Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
ZiSH Das schenk' ich mir!
Hannover ZiSH Das schenk' ich mir!
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:43 13.02.2015
Geschenke zum Valentinstag? Oft sind sich Paare nicht einig, ob man sich nun etwas schenken soll - oder doch nicht. Quelle: Krajinovic

"Ein bisschen Kitsch darf sein"

Einmal im Jahr färben sich alle Schaufenster der Stadt rosarot. Drogerieläden verkaufen rosa Seifchen in Herzform, Supermärkte pinke Pralinenschachteln in Herzform, Deko-Läden rote Bilderrahmen in Herzform – sogar Bücher in Herzform gibt es zu kaufen. Die rote Signalfarbe der Schaufenster scheint sagen zu wollen: Achtung, es ist Valentinstag!

Valentinstag, der Tag der Liebenden. Der Legende nach geht er zurück auf einen italienischen Bischof namens Valentin, der auch Paare traute, die nach kaiserlichem Gesetz nicht vermählt werden durften. Dafür wurde er enthauptet – eben am 14. Februar 269. Den frisch vermählten Paaren soll er auch Blumen aus seinem Garten geschenkt haben. Irgendwie ist daraus der Brauch entstanden, dass Männer ihren Frauen Blumen schenken. Und daraus wiederum wurden Pralinen – und kitschige Seifchen.

Die liegen jedes Jahr ab Mitte Januar in den Läden – auch durch Sprüche wie „Nicht vergessen: Am 14. Februar ist Valentinstag“ angeteasert. Jedes Mal möchte ich mir einen fetten Edding greifen und darunter schreiben: „Ja. Und?!“.

Natürlich verstehe ich die Botschaft. Sie will nicht einfach an einen Tag erinnern. Sonst würde dort ja jeden Tag ein Schild hängen. Mit Aufschriften wie „Nicht vergessen: Heute ist Dienstag, der 16. Mai“. In diesem scheinbar netten Hinweis heißt „nicht vergessen“ eigentlich „ein Geschenk kaufen“.

Das ganze Werbekonzept um den Valentinstag ist ja schon geschickt gemacht. Kaum einer weiß um den italienischen Bischof, den sein fester Glaube an die Liebe den Kopf kostete. Und trotzdem schafft es die Werbung, dass man sich Gedanken um Geschenke macht.

Zumindest mir geht es so. Seit ich irgendwann Mitte Januar gedankenverloren in einen Drogerieladen ging und von dem pinken Schwall an Kitsch aus meinen Grübeleien gerissen wurde, frage ich mich: Schenken mein Freund und ich uns eigentlich etwas zum Valentinstag? Im ersten Affekt würde ich darauf antworten: Nein. Immerhin ist es albern, seine Gefühle zu dem anderen an diesem einen Tag beweisen zu müssen. Da gibt es ja noch 364 andere Tage im Jahr, an denen man das machen kann – und an denen es wahrscheinlich auch noch ernst gemeinter wirkt.

Aber doch merke ich, wie die rosaroten Verzierungen in den Geschäften, die Postkarte vom Floristen und die Pop-Up-Werbung im Browser vom Parfümladen auf dem Desktop mich eingenommen haben. Ist es nicht vielleicht doch schön, sich an diesem einen Tag – so streitbar er auch ist – zu zeigen, dass man sich mag? Immerhin gilt er als der Tag der Liebenden. Mal ganz ehrlich: Freuen würde sich da doch jeder über eine kleine Geste. Womit ich keine materiellen Geschenke meine. Dem anderen einen Zettel mit „Wanna Be My Valentine“ schreiben ist schon eine nette Idee – auch wenn es hart kitschig ist. Ich bin langsam auch ein bisschen neugierig, ob mein Freund sich wohl etwas überlegt hat. Letztes Jahr bekam ich von ihm einen Blumenstrauß via Whatsapp. Einfach einige Blumen-Emojis hintereinander, dazu die Worte „Alles Gute zum Valentinstag!“ – absolut unvorhergesehen. Noch nie habe ich mich über ein Valentinstagsgeschenk so sehr gefreut.

Maike Brülls

"Kitsch ist auch keine Lösung"

Bevor Angela Merkel in die weißrussische Hauptstadt Minsk jettete, um mit Putin, Hollande und Co. über eine Lösung des Ukrainekonflikts zu sprechen, empfing sie Mittwoch noch schnell Besuch von Christina Aumann. Die 20-Jährige ist die amtierende deutsche Blumenfee. Sie überreichte der Kanzlerin einen bunten Strauß mit Tulpen, Rosen und Grünzeug.

Jedes Jahr schickt die Floristik-Branche die aktuelle Blumenfee ins Kanzleramt, um medienwirksam an den kommenden Valentinstag zu erinnern. Auch mich hat Christina Aumann an den Tag der Paare erinnert. Denn obwohl der Valentinstag Jahr für Jahr auf das gleiche Datum fällt – ich kann es mir einfach nicht merken. Und das finden weder ich noch meine Frau schlimm. Wir müssen unser Glück nicht an einem bestimmten Tag nach außen tragen. Wir glauben, dass wir eine relativ kitschfreie Beziehung führen. Utensilien von Sheepworld („Ohne dich ist alles doof“) kommen uns nicht in die Wohnung, Blumen und Pflanzen müssen bei uns hart im Nehmen sein, wenn sie überleben wollen, und auf Pralinen können wir auch gut verzichten. Herzförmige Geschenke und Beziehungsratgeber mit vermeintlich süßen Tipps, die wir zur Hochzeit bekommen haben, setzen unter dem Bett Staub an.

Valentinstag ist Kitsch pur. Und ich bin froh, dass wir beide es so sehen: Auf der Suche nach angesagten Geschenken stoße ich auf Fotokissen (20 Euro), Stofftiere, die ein Porträt des Partners auf dem Pulli tragen (15 Euro) oder Glasblöcke, in die der Name des Partners und eine Rose gelasert wurden (40 Euro). Da hätte selbst die aktuelle CD von Helene Fischer einen größeren Mehrwert (7 Euro).

Doch es geht nicht nur um Sinn und Preis der Geschenke. Am Valentinstag nervt mich die Beliebigkeit und der Kommerz um diesen vermeintlichen Gedenktag. Der 14. Februar ist der Gedenktag des Schutzpatrons der Liebenden. Dabei ist die Liste der kirchlichen Patrone so lang, dass Betroffene ständig ihre Patrone feiern müssten: Um Deutschland kümmert sich Patron Michael, für Studenten sorgt Aloisius von Gonzaga, wer Zahnschmerzen hat, wird von Blasius von Sebaste umsorgt und Autofahrer bekommen Beistand von Christophorus.

Autofahrer, die sich am 25. Juli, dem Gedenktag von Christophorus, gegenseitig Frostschutzmittel oder Duftbäumchen schenken, habe ich noch nicht getroffen. Der 14. Februar, Valentinstag, ist einfach zu vermarkten, weil Paare empfänglich und emotional sind.

Ist es nicht ein wenig trist, dass Pärchen am Valentinstag Cafés, Bars, Restaurants und Kinosäle bevölkern, weil der Kalender vorschreibt, einen schönen Tag miteinander zu verbringen? Meine Frau und ich feiern unseren Jahres- und natürlich unseren Hochzeitstag. Hinter beiden steckt eine Geschichte und eine emotionale Verbindung, die nur das Paar selber hat und miteinander teilt. Ab und zu überraschen wir uns mit einem Buch, einer Konzertkarte oder laden den anderen zum Essen ein. Einfach so.

Deutschlands Floristen können auf die paar Euro, die ich am Sonnabend nicht ausgeben werde, sicher verzichten: Für dieses Jahr rechnen sie mit einem Umsatz von 120 bis 130 Millionen Euro. Floristen haben übrigens gleich drei Schutzpatrone: Einer davon ist Fiacrius. Sein Gedenktag ist der 30. August, sein Wappen enthält einen Spaten. Fiacrius hat übrigens noch eine andere Funktion als Schutzpatron: Für Menschen, die an Hämorrhoiden erkrankt sind.

Manuel Behrens

Valentinstag-Playlist

  • Song zum Verliebtsein: Wer so viel Glück hat, am Tag der Liebenden tatsächlich gerade verknallt zu sein, sollte das allen Alleingelassenen ruhig zeigen. Laut aufgedreht eignet sich dafür die schmachtende neue Single „Greek Tragedy“ der britischen Indiepop-Band The Wombats.
  • Song zum Rumheulen: Wer sich schon damit abgefunden hat, für immer Single zu bleiben, kann am Valentinstag herrlich in Tränen versinken. Zum düsteren Analogsynthie singt der Elektromusiker Caribou im Song „Silver“ passend: „I wish I’d never met you“ – hätte ich dich doch niemals getroffen. Dazu kann man verpassten Chancen hinterherheulen.

  • Song zum Hassen: Felix Schönfuss hat bei Escapado und Frau Potz gesungen. Jetzt ist er mit seiner neuen Band Adam Angst und der Single „Ja, ja ich weiß“ zurück. Pärchenhasser werden hier Genugtuung finden: Ein Song darüber, was alles an der Beziehung nervt.
  • Song zum Anhimmeln: Die schönste Frau der Stadt ist leider schon vergeben? „Ich bin grad in so ’ner Phase und ich denk zu viel an dich“ singt 
Olli Schulz in „Phase“ – und alle unglücklich Verliebten summen leise mit.
  • Song zum Tanzen: Wer nicht vergeben ist und wem der Valentinstag auch sonst komplett am Allerwertesten vorbeigeht, für den ist der Sonnabend ideal zum Tanzen. Also Füße vom Couchtisch und ab in den Club. Mit etwas Glück läuft „Denken sie groß“ der Party-Rapper Deichkind. Dazu lässt es sich vernünftig feiern. Und als Motto des Abends könnte man es ja auch mal außerhalb der eigenen Liga versuchen.

Martin Wiens, Ansgar Nehls, Manuel Behrens

ZiSH Buchverfilmungen - Ach, schau an!

Mit „50 Shades of Grey“ kommt jetzt schon wieder eine Buchverfilmung ins Kino. Nicht immer sind die aber sehenswert. ZiSH hat 50 Tops und Flops gesammelt. Und ein paar Wünsche.

10.02.2015
ZiSH Tipps für Steuererklärung, Miete und Co - Ins Lesebuch für die Oberstufe

Gedichte sind ja schön und gut. Aber warum lernen Schüler nichts über Steuern, Miete oder Versicherungen, fragte Naina (18) 
bei Twitter – und löste eine hitzige Debatte aus. Keine Panik! ZiSH gibt Nachhilfe – und erklärt den lästigen Papierkram.

06.02.2015
ZiSH Klischees: Wahr oder nicht? - Student und Vorurteil

Jurastudenten sind Klugscheißer, wer Soziologie studiert, endet bald als Taxifahrer, und Mathematiker sind Nerds.
Jeder kennt Uni-Klischees. Doch was ist dran an den Vorurteilen? Drei Studis erzählen, was nervt und was stimmt.

03.02.2015