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HAZ-Autotests Ein Tiger fürs Gelände
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11:32 02.12.2013
Der Macan unterscheidet sich von seinem älteren Bruder Audi Q5 deutlich und setzt eigene Akzente. Quelle: Hersteller
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Los Angeles

Er soll der Bruder Leichtfuß unter den SUVs des Volkswagen-Konzerns werden – der Porsche Macan. Auf den Messen in Los Angeles und Tokio feierte das betont sportlich ausgelegte kompakte Fahrzeug in der vergangenen Woche nahezu zeitgleich seine Weltpremiere. Dabei wurde eins sehr schnell klar: Die Porsche-Ingenieure im Entwicklungszentrum Weissach haben besonderen Wert darauf gelegt, dass sich das jüngste Modell der Stuttgarter Edelschmiede deutlich von seinem älteren Bruder, dem Audi Q5, unterscheidet. Zwar zählt Audi zu den sogenannten Premiummarken, doch ein Porsche ist eben noch einmal eine Nummer für sich. Schon deshalb ist es extrem wichtig, dass das Markenimage nicht verwässert wird. Zu viele Gleichteile aus dem Konzernregal könnten Käufer irritieren oder gar denken lassen, dass es sich hier um einen umetikettierten Audi handeln könnte. Porsche-Chef Matthias Müller wurde deshalb bei der Präsentation in Los Angeles nicht müde zu betonen, der Macan sei ein „echter Porsche“.

„Zwei Drittel aller Bauteile sind neu.“

Der Q5 ist ein Erfolgsmodell. Das SUV aus Ingolstadt erreicht dank seiner großen Spreizung in der Leistung weite Käuferkreise. Allerdings ist der Wagen optisch ein wenig speckig um die Hüften. Hier hat Porsche gleich eine deutliche Trennlinie gezogen: Der Macan ist niedriger und mit sieben Zentimetern deutlich länger. Das streckt nicht nur die Optik, sondern senkt auch den Schwerpunkt des Fahrzeugs, was sich naturgemäß positiv auf die Fahrdynamik auswirken dürfte. Und die steht bei den Stuttgarter Sportwagenbauern bekanntlich stets im Mittelpunkt allen Schaffens. Dass die Fahrer auf die von vielen SUV-Besitzern so sehr geschätzte erhöhte Sitzposition im Macan verzichten müssen, dürfte wohl kaum einen schmerzen. Wie sehr sich der jüngste Spross aus der Porsche-Modellpalette vom Audi Q5 unterscheidet, machte Entwicklungschef Wolfgang Hatz klar: „Zwei Drittel aller Bauteile sind neu.“

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Damit erst gar nicht der Verdacht aufkommt, mit dem Macan (indonesisch für „Tiger“) könnte ein etwas weichgespülter Porsche an den Start rollen, stellt man dem Wagen zum Marktstart gleich zwei potente Sechszylinder-Benziner mit 3,0 Litern bzw. 3,6 Litern Hubraum zur Verfügung, die im Macan S 250 kW/ 340 PS bzw. im Macan Turbo 294 kW/ 400 PS leisten. Nach unten abgerundet wird das Angebot an Triebwerken von einem Sechszylinder-Diesel, der mit 190 kW/258 PS und einem Drehmoment von 580 Newtonmetern auch alles andere als schlapp ist. Diese Maschinen wuchten das immerhin rund 1,9 Tonnen schwere Auto zwischen 4,8 und 6,2 Sekunden auf Tempo 100 und machen es laut Datenblatt von 226 bis 269 km/h schnell. Das reicht allemal, um im Alltag den anderen Verkehrsteilnehmern zu zeigen, wer hier Herr im Ring ist. Der permanente Allradantrieb ist bewusst heckbetont ausgelegt, ein weiteres Indiz, dass es sich hier mehr um einen Sportwagen als um eine automobile Gämse fürs Gelände handelt. Und die Tatsache, dass man sich für eine Mischbereifung mit breiteren Reifen am Heck entschieden hat, soll den letzten Zweifler überzeugen.

Porsche betritt das Segment der Kompaktwagen

Im Innenraum ist der Macan Porsche typisch edel ausgestattet, nur die mit zahlreichen Knöpfen versehene Mittelkonsole, die man so ähnlich aus dem Cayenne kennt, nervt etwas. Der Fußraum ist nicht besonders üppig bemessen, große Menschen müssen den Sitz schon ganz zurückfahren, um hier bequem Platz zu finden. Für Porsche ist die jetzt fünfte Baureihe eminent wichtig. Denn zum ersten Mal spielen die Stuttgarter im Segment der Kompaktwagen mit. Müller: „Für uns ist das ein ganz neuer Marktsektor.“ Dafür hat man in Leipzig ein eigenes Werk gebaut, das 500 Millionen Euro gekostet hat und pro Jahr 50.000 Macan produzieren kann. Werden diese Fahrzeuge auch verkauft, dürfte sich der Macan ganz schnell zum neuen Shootingstar der Stuttgarter mausern.

Traditionell selbstbewusste Preisgestaltung

Die Vorzeichen stehen gut, das Segment der kompakten SUVs boomt. Und auch die Preisgestaltung, die traditionell sehr selbstbewusst ist, wird kein Hinderungsgrund sein: Sie beginnt beim Macan S und der Dieselversion bei 57.930 Euro, den Turbo gibt es ab 79.826 Euro. Wie sehr Porsche den Wagen mit den firmeneigenen Genen ausgestattet hat, zeigt ein kleines Detail, das inzwischen schon so etwas wie Kultstatus erlangt hat: Wie immer sitzt das Zündschloss links vom Lenkrad. Das hat praktisch zwar keinen Sinn, wird aber als Reminiszenz an den guten alten Le-Mans-Start von vielen als Beweis ausgeprägter Sportlichkeit hoch geschätzt.

SUV Macan

  • Motoren: 1 Diesel, 2 Benziner
  • Leistung Benziner: 250-294 kW/340-400 PS
  • Leistung Diesel: 190 kW/258 PS
  • Max. Drehmoment: 460-580 Nm
  • CO2-Emission: 159-216 g/km
  • Beschleunigung (0-100km/h): 4,8-6,2 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 226-269 km/h
  • Länge/Breite/Höhe: 4,68/1,92/1,62 m
  • Verbrauch: 8,7-9,2 l Super/6,1 l Diesel
  • Leergewicht: 1.865-1-925 kg
  • Preis: ab 57.930 Euro

Fazit:

+ ambitionierte Fahrdynamik, hoher Wiederverkaufswert

– Einstiegspreis recht üppig, Fußraum für große Fahrer zu klein

Gerd Piper