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ZiSH Halt die Klappe, Schatz!
Hannover ZiSH Halt die Klappe, Schatz!
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12:37 17.03.2015
Bärchen, Schnecke, Sahnetörtchen: Begriffe aus dem Beziehungshimmel, bei denen ZiSH-Autor Martin Wiens eine Gänsehaut bekommt. Quelle: Stefan Hoch
Hannover

Pärchen, die sich gegenseitig „Schatz“ nennen, mögen wahrscheinlich auch Silbermond. Stefanie Kloß singt in ihrer Erfolgsschnulze „Das Beste“ schmachtend: „Ich hab’ einen Schatz gefunden, und er trägt deinen Namen.“ Mit dem Lied hat die Band es meiner Meinung nach geschafft, eines der langweiligsten Liebeslieder aller Zeiten zu schreiben. Denn der gefundene Schatz als Bild für die gefundene Liebe ist lahm und abgedroschen.

Genau wie der Kosename, der sich daraus ableitet. Laut einer Studie der Namensforschungsagentur Nambos nennen 47 Prozent der Deutschen ihren Partner „Schatz“ oder „Schatzi“. Nicht sehr einfallsreich dafür, dass Kosenamen eigentlich etwas Persönliches und oft auch Heimliches sein sollen. Sie dienen nicht der bloßen Identifikation, sondern „bezeichnen die soziale Beziehung zwischen zwei Personen“. Das sagt Damaris Nübling, Sprachwissenschaftlerin an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Die 52-Jährige betreibt Forschung zu Kosenamen. Deshalb weiß sie, warum diese wichtig für eine Beziehung sind: „Kosenamen würdigen die Person und sind so was wie ein Lausen und Kraueln – verbale Streicheleinheiten.“ Das klingt eigentlich ganz harmlos – und schön. Jedenfalls solange die Zärtlichkeiten in den eigenen vier Wänden bleiben.

Umso nerviger sind Verliebte, die sich ständig so aufführen, als wären sie ganz allein auf der Welt – oder zumindest im Raum. Wenn eine Freundin von mir beim Vortrinken für die Party laut „Schnuffi“ durch das Zimmer ruft, um ihren Freund auf sich aufmerksam zu machen, ist das nicht nur für ihn peinlich. Mindestens genauso peinlich ist es für mich und die übrigen Anwesenden. Denn ich wollte niemals erfahren, dass mein Kumpel von seiner Freundin wie ein trauriger Wauwau genannt wird – das löst Kopfkino aus. Eigentlich ist es auch nicht üblich, die sehr persönlichen Kosenamen zu verraten. „Die sind tabu und es dürfen, wenn überhaupt, nur ganz wenige daran teilhaben“, sagt Nübling. Den Turtelnden aus meinem Umfeld ist das oft egal. Eine solche verbale Entblößung vergleicht Nübling mit dem Knutschen in der Öffentlichkeit: „Das kann für Außenstehende auch eklig sein.“

Die ekligsten Kosenamen

... aus der Tierwelt

  • Fliegenfürzchen: Das soll wohl für einen niedlichen Mini-Furz stehen. Dabei stinken doch die kleinen, leisen am meisten.
  • Tiger: Tiger haben scharfe Krallen – und gelten sexuell als eher wilde Partner. Wer sich freiwillig so nennen lässt, ist aber wohl eher ein zahmes Kätzchen.
  • Schnecke: Die Proleten-Anmache „Ey Schnegge!“ ist nicht mehr ganz so schmeichelhaft, wenn man sich eine schleimige Nacktschnecke vorstellt.
  • Rehlein: Klein, harmlos und süß – schmachtenden Partnern könnte das gefallen.

... aus dem Schimpfwortlexikon

  • Pummelfee: Klar, sich gegenseitig necken gehört zum Pärchendasein dazu. Muss es aber gerade mit dem Bild einer übergewichtigen Fee sein?
  • Stinki: Einen wahren Kern gibt es fast immer – darüber kann auch das verniedlichende I am Ende nicht hinwegtäuschen.
  • Honeybunny: Klingt nach einem Mischmasch aus Tarantino-Spruch und Playboymansion – das ist brechreizfördernd.

... aus der Babysprache

  • Schnuffi: Hieß so nicht der Hase aus dem Jamba-Sparabo?Schnäuzelchen: Ist aus gutem Grund eigentlich ausgestorben – aber vielleicht kommt mit der Hipster-Schnurrbart-Mode ja eine Renaissance.
  • Knuddelbacke: Auf welche Backe hier genau angespielt wird, konnte bislang nicht abschließend geklärt werden.
  • Hasipupsi: Die Verdauungswinde von Meister Lampe als neckische Partnerbezeichnung? Leider nein, leider gar nicht.

... aus dem Süßigkeitenregal

  • Sahnetörtchen: Wenn es schon ein Konditorenstück sein soll, dann doch bitte lecker und nicht so fettig. Wie wäre es denn mit Brombeer-Quark-Schnitte oder Zimtstern?
  • Zuckerschnute: Jetzt nur keine Schnute ziehen, kreativ geht anders. ZiSH

Eklig trifft es bei einigen Kosenamen wirklich, vor allem bei Entlehnungen aus der Tierwelt wie „Hasenpups“oder „Schnecke“. Während sonst auffällig viele Kosenamen für beide Geschlechter funktionieren, zum Beispiel „Schatz“ oder „Liebling“, sind die tierischen Entlehnungen altmodischer: Frauen sind meist Mäuse, Häschen oder Schnecken – harmlose und niedliche Tiere, die niemandem etwas zuleide tun würden. Männer dagegen sind Bären, Tiger oder, leider wirklich wahr, Hengste. Die Person hinter einem „Hengst“ stelle ich mir höchst unangenehm vor. Und auch die Tatsache, dass Mädchen fast immer aus dem Streichelzoo und Jungs aus dem Raubtiergehege sind, ist doch etwas aus der Zeit gefallen.

Noch schlimmer ist es bei einem anderen Pärchen aus meinem Bekanntenkreis. Die sprechen den ganzen Tag wie Babys miteinander – und nennen sich manchmal sogar „Baby“. Im Gespräch wird die Flötstimme um eine Oktave hochgepitcht und jedes zweite Wort endet mit einem I: Statt „Schatz, gehen wir vor dem Schlafen noch etwas essen?“ – und das wäre schon schlimm genug – säuseln sie: „Schatzi, gehen wir vor dem Schlafi noch Happi-Happi?“ Wenn ich Leute so sprechen höre, fällt es mir schwer, sie ernst zu nehmen. Vor allem, wenn sie ganz normal sprechen, wenn wir nur zu zweit sind. Vielleicht habe ich deswegen den Drang, den beiden einen Schnuller möglichst tief in den Mund zu stopfen. Damit sie einfach die Klappe halten.

Nübling erklärt den Babytalk aber damit, dass Intimverhalten grundsätzlich ein kindliches Verhalten ist: „Vor seinem Partner darf man sich ganz gehen lassen – wie ein Kleinkind.“ Außerdem müsse man davon ausgehen, dass bei Kosenamen oft auch viel Humor und Ironie im Spiel ist. „Solche ​Kosenamenvergaben​ beginnen oft mit einem zwinkernden Auge​,​ und plötzlich sind sie fest“, sagt Nübling. So war es auch im eben geschilderten Fall. Das erklären mir die beiden, als ich sie darauf anspreche. Anfangs machten sie sich wohl bloß über Bekannte lustig und äfften deren Babysprache nach. Mittlerweile sitzt die Sprachmacke aber so tief, dass sie davon einfach nicht mehr loskommen – und davon selbst genervt sind.

Da wäre es doch viel unkomplizierter, einfach die Vornamen zu verwenden. Aber auch das ist oft schwierig. Wenn meine Freundin mich mit Martin anspricht, denke ich erst mal, dass sie im nächsten Moment Schluss machen will. „Der bloße Vorname kann in Kosekontexten zum Maßregeln genutzt werden. Der Partner ist in dem Moment die offizielle Person X“, sagt Nübling dazu. Auch wenn sich der Name komisch anfühlt, ist mir das immer noch viel lieber, als Marti, Martel, Martelchen oder Martilein zu sein. Bäh! Mein persönlicher Tick in Sachen Kosenamen sind sanfte Beschimpfungen. Auf „Fetti“ oder „Stinker“ bin ich zwar nicht besonders stolz – aber besser als „Schatz“ sind sie allemal. Die klingen immerhin nicht ganz so schmalzig. Und meinen richtigen Kosenamen verrate ich hier sowieso nicht.

Von Martin Wiens

Herzallerliebst!

Von Augapfel bis Zuckermaus: Kosenamen gab es schon immer. Und wahrscheinlich wird es sie auch immer geben. Denn sie sind die „verbalen Streicheleinheiten einer Beziehung“, sagt Sprachwissenschaftlerin Damaris Nübling. Die wurden früher aber hauptsächlich den Frauen zuteil. Beliebt waren damals vor allem Blumennamen für Frauen – „meine Rose“ oder „meine Tulpe“. Die Idee dahinter: Die Blume gilt als Symbol für aufblühende Schönheit. Erst in den revolutionären Siebzigerjahren begannen auch viele Frauen, ihren Männern Kosenamen zu geben. Statt Blumen sind es hier aber andere Sprachbilder. Zum Beispiel auch bei dem Klassiker „Schatz“. Er bedeutet etwas Seltenes und Wertvolles. Das macht ihn zum beliebtesten deutschen Kosenamen der heutigen Zeit. Laut einer Studie des Nambos Research Center nennen ganze 47 Prozent ihren Liebsten so. Auch beliebt sind „Hase“ oder „Liebling“. An diesen Bezeichnungen fällt auf: Kosenamen sind oft nicht geschlechtsspezifisch. Egal ob Mann oder Frau – jeder kann „Schatz“ oder „Hase“ genannt werden. Die Studie zeigt auch: Je älter die Befragten sind, desto mehr verschiedene Kosenamen nutzen sie. Das gibt doch allen Hoffnung, die bisher nur einfallslos „Schatz“ genannt werden.

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