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Auto & Verkehr Allrad für Japaner
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16:32 11.02.2011
Suzuki Kizashi: Der neue Mittelklässler soll mit Allradantrieb auch im Winter überzeugen: Trotzdem sollte diese Anschaffung überlegt sein.
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Kizashi heißt Suzukis Versuch, in der automobilen Mittelklasse Fuß zu fassen. Bislang mit noch überschaubarem Erfolg: Weniger als ein Prozent der 2010er Deutschlandzulassungen der japanischen Marke entfallen auf den 4,65-Meter-Viertürer. Bei genauerem Hinsehen allerdings relativiert sich die Quote, denn schließlich gibt es die Stufenhecklimousine bei uns erst seit dem Herbst. Im ersten vollen Verkaufsjahr 2011 sollen es mindestens 700 Exemplare werden. Bezogen auf den vom Importeur angepeilten Absatz von 34 000 Suzuki-Neuwagen insgesamt wären das schon mal zwei von hundert.

Die zukünftigen Suzuki-Limousinenlenker können sich dabei ab sofort neben der bisher ausschließlich lieferbaren Frontantriebsversion alternativ für eine Allradversion entscheiden. Die heißt ganz schlicht Kizashi 4×4 und verzichtet damit in sympathischer Weise auf Marketinggesäusel à la Quattro und Co. bei der Allradnamensfindung. Klar und einfach fällt auch die Modellbeschreibung des Neulings aus: Vollausstattung wie beim Fronttriebler ohne Wenn und Aber, dazu nicht minder obligatorisch ein Automatikgetriebe inklusive einer sogenannten Berganfahrhilfe. Das Ganze für 3000 Euro Aufpreis (29 900 anstelle 26 900) – da heißt es überlegen.

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Teil eins des längst noch nicht bewältigten Winters 2010/2011 lässt so manchen Neuwageninteressenten gewiss mit dem Gedanken spielen, den Nächsten vielleicht doch mit Maximaltraktion auf alle vier Räder zu ordern. Ob’s wirklich nötig ist, sei dahingestellt. Ganz sicher ist die Entscheidung pro 4×4 immer von der Höhenlage der heimatlichen Behausung abhängig. Zudem fährt es sich auch für den einfachen Flachländler vielfach entspannter, wenn die Vortriebskraft nicht ausschließlich vorn oder hinten wirkt.

Allerdings verderben die 4×4-Schattenseiten – Mehrpreis, Mehrgewicht und Mehrverbrauch – ganzjährig die Bilanz. Im Falle des Allrad-Kizashi kommen zu dem – wenn auch hauptsächlich vom Automatikgetriebe bestimmten – Mehrpreis in der Anschaffung das Mehrgewicht (gleich Nutzlastverlust) von rund 100 Kilogramm plus mindestens 0,4 Liter Mehrverbrauch alle 100 Kilometer auf den ohnehin schon nicht eben vorbildlichen Basisverbrauch des Fronttrieblers von 7,9 l/100 km.

Wer sich das japanische Mittelklasseautomobil ohnehin lieber mit einem Automatikgetriebe als mit der beim Fronttriebler obligatorischen Handschaltung zulegen möchte, der muss sich ob des zwangsweise mitgelieferten 4×4-Antriebs nicht grämen. Suzukis Allradsystem „i-AWD“ arbeitet auf Basis des ganz normalen Frontantriebs, dem bei auftretendem oder von der elektronischen Sensorik absehbarem Schlupf die Hinterachse stufenlos zur Seite gestellt wird.

Im Grenzfall wird die Motorkraft dann starr je zur Hälfte nach vorn und hinten geschickt. Dass es beim Kizashi mit 4×4-Antrieb auch noch die sogenannte Berganfahrhilfe gibt, können wir gerade bei einem Automatikauto und dessen Zwei-Pedal-Technik – Stichwort: Linksbremsen – nicht als geldwerten Vorteil werten. Den Nutzen der Rückrollsperre könnte der Fahrer eines Handschalters viel besser gebrauchen.

Ob man sich generell mit dem Suzuki Kizashi und dessen 178 PS starkem, aber subjektiv als etwas durchzugsschwach empfundenen Otto-Vierzylinder anfreunden möchte, steht auf einem ganz anderen Blatt. Und ob einem die Automatik gefällt, ist dann noch einmal ein ganz anderes Thema. Die ist nämlich stufenlos ausgeführt. Wie wir finden, in einer für diese Getriebegattung sehr fein gemachten Art zwar, aber für den weit überwiegend auf das Selberschalten programmierten deutschen Automobillenker doch zumindest der Gewöhnung bedürftig. Ohne eine sehr ausgiebige Probefahrt sollte man sich niemals für ein Auto mit Stufenlosautomatik entscheiden – Allrad hin oder her.

Ganz anders ist die Lage bei Suzukis zweiter Allrad-Neuofferte. Im Kleinwagenlager, der traditionellen Suzuki-Hochburg sozusagen, rüsten die Japaner ihren Erfolgswagen Swift jetzt auf Wunsch mit einem permanenten Allradantrieb aus. Der kleine 94-PS-Handschalter kostet vergleichsweise günstige 900 Euro mehr als der Fronttriebler und bringt zum 4×4-Antrieb auch noch die Sitzheizung vorn und Scheibenbremsen hinten mit. Das klingt finanziell fair.

Zum absolut gutmütig und klar berechenbaren Fahrverhalten des visko-gekuppelten Exfronttrieblers kommt allerdings der unvermeidliche Allradzuschlag an der Tankstelle. Auf dem Prüfstand sind es 5,5 anstelle 5,0 l/100 km – beides noch gute Werte mit Blick auf die kommenden CO2-Grenzwerte der EU. Denn da steht der Swift 4×4 mit 128 Gramm je Kilometer gelistet, während die Standardversion sogar 116 g/km schafft. Auch beim Thema Nutzlastverlust durch Allradantrieb steht der Swift 4×4 sehr gut da: Ganze zehn Kilogramm verliert er auf seinen frontangetriebenen Bruder – Gesamtgewichtserhöhung sei Dank.

Hans-Jürgen Wildhage

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