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ZiSH Grüne Wochen
Hannover ZiSH Grüne Wochen
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17:59 29.05.2014
Quelle: Ditfurth

Der Abend davor:
Kira: Vor mir liegt die zerknüllte Alufolie meines Döners. Ein letztes Mal Fleisch, ein letztes Mal Zaziki – dann ist Pause für zwei Wochen. Auch Käse, Milch und Eier sind erst einmal gestrichen. Der Döner war lecker, doch mein Magen fühlt sich an, als hätte ich gerade einen Stein gegessen. Mit dem Gemüse, das mich in den nächsten Wochen erwartet, wird mir das hoffentlich nicht passieren. Fleisch esse ich ohnehin relativ selten, da wird der Rest schon kein Problem sein.

Tag 1: Einkaufen
Sarah: Im Supermarkt dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis ich alle Inhaltsangaben der einzelnen Produkte gelesen habe. Am Ende schaffen es ein Bärlauchaufstrich und eine vegane Pastete mit der Geschmacksrichtung „Mexikanisch“ in meinen Einkaufswagen. Die 2,89 Euro für den miefigen Bärlauchaufstrich hätte ich mir sparen können.
Kira: In Mamas Kühlschrank stapeln sich Käse, Wurst und Quark. Na toll. Mein karges Frühstück besteht schließlich aus Marmelade mit Vollkornbrot. Was darf ich jetzt überhaupt noch essen? Ich installiere die App „Vegan leben“, die mir dabei helfen soll. Außer einem Leitfaden für Diskussionen mit Fleischessern erweist sie sich allerdings nicht als sonderlich hilfreich.

Tag 2: Versuchungen
Sarah: Da es heute für einen Tag in die Heimat ging, habe ich Mutti angerufen und ihr von meinem Experiment erzählt. Und Mama hat eingekauft: Daheim finde ich Obst und Gemüse, veganen Brotaufstrich, Vanille-Sojamilch und Tofu vor. Trotzdem dauert es nicht lange bis zur nächsten Verführung: Nach dem Fußballtraining werfe ich aus Gewohnheit einen Blick in den Kühlschrank. Es gibt Pellkartoffeln mit Sahnesauce. Doch ich bleibe stark und verzichte.
Kira: Ich habe Kopfschmerzen und bin müde. Außerdem habe ich ständig Heißhunger. Meine Gedanken sind bei mit Käse überbackenen Aufläufen. Die Erkenntnis des Tages: Was man nicht mehr darf, will man umso mehr.

Tag 3: Vegane Einzelkämpferinnen
Sarah: Langsam gewöhne ich mich an den Veganismus. Morgens gibt es lediglich eine andere Toastsorte und statt Butter pflanzliche Margarine. Zum Mittag gibt es Reis mit gebratenen Pilzen und Zwiebeln und ich bemerke Unterschiede in meinem Verhalten: Sonst habe ich häufig bis zum Völlegefühl gegessen. Jetzt esse ich bewusster und merke schneller, wann ich satt bin.
Kira: Als Veganer wird man schnell zum Einzelkämpfer. Bei Ikea kann ich meiner Familie beim Hotdog-Essen nur zugucken und meine Laune sinkt auf einen Tiefpunkt. Abends bin ich zu einem Geburtstag eingeladen. Während die anderen Salamibrötchen und Kartoffelsalat verputzen, versuche ich, von Karottensalat satt zu werden. Ich bin genervt.

Tag 5: Veganes Dorffest?
Kira: Auf unserem Dorffest habe ich die Auswahl zwischen Currywurst und Erbsensuppe mit Würstchen. Hier sind nicht einmal Vegetarier eingeplant. Ich bleibe, bis der Hunger zu groß wird. Dann fahre ich nach Hause und koche mir Reis mit veganer Soße.

Tag 7: Energieschub
Sarah: Eigentlich lege ich mich nach der Uni für eine halbe Stunde ins Bett. Jetzt bin ich auch nach der Vorlesung noch voller Energie und nicht einmal müde. Auch beim Fußballtraining war ich wesentlich fitter als meine Teamkollegen. Vielleicht lag es ja am Essen.

Tag 10: Gewissensbisse
Sarah: Auf der Suche nach Rezepten bin ich im Internet auf vegane Blogs gestoßen. Beim Lesen der Beiträge wird mir klar: Auch viele Vegetarier kaufen Produkte, für die Tiere gelitten haben. Kühe, die kein Tageslicht sehen, und Hühner in Mastanlagen liefern die Zutaten für einige Käsesorten und Eier aus Bodenhaltung.

Tag 11: Grillen
Kira: Heute wird gegrillt. Neben den Steaks meiner Freunde brutzelt einsam mein Tofu-Würstchen. Beim Essen muss ich mich den typischen Fragen stellen: „Warum muss man Würstchen essen, wenn man Veganer ist?“ Ich könnte den Diskussionsleitfaden meiner App ausprobieren und mir ethische Argumente zu Hilfe holen. Aber ganz überzeugt bin ich selber nicht. Da lasse ich es lieber.

Tag 12: Der Durchhänger
Sarah: Ich habe gesündigt! Für die Konfirmation meiner Cousine hatte ich mir extra einen veganen Apfel-Zimt-Kuchen gebacken. Dem Käsekuchen meiner Mutter konnte ich trotzdem nicht widerstehen. Die Verlockung war einfach zu groß.

Tag 14: Finale
Sarah: Gestern Abend konnte ich der kleinen Raffaelo-Kugel nicht entsagen. Vielleicht waren es auch zwei. Die 14 Tage waren nicht einfach. Jetzt freue ich mich wieder auf Fetakäse, Pizza und Joghurt.
Kira: Das waren zwei harte Wochen. Über Nacht wird man kein Veganer – es erfordert Zeit und Arbeit. Doch auch, wenn mir das Experiment schwergefallen ist, habe ich das Völlegefühl eines Döners nicht vermisst.

Sarah Seitz und Kira von der Brelie

Interview mit Ernährungswissenschaftlerin Nadia Beyer

"Kapseln gegen Eisenmangel"

Welche Vorteile bietet die vegane Ernährung?
Als Veganer ernährt man sich meist automatisch bewusster. Weniger Fertigprodukte, mehr Bio – das steigert die Lebensqualität. Außerdem schützen sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe vor Zivilisationskrankheiten wie Herzinfarkt oder Krebs und sind nur in pflanzlichen Lebensmitteln vorhanden. Pflanzen bilden diese Verbindungen aus den primären Pflanzeninhaltsstoffen wie Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten. In unserer Nahrung kommen etwa 60 000 sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe vor.

Und auf welche Probleme muss man sich einstellen?
Vitamin B12 ist nur in tierischen Produkten bedarfsdeckend enthalten. Es ist unter anderem an der Zellteilung, Blutbildung und Funktion des Nervensystems beteiligt. Ein Mangel kann zu Blutarmut und Störungen des Nervensystems führen. Veganer sollten das Vitamin daher als Nahrungsergänzungsmittel per Kapsel einnehmen.

Kann es dabei zu Nebenwirkungen kommen?
Ja, geringfügige Nebenwirkungen sind auch hier bei Nichtbeachten der angegebenen Verzehrempfehlungen möglich. Jedoch sind die möglichen Nebenwirkungen nicht mit denen des Arzneimittelmissbrauchs vergleichbar. Die Risiken sind durch die in Deutschland hergestellten und demzufolge meist relativ niedrig dosierten Nahrungsergänzungsmittel sehr gering. Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass Nahrungsergänzungsmittel für Anwender ein Alibi seien, um sich weiter ungesund zu ernähren. Das Gegenteil ist meist der Fall, das heißt, wer Nahrungsergänzungsmittel verwendet, hat meist ein höheres Gesundheitsbewusstsein. Ernährungsbedingte Gesundheitsrisiken durch Ergänzungsmittel zu mindern ist besser, als sie gar nicht zu beachten, denn ausschlaggebend ist nicht, was mit gesunder Ernährung erreicht werden könnte, sondern tatsächlich mit der Ernährung erreicht wird.

Worauf sollte man sonst noch achten, wenn man sich vegan ernähren will?
Eisenmangel kann zum Problem werden. Eisen ist Bestandteil des Bluteiweißes Hämoglobin und wichtig für den Sauerstofftransport im Blut. In pflanzlichen Lebensmitteln ist Eisen jedoch nicht so stark vorhanden und kommt in einer schwerer löslichen Form vor als in tierischen Produkten. Als Tipp: Eisenreiche Lebensmittel wie Hirse, Kürbiskerne oder Spinat mit einem frisch gepressten, Vitamin-C-haltigen Orangensaft, frischen Kräutern oder Paprika kombinieren. Vitamin C fördert die Eisenaufnahme durch den Körper um das Drei- bis Vierfache.

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