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20:05 02.09.2013
Fernsehen zum Mitmachen: Das Moderatorenteam von Joiz will zusammen mit den Zuschauern das Programm gestalten. Quelle: joiz

Es ist ganz schön was los im Joiz-Studio: Im Dreivierteltakt tanzen Moderatorin Melissa und Singer-Songwriter Bosse durch den „Living Room“. Weil Bosse im Musikvideo zu seinem neuen Song „So oder so“ ja auch so schön tanzt, wie Melissa findet. Also muss er seine Tanzkünste auch gleich mal zeigen. Eine Nutzerin mit dem Kosenamen Kathablume findet die Showeinlage super: „Sehr schön getanzt“, kommentiert sie Bosses Showeinlage im Chat auf Joiz.de. Ein anderer Zuschauer möchte lieber etwas über seinen Musikgeschmack wissen: „Was ist dein Lieblingssong?“, fragt er über den Chat, der auf einem Monitor im Studio eingeblendet wird.

Beim neuen TV-Sender Joiz, der vor einem Monat in Deutschland auf Sendung ging, muss sich Bosse nicht nur den Fragen der Moderatorin stellen, sondern auch denen der Zuschauer. Egal, wie beliebig sie sind. Denn das ist das Konzept von Joiz: Fernsehen zum Mitmachen. Die Zuschauer bilden eine Community, die via Chat, Facebook und Skype die Sendungen mitgestalten kann. Sozial-TV nennt sich das. Auf der Internetseite kann man sich ein Profil anlegen, über das das Programm kommentiert werden und Fragen an Studiogäste gestellt werden können. Wer Glück hat, wird mit seiner Frage und seinem Profilbild kurz in der Sendung eingeblendet. „Sieben Sekunden Ruhm für jeden“, nennt das Senderchef Alexander Mazzara. Und so ist es vielleicht auch nicht verwunderlich, dass die Kommentare und Fragen an Bosse, die Ko-Moderator Daniel aus dem Chat in der Sendung vorliest, nicht wirklich tief greifend sind: „Was ist dein größter Wunsch?“, fragt einer, „Dein neues Album ist toll“, schreibt ein anderer. Moderatorin Melissa ist anscheinend auch verzückt: Das Dauergrinsen bekommt die stylische Mittzwanzigerin während der gesamten Sendung nicht von ihren Lippen. Auch sie fragt lieber nach Bosses Privatleben, anstatt auf sein musikalisches Schaffen einzugehen: „Was würdest du gern an dir verändern, wenn du könntest?“

Musikfernsehen mit Tiefgang sieht anders aus. Aber die Zeiten, in denen Künstler eine Plattform bekommen, in der es wirklich nur um ihre Musik geht, sind lange vorbei. Musiksender wie MTV und Viva änderten ihr Programm in den nuller Jahren radikal – aus Angst, ihr Publikum mit Musikclips zu vergraulen. Denn was hält den Rockfan vom weiterzappen ab, wenn sich Hip-Hopper 50 Cent gerade durch den „Candyshop“ nuschelt? Die Sender setzten auf seichte Unterhaltungsformate wie „DisMissed“, „Pimp my Ride“ oder „Loveline“. Nachts, wenn endlich mal ein paar Videos hintereinander liefen, wurden sie von penetranter Klingeltonwerbung für den „bekloppten Frosch“ und seine Freunde unterbrochen. Musikfans mussten sich andere Wege suchen, um Livekonzerte, spannende Interviews oder die Videoclips von Bands abseits des Mainstreams zu schauen.

Auf Mainstream setzt auch Joiz. In der Sendung „My Joiz“ können sich die Zuschauer eine halbe Stunde pro Tag ihre Lieblingssongs per Videobotschaft wünschen. Gezeigt werden Clips von Miley Cyrus, One Direction und Avicii – eben das, was gerade in den Charts steht. In der Sendung „Living Room“ steht von Montag bis Freitag für 60 Minuten ein Gast aus der Musikszene Rede und Antwort. Sonst geht es vor allem um Lifestyle-Themen. In „Noiz“ kommentieren die Moderatoren Julia und Kevin aktuelle Neuigkeiten aus der Welt. In der Talkshow „JoiZone“ wird über Themen wie Mode oder Sexualität diskutiert. Nur zwischen 17 und 22 Uhr gibt es neue Folgen der Shows. Ansonsten laufen den ganzen Tag Wiederholungen. Was bei Joiz als innovatives Sozial-TV angepriesen wird, ist keineswegs eine Neuerfindung: Bei Vivas „Interaktiv“ konnten die Fans schon um die Jahrtausendwende den prominenten Studiogäste Fragen stellen und die Sendung kommentieren – damals per Telefon, SMS oder Fax.
Auch sonst verspricht Joiz mehr, als es halten kann. „Früher war es der Zigarre rauchende Chefredakteur, der bestimmte, was im Fernsehen passierte. Heute bist du es, der Zuschauer“, erklärt ein Einführungsvideo auf der Internetseite das Konzept. Doch egal, wie oft ich in den Chat schreibe, wie langweilig ich die Videoauswahl bei „My Joiz“ finde – Miley Cyrus plärrt weiter.

Die anderen Zuschauer finden das anscheinend nicht so schlimm. Sebbo, Domi97 und Alexanderblumel verstehen sich als Teil der „Joiz-Familie“, wie sie schreiben. Und wenn nicht gerade Bosse oder ein anderer Musiker auf dem Sofa des „Living Rooms“ sitzt und banale Fragen nach peinlichen Erlebnissen beantwortet, unterhält sich die Community eben über die Schule oder lästert über andere User.

Auf interessante Interviews oder neue Musik für den iPod wartet man vergeblich. Joiz ist eben doch mehr Jugendfernsehen für „Bravo“-Leser als innovatives Musikfernsehen. Aber wenigstens steht Bosse dann doch noch im Studio und singt ein paar Songs von seinem aktuellen Album. Und für den Rest gibt es ja auch YouTube.

Von Isabell Rollenhagen

Maurice Gajda (29) ist Publikumsliebling bei Joiz und moderiert den 
 „Living Room“.

Formate wie „Interaktiv“ auf Viva haben früher schon die Zuschauer in die Sendung miteinbezogen. Was ist das Neue an Joiz?
Wir erfinden das Fernsehen nicht neu. Aber wir machen jetzt das, was es seit Jahren nicht mehr im Fernsehen gibt, und nutzen die Medien, die heute da sind. Du kannst bei uns jederzeit von überall aus deine Meinung sagen und bekommst ein Feedback. Und das haben andere vor uns nicht gemacht. Man kann sich bei uns ernsthaft einbringen.

Wie ist das Feedback von den Zuschauern?
Das ist echt positiv. Man hat das Gefühl, dass die Leute auf so etwas wie Joiz gewartet haben. Aber dadurch sind auch die Erwartungen hoch. Viele reden zum Beispiel davon, es gäbe ein neues Musikfernsehen. Das ist aber nicht so. Joiz ist Musik, ja. Aber nicht nur. Joiz ist Lifestyle, Politik, Sexualität und vieles mehr.

Im Moment laufen noch viele Wiederholungen bei Joiz. Wie soll das Programm in Zukunft aussehen?
 Im Moment laufen noch nicht alle Sendungen. Am Montag startet zum Beispiel die Sendung „Schnauze!“. Da werden zwei Hip-Hop-DJs auflegen und mit Leuten aus der Szene reden und freestylen. Ab Ende September wird es noch weitere neue Formate geben – beispielsweise eine Chartsendung, die sonntags gezeigt wird. Und immer mit Einbezug der Zuschauer. Es wird viel gemeckert über die Wiederholungen. Aber wir sind auch erst drei Wochen „on air“. Gebt uns ein bisschen Zeit!

Interview: Isabell Rollenhagen

Hier spielt die Musik

Klar, auf der Videoplattform YouTube lässt sich das neue Musikvideo der Lieblingsband schnell finden. Wer auf der Suche nach neuer Musik ist, ohne sich wahllos durch’s Netz zu klicken, wird auch hier fündig:
Tape.tv: Der Internetfernsehsender hat über 45 000 Musikclips im Programm. Dort laufen im Hauptprogramm aktuelle Charts und neue Clips im Stream. Der Nutzer kann jedoch, je nach Geschmack, die Genres filtern oder bestimmte Musikvideos über die Suchfunktion finden.
Putpat.tv: Hier gibt es den „Veequalizer“, bei dem man Künstler, Genre und die Stimmung der Musik einstellen kann, bis das Programm dem eigenen Geschmack entspricht. Außerdem gibt es 15 Kanäle, auf denen Musik für jede Richtung läuft. Rock- und Metalfans werden dort auf dem Kanal von „Rock Hard“ ebenso fündig, wie Hip-Hopper auf „Hooray“. Die Nutzung von Tape.tv und Putpat.tv ist kostenlos. Dafür läuft nach ein paar Videos Werbung. Beide Programme gibt es auch als Apps für das Smartphone. Manuel Behrens

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