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13:17 24.03.2015
Wie könnte man Günther Jauch für ein Interview gewinnen? Lehrer Florian Hartmann (oben Mitte) gibt der Redaktion der Schülerzeitung „Spargel“ Tipps für die neue Ausgabe. Quelle: Krajinovic
Hannover

Achtung, Achtung, welchen Lehrer würdet ihr ins Dschungelcamp schicken?“, ruft Nina Bankowsky in den Klassenraum. Die Lehrerin klingt wie eine Marktschreierin. Kein Wunder, dass etwa 20 Schüler die junge quirlige Frau mit den blonden Haaren etwas verdutzt angucken. Auch Daniella und Sonja müssen kichern. Dann notieren sie sich den Satz in ihrem Notizheft.

Bankowsky ist Lehrerin am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Garbsen. Sie leitet die wöchentliche Schülerzeitungs-AG, die vier Mal jährlich die „SchollZ“ herausbringt. Soeben ist die neue Ausgabe aus der Druckerei gekommen – und jetzt zeigt Bankowsky den jungen Redakteuren, wie sie das Heft anpreisen sollen. Schließlich soll auch gelesen werden, was die Schüler in wochenlanger Arbeit geschrieben haben. 50 Cent kostet die „SchollZ“.

Titelthema der neuen Ausgabe ist „Survival“ – „Überleben“. Passend dazu gibt es im Heft einen Fragebogen: Darauf können die Leser angeben, welchen Lehrer sie gerne ins Dschungelcamp schicken würden. Die Antworten werden in der nächsten Ausgabe veröffentlicht. Daneben finden sich Ausflugsberichte, aber auch Kinotipps für „Cinderella“ oder „Chappie“ sowie Rezepte und Rätsel. Neben Lehrerinterviews stehen eine Aufzählung bedrohter Tierarten und das Quiz „Bist du ein Cine-Star?“. Das kommt gut an: Die „SchollZ“ hat beim Juniorenpressepreis, den der Verband der Niedersächsischen Jungredakteure vergibt, vor Kurzem den ersten Platz bei den Gymnasien belegt. Ein großer Erfolg – schließlich gibt es die „SchollZ“ erst seit vier Jahren.

Preisgekrönte Schülerzeitungen

Deutlich älter ist „Der Spargel, die Schülerzeitung des Erich-Kästner-Gymnasiums in Laatzen. Beim bundesweiten Wettbewerb der Schülerzeitungen kam das Blatt auf den dritten Platz. Die Jury lobte, dass der „Spargel“ auch Themen behandelt, die außerhalb der Schule spielen. Für die neue Ausgabe führte die Redaktion ein Interview mit Gregor Gysi, unter anderem ging es um den Islamischen Staat. Das Konzept des „Spargel“ umreißt Chefredakteurin Vivien knapp: Kritisieren und Probleme ansprechen soll das Blatt, so die Zwölftklässlerin. Das Titelthema der neuesten Ausgabe: Behinderte. Das etwa 80 Seiten dicke Heft wird für einen Euro verkauft. Neben ernsten Themen findet sich aber auch im „Spargel“ leichtere Lektüre, wie beispielsweise ein Fast-Food-Test.

ZiSH hat die Redaktionen der Schülerzeitungen "Der Spargel" aus Laatzen und "SchollZ" aus Garbsen besucht.

Frühestens ab der siebten Klasse können die Schüler zur Laatzener Schülerzeitung kommen – viele bleiben bis zum Abi in der Redaktion. Gemeinsam mit Lehrer Florian Hartmann, dem Leiter der Schülerzeitungs-AG, sitzen sie jetzt an einem großen Tisch. Neben der HAZ liegt dort auch der „Spiegel“, vom dem sich die Gründer vor 26 Jahren das Titelseiten-Layout und den Schriftzug abguckten.

Weil gerade viele jüngere Schüler zum „Spargel“ gestoßen sind, vermittelt Hartmann jeden Mittwoch in der AG Grundlagen: Wie man einen Kommentar schreibt etwa, oder wie man ein gutes Interview führt. „Ich habe schon Matthias Schweighöfer, Elyas M’Barek und Günther Jauch für das Interview angefragt“, sagt Achtklässler Torben. Ganz unrealistisch ist es nicht, dass das Blättchen, das nur zweimal im Jahr erscheint, ein Interview mit einem Promi bekommt: Weil es den „Spargel“ schon so lange gibt, haben Schüler und Lehrer viele Kontakte. Trotzdem hätten die Promis auf seine Anfrage noch nicht geantwortet, klagt Torben. „Was meint ihr“, fragt Hartmann da unvermittelt, „Wie stellt man eine Anfrage so, dass sie nicht untergeht?“ Vielleicht reiche schon eine forsche Betreffzeile in der E-Mail, meinen die Schüler – und wollen bis zur nächsten Sitzung darüber nachdenken.

Der junge Lehrer, der Sneakers und Kapuzenpulli trägt, hat einen guten Draht zu den Schülern. Ihren dritten Platz beim Bundeswettbewerb feierten sie gemeinsam mit Pizza – solche Momente sind genauso wichtig wie die Redaktionssitzungen. Und wenn mal über Lehrer gelästert wird, hält Hartmann sich einfach raus. Denn es geht nicht nur darum, spannende Artikel zu schreiben. Auch die Atmosphäre ist wichtig: „Ich bin hier auch wegen der tollen Gemeinschaft und weil man viele spannende Sachen erlebt“, sagt Achtklässlerin Charlotte. Schließlich fährt die Redaktion nicht nur gemeinsam ins Theater, sondern manchmal auch in den Bundestag.

Ein bisschen Chaos muss sein

Obwohl eine Lehrerin mit am Tisch sitzt, geht es auch beim „SchollZ“-Redaktionstreffen ungezwungen zu, manchmal auch chaotisch: Kaum hat Bankowsky die neue Ausgabe verteilt, wollen die ersten sich ans Lösen der Rätsel machen, statt über Themen für die nächste Nummer nachzudenken. In der AG sind vor allem Fünft- bis Achtklässler. Ältere hätten wegen des Nachmittagsunterrichts oder der Abi-Vorbereitung nicht so viel Zeit, meint „SchollZ“-Betreuerin Bankowsky. Oft sind es sehr konkrete Themen, die die jungen Zeitungsmacher aus Garbsen umtreiben. Weil sich ein Schüler über den Religionsunterricht geärgert hat, schlägt er vor, daraus ein Thema zu machen – wie, weiß er aber noch nicht. Bankowsky hat nichts dagegen. Aber sie empfiehlt, die entsprechenden Lehrer erst mal auf das Problem anzusprechen.

Auch wenn die jungen Zeitungsmacher viel Zeit bei Whatsapp verbringen und gerne im Internet sind: Die gedruckte Ausgabe ihrer Schülerzeitung ist ihnen wichtiger als der Online-Auftritt. „Es ist einfach schön, die Zeitung selbst zu gestalten und am Ende in den Händen zu halten“, sagte Achtklässler Lukas aus Laatzen. Und Mitschülerin Sofija, die ebenfalls für den „Spargel“ schreibt, pflichtet ihm bei: „Im Internet geht alles irgendwann unter. In der Schule ist die Druckausgabe viel beliebter als unsere Website.“

„Die allermeisten Schülerzeitungen erscheinen noch gedruckt“, berichtet Marieke Henjes-Kunst, Bildungsreferentin der Jungen Presse Niedersachsen, die regelmäßig Fortbildungen für junge Journalisten organisiert. Ende 2013 hatten laut Umfrage der Jungen Presse von 251 Gymnasien in Niedersachsen 90 Schulen eine Schülerzeitung – also 35 Prozent. Trotzdem spielt das Internet eine immer größere Rolle: Deshalb hat sich die „Spargel“-Redaktion gerade einen Instagram-Account angelegt. Nachdem Hartmann die Redaktionssitzung beendet hat, hat er deshalb noch eine Bitte: „Einer von euch erklärt mir jetzt nochmal Instagram!“

Hannah Scheiwe

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