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ZiSH Ice, Ice, Baby!
Hannover ZiSH Ice, Ice, Baby!
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14:16 21.10.2014
Wenn Mark Zuckerberg die Herausforderung stellt, lässt sich auch Bill Gates nicht lange bitten – und nimmt eine eiskalte Dusche. Quelle: Screenshot
Hannover

Mit großer Verlässlichkeit schwappt fast jeder US-amerikanische Trend irgendwann über den Atlantik zu uns herüber. Im Moment ist das gerade eine Welle eiskalten Wassers. „Ice Bucket Challenge“ heißen die Videos, die nach den amerikanischen jetzt auch deutsche Facebook-Timelines überschwemmen und in denen sich Prominente und Normalos einen Eimer Eiswasser über den Kopf kippen.

Klingt bescheuert, neu ist das aber nicht: Denn seit dem vergangenen Jahr sind Herausforderungen in sozialen Netzwerken schwer angesagt. Im Februar 2013 nominierten sich Facebook-Nutzer gegenseitig, einen halben Liter Bier in einem Zug zu trinken und ein Video davon zu veröffentlichen. Es folgte die Kinder-Foto-Challenge, in der ein eigenes Kinderbild hochgeladen werden musste als harmlose Variante der Mutprobe 2.0.

All diese Challenges funktionieren nach dem Schneeballsystem, das schon die Kettenbriefe in der Grundschulzeit nutzten. Die Briefe mit häufig völlig sinnentleerten Geschichten mussten aus fadenscheinigen Gründen an zehn Freunde verschickt werden. Sonst drohte eine absurde Strafe. Doch als Grundschüler war es großartig, endlich selbst einmal einen Brief zu bekommen und nicht nur die Erwachsenenpost vom Briefkasten mit zum Frühstückstisch zu bringen. Jetzt sind sie zurück: Bei WhatsApp bringen die Kettennachrichten so manchen Nutzer an den Rand des Wahnsinns.

Anders als die sinnlosen Biernominierungen hat die „Ice Bucket Challenge“ einen ernsten Hintergrund: Sie soll auf die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) aufmerksam machen. Denn wer sich seiner Eiswasser-Herausforderung nicht gewachsen fühlt, muss Geld zur Bekämpfung der Krankheit spenden. Initiiert haben soll sie der US-Amerikaner Corey Griffin, der am Sonnabend bei einem unglücklichen Badeunfall ertrank, zusammen mit seinem Freund, dem ehemaligen Baseballspieler und ALS-Patienten Pete Frates.

Zu einem richtigen Internethype wurde die Challange, weil sich auch immer mehr Prominente dazu genötigt fühlten, sich Eiswasser über den Kopf zu schütten. Mark Zuckerberg stieg schon vor einer Woche ein. Klar, als Facebook-Gründer bietet sich das an. Er nominierte Bill Gates und so weiter. Seitdem stellen so ziemlich alle US-Promis und so viele deutsche Berühmtheiten Videos ins Netz, dass 96-Torwart Ron-Robert Zieler sich nur noch entnervt Wasser über den Kopf schütten ließ, aber schon niemanden mehr nominierte, es ihm gleich zu tun.

Aber immerhin: Die „Ice Bucket Challenge“ führt die kindliche Begeisterung am wachsenden Schneeball mit einem guten Zweck zusammen und ist auch deswegen wohl so erfolgreich. Knapp 
23 Millionen Dollar und damit über 
20 Millionen Dollar mehr als im Vorjahr wurden in den USA bereits an die ALS Association gespendet. In Deutschland ist das Ergebnis ernüchternd: „Bisher sind noch keine überragend hohen Summen in deutsche Kassen geflossen“, sagt Horst Ganter, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke (DGM), die sich auch mit ALS beschäftigt. Er ist trotzdem von der Idee überzeugt: „Die Challenge ist verrückt, aber sehr hilfreich. Und alles, was hilft, ist gut.“

Bleibt zu hoffen, dass die Aufmerksamkeit für die Krankheit langlebiger ist, als es Internettrends für gewöhnlich sind. Oder um mit Charlie Sheen zu sprechen, der sich mit 10.000 Dollar in bar statt mit Eiswasser übergoss: „Eis schmilzt, aber Geld hilft tatsächlich.“

Von Ansgar Nehls

Kollektive Unvernunft

Mit einem dämlichen Grinsen im Gesicht gucken Millionen Jugendliche in die laufende Kamera, während sie mit großen Schlucken einen halben Liter Bier „auf ex“ trinken. Als Beweis ihrer Trinkleistung luden sie das Video auf Facebook hoch und ernannten schließlich drei Freunde, es ihnen gleich zu tun. Wenn diese nicht innerhalb der nächsten 
24 Stunden nachzogen, schuldeten sie dem Nominierenden einen Kasten Bier. Verweigerer standen als langweilige Lappen da. Ihnen drohte der Spott der Gemeinschaft.

Die Biernominierung schien aus dem Nichts zu kommen und verbreitete sich wie ein Buschfeuer, das seine Opfer forderte: Übermütige Jugendliche kippten anstelle des halben Liters Bier gefährliche Mischungen aus Wodka und Whisky runter. Drei junge Männer wollten die anderen übertreffen und zahlten mit dem Tod. Es ist nicht nur ein harmloses Trinkspiel – sondern vielmehr ein Phänomen kollektiver Unvernunft.

Von Johanna Hasse

Vom Pech 
verfolgt

Das Mädchen schiebt ihrem Sitznachbarn in der Grundschule einen Brief zu. Mit roten Ohren faltet er ihn auseinander – und die Freude erlischt: ein Kettenbrief. Die größte Plage nach den Lehrern, die es an Schulen gibt.

Schon lange hat sie sich auch in den sozialen Netzwerken wie Facebook oder WhatsApp ausgebreitet. Glückswitze etwa, deren bloßes Lesen Glück bringen soll, nerven die meisten User. Die Botschaften zu ignorieren ist aber nicht leicht. Schließlich will man nicht vom angedrohten Pech verfolgt werden – und schickt die Nachrichten schnell weiter. Das Pech kommt bestimmt – und zwar in Form eines neuen Kettenbriefes. Darin wird man wieder verpflichtet, den Brief an eine bestimmte Anzahl von Personen zu verschicken. Wer dies nicht tut, wird von einer schwarzen Katze gestreift / sieben Jahre Liebespech haben / nach der Schule in Hundekot treten oder einen ewigen Schluckauf bekommen. Manchmal auch alles zusammen.

Von Sarah Seitz

Schluck 
das!

Nicht nur bei Facebook treffen sich Herausforderer und Herausgeforderte, um Mut und Tatkraft unter Beweis zu stellen. Auch bei YouTube kursieren die verrücktesten Challenges. Etwa 905.000 Suchergebnisse zählt die Cinnamon-Challenge, also die Zimt-Challenge, auf dem Videoportal. Mitmachen kann jeder, der einen YouTube-Kanal und einen Löffel Zimt zur Hand hat. Dann filmt man sich dabei, wie man versucht, den Zimt hinunterzuschlucken. Kaum im Mund, saugt der Zimt alles Wasser auf und wird als braune Staubwolke und unter heftigen Würgegeräuschen wieder ausgeprustet. Die Challenge ist damit zwar misslungen, doch das Video wird trotzdem ins Netz gestellt – dabei sein ist bekanntlich alles. Klingt absurd, ist aber gar nicht so ungefährlich wie vielleicht angenommen. Der Zimt kann allergische Reaktionen und sogar Lungenentzündungen hervorrufen. Ob das den Teilnehmern bewusst ist, ist eine andere Frage.

Von Maike Brülls

Lächeln 
statt lallen

Eigentlich sind alte Kinderfotos dazu verdammt, ein verstaubtes Leben im Wohnzimmerregal der Eltern zu fristen. Doch dank Facebook und YouTube werden sie doch wieder hervorgekramt: für die Kinderbildnominierung. Das Grundprinzip bleibt ähnlich wie bei der Biernomienierung. Statt sich einen halben Liter Alkohol hinter die Binde zu kippen, laden die Herausgeforderten ein Kinderbild von sich bei Facebook hoch. Durch Verlinkung fordern sie wiederum drei Freunde auf, innerhalb von 24 Stunden ein Foto von sich als Kind zu posten. Auch hier gilt: Wer nicht mitmacht, ist ein langweiliger Spielverderber – und spendiert ein Eis, einen Besuch im Fast-Food-Restaurant oder doch … ein Bier. Der Wetteinsatz variiert.

Statt unzähligen Selfies vom letzten Saufgelage kursieren dann auf vielen Startseiten süße kleine Kindergesichter. Zum Verstauben im Wohnzimmerregal sind die auch viel zu schade.

Von Caroline Meyer

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