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ZiSH Grenzenlos durch die EU
Hannover ZiSH Grenzenlos durch die EU
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20:03 19.05.2014
Quelle: Illustration: Stefan Hoch

Studieren: Uni in der Union

Quelle: Privat

Eine Lehrstunde in Toleranz nennt Madalina Gusu ihre Zeit in Hannover. Die 22-Jährige studiert Politikwissenschaften und ist seit knapp einem Monat hier. Ihr Auslandssemester läuft über das Erasmus-Programm der EU. Drei bis zwölf Monate können Studenten damit an einer anderen Hochschule in Europa verbringen. Es gibt einen monatlichen Zuschuss von bis zu 250 Euro. Die Studiengebühren des Gastlandes fallen weg. Derzeit profitieren davon zehn Prozent der Studenten, bis 2020 sollen es 20 Prozent sein. „Die EU ist ja auch ein Friedensprojekt und das Erasmus-Programm dafür ein Beispiel“, sagt Marcus Hoppe vom Akademischen Auslandsamt der Leibniz Universität Hannover – der Anlaufstelle in Sachen Erasmus. „So wird Europa für junge Studenten erlebbar.“ Madalina kann das bestätigen. Sie habe schnell neue Freunde gefunden. „In meiner Heimat gelten die Deutschen als kalt und verschlossen, dabei sind sie total hilfsbereit“, sagt Madalina. Als ihr Handy nicht mehr ging, schenkte ihr eine Kommilitonin ihr altes. Andere Erfahrungen hat Daniel Bronder in seinen zwei Jahren in Glasgow gemacht. Der 22-Jährige tat sich zunächst schwer, Kontakt zu den britischen Studenten zu knüpfen. „Unter den meisten Europäern merkt man eine Zusammengehörigkeit. Mit den Briten ist das anders. Die fühlen sich nicht so stark mit der EU verbunden“, erklärt Daniel. Sein Biologiestudium an der University of Glasgow finanziert er durch Auslands-BAföG. Dabei lernt er ein ganz neues Bildungssystem kennen. „Anders als in Deutschland ist die Uni hier eine große Gemeinschaft. Sie bietet Sportklubs und Gesellschaften“, erklärt Daniel. Er muss für seinen Bachelor intensiv lernen, Madalina kann es etwas entspannter angehen. Noch steht gar nicht fest, ob sie sich alle Leistungen aus Hannover anrechnen lassen kann. Zumal es noch eine weiteres Problem gibt: „Einige Seminare sind auf Deutsch. Das hatte ich nur mal in der Schule.“ Sie trainiert daher täglich ihr Deutsch. „Ich will etwas lernen.“ Bei der Europawahl am Sonntag möchten beide ihre Stimme abgeben. „Die EU bietet uns als Studenten so viel, da ist das doch klar“, sagt Madalina.

Von Vincent Reinke

Schule: Party auf Polnisch

Quelle: Privat

Europa ist für Chantal vor allem eine Herzensangelegenheit. Die 14-Jährige trägt einen goldenen Kettenanhänger in Form eines Puzzlestücks um den Hals. Darauf ist der Name ihres Freundes Gracjan eingraviert. „Er stammt aus Polen, deshalb interessiere ich mich für das Land und die Sprache“, sagt die Schülerin mit den langen blonden Haaren und der Zahnspange. Im letzten Sommer ging sie deshalb mit 14 weiteren Schülern der Bismarckschule für einen einwöchigen Schüleraustausch nach Posen, polnische Partnerstadt Hannovers. Tagsüber besuchten die Schüler Museen und Sehenswürdigkeiten, am Abend wurde gefeiert. „Die Stadtführung war interessant. Aber am besten waren die Partys.“ Sie lächelt. „Einmal haben wir eine Disco gemietet. Man kommt dort viel leichter in Klubs.“ Austauschfahrten sind in Deutschland für viele Schüler der erste Kontakt mit einem anderen Land abseits des Familienurlaubs. Vor allem Frankreich, England und Spanien sind beliebte Ziele für einen Kurzaustausch. Die Bismarckschule hat seit einigen Jahren auch einen China-Austausch und eine Fahrt nach Tansania im Angebot. „Das sind aber aktuell noch eher Exoten und keine Konkurrenz für Europa“, sagt Lehrer Ulrich Wehking, der das Austauschprogramm der Schule seit vielen Jahren begleitet. Während spätere Auslandsaufenthalte meist Bildungs- oder Karriereziele verfolgen, geht es bei dem Schüleraustausch vor allem darum, persönliche und kulturelle Erfahrungen zu sammeln. In Erinnerung bleiben meist vor allem aufregende Flirts und Partys, die man vor den Lehrern geheim hält. Auch wenn die Freundschaften und Liebeleien nur ein paar Wochen dauern, bleibt den meisten eine besondere Beziehung zum Austauschland. So dienen die Besuche auch der langfristigen Völkerverständigung. Chantal schreibt auch nach einem Jahr noch regelmäßig ihrer Gastschwester Martha auf Facebook. Wenn alles klappt, wollen sich beide in den Sommerferien treffen. Anders als Italien oder Frankreich sei Polen aber kein Selbstläufer. „Für den Polenaustausch müssen wir unter den Schülern schon werben. Posen ist eben nicht Paris oder Barcelona,“ sagt Wehking.

Von Mario Moers

Arbeiten: Morgen ist auch noch ein Tag

Quelle: Privat

Das Lieblingswort der Spanier heißt: Mañana! „Daran muss man sich erst mal gewöhnen.“ Wenn Kristin Langer an ihre erste Arbeitswoche auf Mallorca denkt, fällt ihr ein, wie schwierig es war. „Ich konnte meine Arbeit erst nicht erledigen, wie ich es wollte. Immer wurde alles auf morgen verschoben“, erinnert sie sich. Denn: Mañana heißt auf Deutsch „morgen“. Aus Deutschland war sie ganz anderes gewohnt. Ihre erste Arbeitswoche ist jetzt mehr als zwei Jahre her. Die 26-jährige Hannoveranerin arbeitet in einer Onlinemarketing-Agentur in Palma und kümmert sich um den Onlineauftritt von Hotelketten und Diskotheken. Zu ihren Kunden gehört auch der Bierkönig, eine bei deutschen Touristen beliebte Disko in der Feiermeile Schinkenstraße. „Für den Job ist es gut, dass ich Deutsch und Englisch sprechen kann“, sagt sie. „Aber für den Alltag? Da bringt Englisch nichts. Die sprechen hier nur Spanisch oder Mallorquinisch.“ Gerade am Anfang sei das ein großes Problem gewesen. Weil Kristins Spanisch nicht so gut war, musste sie sich mit Händen und Füßen verständigen. Im bürokratischen Marathon kam sie damit aber nicht besonders weit. „Schwierig war vor allem die Anerkennung meines Bachelorabschlusses. Es dauerte mehrere Wochen bis ich sie hatte“, sagt Kristin und klingt ein wenig genervt. Kein Wunder. Wenn Politiker über die EU reden, dann klingt das immer so, als gäbe es kein Ausland innerhalb der EU. Es stimmt zwar, dass wir dank Artikel 45 im Vertrag über die Arbeitsweise der EU in dem europäischen Land unserer Wahl arbeiten und wohnen dürfen. Die kulturellen Unterschiede und bürokratischen Hürden werden aber geschickt ausgelassen. EU-Ausland ist eben trotzdem noch Ausland. Trotz dieser Hürden und Unterschiede findet Kristin ihr Leben auf Mallorca heute aber super. „Der Anfang war zwar schwer, aber ich bin hier sehr glücklich.“ Wann sie nach Deutschland zurück will, das weiß sie noch nicht. „Hier arbeiten die Menschen um zu leben, und leben nicht um zu arbeiten. Das stört mich noch an Deutschland.“

Von Jülide Asci

Reisen: Schlagbaum der Geschichte

Quelle: Privat

Männer in Uniformen standen mit strengem Blick am innerdeutschen Grenzposten und musterten jeden Passanten von oben bis unten. Das ist mittlerweile 50 Jahre her. Anders als ich ist meine Oma in ihrer Jugend in den sechziger Jahren nicht oft ins europäische Ausland gereist – aber die wenigen Male sind ihr deutlich in Erinnerung geblieben. „Das jagte uns eiskalte Schauer über den Rücken.“ Meine Großmutter kennt noch ein ganz anderes Europa als wir. „An der Grenze ging es zu wie an der Losbude. Wenn man Glück hatte, wurden nur die Pässe verlangt, bei anderen wurde das ganze Auto gefilzt“, sagt sie. „Aber wenn du in den Ostblock wolltest – Prost Mahlzeit! Das konnte Stunden dauern.“ Auch ich bin als Kind mit meiner Familie verreist. Im vollgepackten Auto ging es ab 2000 jedes Jahr in die Alpen. Wo Deutschland aufhört und Österreich anfängt, konnte ich nur an einem großen Schild erkennen – anhalten mussten wir nicht. Reisen ist so einfach wie noch nie: Schüleraustausch mit Spanien, Au-Pair in Italien, Urlaub in England. Mittlerweile sind innereuropäische Flüge sogar billiger als Bahnfahrten. Innerhalb von zwei Stunden erreicht man London oder Barcelona – für den Preis einer Konzertkarte. Seit 1990, fünf Jahre nach der Unterzeichnung des Schengenabkommens, müssen wir meist nicht mal an einer europäischen Grenze warten. Damals beschlossen Deutschland, Frankreich, Belgien, die Niederlande und Luxemburg den Abbau der Personenkontrollen an den Grenzen. Bis heute haben sich weitere 21 Länder dem Abkommen angeschlossen. Während meines letzten Fluges mussten wir nach der Ankunft in Mailand plötzlich noch mal durch die Sicherheitsschleuse. Einige gestresste Geschäftsleute vor mir stöhnten über die drei Minuten Wartezeit laut auf.

Von Sarah Seitz

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