lage sind, Zahlen, Relationen und Zeiträume einzuschätzen. Meist ist dies im Grundschulalter gegeben.

Was sollte davon gekauft werden?
Taschengeld dient nicht der Finanzierung von Grundbedürfnissen wie Essen, Kleidung oder Schulmaterialien. Es ist dazu da, die kleinen oder mit etwas Sparsamkeit auch größeren „Dinge darüber hinaus“ kaufen zu können.

Wie sollten Eltern ihre Kinder auf den Umgang mit Geld vorbereiten?
Manches macht der Umgang mit Geld schon von sich aus: Wenn es ausgegeben ist, muss sich neues erst einmal anhäufen, und das braucht Zeit. Eltern können mit dem Kind Geduld einüben, auch Planung auf ein Ziel hin betreiben. Sie können beim Erkennen von Verhältnismäßigkeiten helfen und auch Konsequenz praktizieren. Natürlich muss dies im richtigen Alter geschehen, darf also die Kinder nicht zu früh überfordern.

Interview: Nicole Wehr

Empfehlungen zum Taschengeld:

8–9 Jahre: 2,50 Euro wöchentlich
10–11 Jahre: 13-15 Euro monatlich
12–13 Jahre: 18-20 Euro monatlich
14–15 Jahre: 23-26 Euro monatlich
16–17 Jahre: 32-42 Euro monatlich
18 Jahre: 62 Euro monatlich

Quelle: Deutsche Jugendämter