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HAZ-Autotests Her mit den kleinen Limousinen!
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10:55 09.12.2013
Mercedes CLA: Die schnittige Limousine in Coupéform hat frischen Wind in die Kompaktklasse gebracht. Quelle: Hersteller
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Hannover

Rentnerimage ade: Kompakte, sportliche Limousinen erfahren gegenwärtig eine Rennaissance, mit der vor einiger Zeit noch niemand gerechnet hätte. Die Stufenheckautos galten jahrelang als spießig und pomadig, woran Modelle wie der VW Jetta (später Bora) maßgeblichen Anteil hatten. Die Autos konnten noch so gut sein, mit dem flachen Kofferraum hinter der Heckscheibe lockten sie kaum noch jemanden in die Showräume. Das ist vorbei. Spätestens seit Mercedes mit dem CLA eine auf der Plattform der A-Klasse basierende viertürige Stufenheckvariante in Coupéform vorgestellt hat, flackert das Interesse wieder auf.

Globale Bedeutung der Limousinen

Anders als in Deutschland spielen Limousinen seit jeher weltweit eine große Rolle. „Sie sind für uns global ungeheuer wichtig“, sagt Mazda-Sprecher Jochen Münzinger. „Der Marktanteil bei unseren Modellen liegt bei 50 Prozent.“ Die Japaner, die auch hierzulande mit ihrem Schrägheckmodell Mazda3 in der Kompaktklasse erfolgreich sind, bringen im Februar kommenden Jahres eine Stufenheckvariante auf den Markt (ab 20.790 Euro). Und die ist im Gegensatz zum Vorgänger richtig sportlich geschnitten, mit den typischen Designmerkmalen moderner Limousinen, also einer langen Motorhaube und der zurückgesetzten Fahrgastzelle. Der Wagen kann bereits gekauft werden, wird aber erst 2014 ausgeliefert. Die neue Linienführung haben die Karosseriedesigner von den klassischen, zweitürigen Coupés übernommen und auf das Kompaktwagensegment übertragen.

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Autos müssen gut aussehen“

Münzinger: „Die Autos müssen heute einfach sehr gut aussehen, sonst funktionieren sie nicht.“ Auch wenn der Mazda-Sprecher davon ausgeht, dass der Marktanteil der kleinen Limousine im Vergleich zum Schrägheck anfangs nur bei zehn Prozent liegen dürfte, beziffert er die Chancen als gut: „Wir werden mehr verkaufen als vom Vorgänger.“ Münzinger verweist in diesem Zusammenhang auf das Spitzenmodell Mazda6. Dort liegt der Marktanteil des Stufenhecks bereits bei 30 Prozent in Deutschland. Dazu kommt, dass Fachleute keiner anderen Fahrzeuggattung bessere Wachstumschancen einräumen.

Maßgeblichen Anteil an dieser optimistischen Prognose hat die Eleganz der neuen Modelle. Denn Schrägheckautos gibt es mittlerweile seit Jahrzehnten wie Sand am Meer. Und nicht jeder Hersteller hat bei der Modernisierung seiner Modelle ein so glückliches Händchen wie Volkswagen beim Golf. Der Klassiker, der dem ganzen Segment als „Golfklasse“ seinen Namen gegeben hat, ist die absolute Ausnahmeerscheinung.

Mutige Schritte nach vorne

Dass hier einschneidende Maßnahmen wieder in die Erfolgsspur zurückführen können, hat Mercedes mit der neuen A-Klasse bewiesen, die eine abrupte Abkehr vom alten Design war. Der CLA (ab 28.977 Euro) als eine Ableitung von der neuen Plattform ist nicht nur im Design ein mutiger Schritt nach vorne, das Fahrzeug besticht auch mit seinen hervorragenden Werten im Windkanal – inzwischen eine wichtige Stellschraube auf dem Weg zu besseren Spritverbräuchen.

Dass man das Thema Lifestyle in dieser Klasse mit einem – zugegeben stark modifizierten ~ Stufenheck verbunden hat, ist ein weiteres Novum. Und die große Leistungsspreizung bei den Motoren macht das Fahrzeug darüber hinaus auch für Menschen interessant, die sich bislang in anderen Segmenten umgesehen haben. Mit dem CLA, das gibt Mercedes unumwunden zu, hofft man, den BMW 3er sozusagen von unten angreifen zu können.

Den frischen Wind beim Zuschneiden neuer Karosserien nutzt inzwischen auch Audi. Seit September dieses Jahres führen die Ingolstädter eine Limousinenversion ihres A3 im Programm – erstmals (ab 24.300 Euro). Mit einer größeren Fahrzeuglänge und mehr Radstand als bei der Schrägheckvariante signalisiert Audi, dass man das Auto vom Basismodell deutlich abgehoben sieht.

Die Limousinen sind zurück

Allerdings geht man in Bayern das Thema Design etwas zurückhaltender an als in Baden-Württemberg. Wo Stuttgart fast schon avantgardistisch vorprescht, wählt Ingolstadt den eher klassischen Weg. Sicherlich auch mit Blick auf die riesigen, aber teilweise eher konservativen Märkte in China und den USA. Hier hofft man auf eine große Zukunft der handlichen Limousine. Wird das Fahrzeug dort ein Erfolg, dürfte das auch eine positive Resonanz auf den deutschen Markt haben. Bleibt die aus, gibt es immer noch den Sportback. Und der geht hierzulande immer. Egal, wie sich der Markt entwickelt, die Limousine ist zurück – so schick wie nie zuvor. Denn mit dem BMW 1er steht ein weiteres Stufenheckdebüt an. Der soll 2016 auf den Markt kommen.

Gerd Piper