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12:42 02.05.2014
Quelle: Küstner

Ich festige noch mal den Griff um meine Pompfe und schaue kurz nach links: Alle stehen bereit. Vor uns liegt das Spielfeld und auf der anderen Seite stehen unsere Gegner. Ich bekomme ein bisschen Panik. Doch jetzt gibt es kein Zurück mehr. Der Schiedsrichter hebt die Arme und ruft „Drei, zwei, eins – Jugger!“. Wir sprinten auf unsere Gegner zu, entschlossen, sie mit unseren Pompfen auszuschalten.

Pompfen sind unsere Sportgeräte. Die brauchen wir beim Juggern im Georgengarten. Ein bisschen erinnert es an ein mittelalterliches Gefecht. „Jugger ist wie eine Mischung aus Rugby, Fechten und Handball“, hatte mir Mark vor dem Spiel erklärt. Der 27-Jährige spielt schon seit fünf Jahren Jugger in Hannover und erklärt mir das Spiel.

Es gibt fünf aktive Spieler pro Team. Vier davon sind mit den sogenannten Pompfen ausgerüstet. Mit den unterschiedlich geformten Stöcken versucht man, die Gegner „abzupompfen“. Mir haben sie eine Langpompfe in die Hand gedrückt, einen etwa eineinhalb Meter langen Kunststoffstab, der bis zur Spitze mit Schaumstoff ausgepolstert ist. Wenn ich damit meine Gegner schlage, kann ich sie also nicht verletzen. Das will ich auch gar nicht. Ich will eigentlich meinen Läufer schützen. Der Läufer ist der fünfte ­Spieler jedes Teams. Er ist komplett ­ungeschützt, hat aber die wichtigste ­Aufgabe im Spiel. Er muss den Jugg, den Spielball, im jeweils gegnerischen Tor, auch Mal genannt, versenken. Dann ­bekommen wir einen Punkt. Das Team mit den meisten Punkten gewinnt am Ende.

Jetzt, mitten im Spiel, habe ich unseren Läufer verloren. Stattdessen versuche ich, mich im Kampfchaos gegen Mark durchzusetzen, der mich treffen und so für fünf Strafsekunden außer Gefecht setzen will. Dann muss ich mich hinknien und darf mich nicht mehr bewegen.

„Es kommt gar nicht auf die Kraft an, sondern auf die Schnelligkeit“, erklärt er mir und trifft mich mit seinem „Q-Tip“ blitzschnell am Bein. Das ist auch eine Pompfe, ein Stab, der an beiden Seiten gepolstert ist und aussieht wie ein überdimensionales Wattestäbchen.

Während ich geduldig meine Strafsekunden abzähle, schaue ich mich auf dem Spielfeld um. Neben mir hat es auch Mark erwischt. Unser Kettenmann hat ihn getroffen. Mit seiner Pompfe, die er an einer Kette durch die Luft schwingt, sieht er aus wie ein Morgenstern schwingender Ritter. Er passt in die Szenerie dieses Spiels. Alles erinnert ein wenig an eine mittelalterliche Schlacht – nur, dass die Waffen gepolstert sind.

Nachdem ich meine Strafsekunden abgesessen habe, will ich endlich weiterkämpfen. Doch jetzt ruft hinter mir schon jemand „Jugg!“. Das heißt: Die Runde ist vorbei. Unsere Gegner haben den ersten Punkt erzielt.
Mark klopft mir auf die Schulter. „Das war schon ganz gut“, sagt er. Doch zufrieden bin ich nicht. Nach meiner ersten Runde Jugger bin ich vor allem eines: verwirrt. Einfach zu lernen ist Jugger sicherlich nicht, aber Spaß macht es trotzdem. Und anstrengend ist es auch. Schon nach einer Runde merke ich meine müden Beine. Zeit, auszuruhen habe ich aber nicht. Der Schiedsrichter ruft zur nächsten Runde: „Drei, zwei, eins – Jugger.“

Jülide Asci

Mit Scheibe - Ultimate Frisbee

Ich habe ein bisschen Schiss. Schon von Weitem sehe ich die ersten Frisbees über den Rasen schweben. Ich war nie sonderlich begabt darin, die bunten Plastikscheiben zu werfen. Meine landeten meistens gerade mal knapp vor meinen Füßen. Jetzt soll ich nicht nur werfen. Denn Ultimate Frisbee ist ein bisschen wie Basketball: Jede der beiden Mannschaften versucht, die Frisbee in die gegnerische Endzone zu befördern. Mit der Scheibe in der Hand darf man nicht laufen, und Körperkontakt ist verboten.

Trotz meiner Nervosität habe ich schon nach kurzer Zeit die Technik raus. Aus der Rückhand geworfen gleitet meine Scheibe ruhig zu meiner Übungspartnerin. Aber mit der Vorhand will es mir gar nicht gelingen. „Beim Ultimate muss man beides können“, erzählt mir Birger. „Nur wenn man flexibel ist, kann man im Spiel in alle Richtungen passen.“ Der 22-Jährige trifft sich zum Werfen gerne mit Kommilitonen im Georgengarten. Ultimate spielt er auch wegen der spartanischen Ausrüstung: „Ich brauche nur eine Scheibe und ein paar Klamotten, um die Endzonen zu markieren“, sagt er. Als ich das erste Mal im Team spiele, weiß ich anfangs nicht wohin. Alle irren wie aufgescheucht über das Spielfeld. Doch ich fuchse mich rein und bereite am Ende sogar Punkte vor – mit der Vorhand.

Mareke Heyken

Im Käfig - Fußball

Ich fühle mich wie ein Kleinkind. Bei strahlendem Sonnenschein ist der Bolzplatz in der List voll. Ich muss mit meinen 19 Jahren wie früher auf dem Pausenhof erst einmal an den Gitterstäben am Rand warten. Gerade läuft ein „Spiel bis zehn“, also bis eine Mannschaft zehn Tore geschossen hat. Erst danach darf auch ich auf den Platz.

„Hier kann jeder mitspielen, der halbwegs gegen den Ball treten kann“, meint Tim. Er ist 16 Jahre alt und spielt regelmäßig im sogenannten Käfig. „Es gibt keine festen Termine, ich muss keine Vereinsbeiträge zahlen und kann bolzen gehen, wann, wo und wie ich Bock habe. Besser geht´s nicht“, schwärmt er.

Wir spielen Fünf gegen Fünf, im Tor muss jeder mal ran. Anders als im Verein geht es hier nicht um den Erfolg der Mannschaft, sondern um den Spaß. Nicht immer wird zum freien Nebenmann abgespielt, die Stimmung ist trotzdem super. „Klasse gemacht, Blonder“, lobe ich einen kleinen Jungen nach einem Treffer. Seinen Namen habe ich mir nicht gemerkt, er ist auch nicht wichtig. Zur Verständigung reicht der Name des Lieblingsbundesligaspielers auf dem Trikot – oder eben die Haarfarbe. Denn was alle hier eng verbindet, ist die Lust am Kicken. Dafür braucht es nicht viele Worte.

Vincent Reinke

In der Stadt - Parkour

Meine erste Parkour-Erfahrung am Raschplatz beginnt mit einem Stöckchen. Ich soll einfach so weit springen wie ich kann und es dann hinter mich legen, sagt Kevin. Der 21-Jährige ist seit sechs Jahren beim Training der Traceure, wie sich die Bewegungskünstler nennen.

Also nehme ich Anlauf und springe so weit, wie ich kann. Bei der Landung schwanke ich. Aber ich falle nicht hin. So kann ich mein Stöckchen hinter meine Hacken legen. Gar nicht so schwierig, diese Anfängerübung. Im Gegensatz zu den Sachen, die Kevin und seine Kollegen machen. Überall in der Stadt finden sie Hindernisse: Mauern, Geländer, Häuserwände oder Treppen. Sie überwinden sie, ganz ohne Hilfsmittel. Kevin begeistern beim Parkour neben der Technik, Hindernisse so schnell wie möglich zu überwinden, vor allem die offenen, aufgeschlossenen Leute: „Als ich zum ersten Mal zum Training kam, wurde ich zur Begrüßung sofort umarmt. Obwohl ich gar keinen kannte.“

Ich wurde zwar nicht umarmt, aber herzlich aufgenommen haben mich die Traceure mit den weiten Jogginghosen auch. Beim „Katzensprung“ springen sie mit den Händen voraus auf ein Geländer und ziehen die Beine nach vorne durch. Da bleibe ich lieber erst mal bei meinem Stöckchen und gucke den Profis zu.

Sina Sommerfeld

Auf dem Band - Slackline

Für Slacklining braucht man nur zwei Bäume und ein Band. Dachte ich. Aber so leicht ist es dann doch nicht. Festgeklammert an der Faust von Dominik schiebe ich langsam einen Fuß vor den anderen. Meine Beine fangen sofort an zu zittern. Und auch das Band schlackert heftig. Ich komme kaum vorwärts. Konzentriert schaue ich auf die Schnalle, mit der die „Line“ 30 Zentimeter über dem Boden am Baum befestigt ist. „Die Line ist locker gespannt und eigentlich viel zu schwierig für einen Anfänger“, sagt Dominik.

Der Student reicht mir wieder seine Faust. Zweiter Versuch: Ich zittere schon etwas weniger. Beim Slacklining braucht man eine gute Körperspannung: „Ein Sixpack ist nicht nötig“, sagt Dominik grinsend. Der 25-Jährige trifft sich regelmäßig im Welfengarten zum Slacklinen. Und ich merke, dass er wirklich gut ist: Dominik springt ab und lässt sich auf die Brust fallen. Das Band schleudert ihn zurück, er kommt hoch und lässt sich noch mal fallen. „Chestbounce“ nennt sich der Trick. Der erfordert schon etwas. Schließlich gibt es keine Sicherung und wenn man fällt, dann auf den harten Boden. Deswegen sollte man damit auch erst anfangen, wenn man sicher auf der „Line“ laufen kann, erklärt mir Dominik. Bis ich soweit bin, müsste ich wohl noch ein paar Stunden üben.

Sina Sommerfeld

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