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Auto & Verkehr Astra-Fahrer können künftig einpacken
Mehr Auto & Verkehr Astra-Fahrer können künftig einpacken
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15:53 23.11.2010
Da passt was rein: Der Astra Sports Tourer schluckt das Gepäck für die große Reise – bei umgelegter Rückbank. Quelle: Handout
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Es ist einfach ein Kreuz: Obwohl der Opel Astra prestigeträchtige Preise wie den renommierten red dot design award oder das Goldene Lenkrad gewonnen hat, bleibt der Kompaktwagen aus Rüsselsheim in Deutschland der ewige Zweite – nach dem VW Golf. Aber die krisenerfahrenen Opel-Leute geben nicht auf. Jetzt soll der Astra Sports Tourer verlorenes Terrain zurückgewinnen. Der flotte Kombi will mit Fahrdynamik und Fahrkultur punkten und vor allem durch viel Platz und ein durchdachtes Raumkonzept überzeugen. Immerhin, so die Rüsselsheimer, sei man als Pionier in diesem Segment besonders erfahren. Opel reklamiert für sich, Mitte des vergangenen Jahrhunderts den ersten Lieferwagen zu einem Kombinationskraftwagen umgebaut und damit den Kombi zumindest hierzulande miterfunden zu haben. Der neue Sports Tourer, der von diesem Wochenende an in den Showrooms der Händler steht, soll diesen Grundgedanken möglichst perfekt umsetzen – ein Fahrzeug, das sowohl für den beruflichen Einsatz als auch als Familien- und Freizeitmobil funktioniert.

Zuerst einmal ist der Wagen, der Radstand und Spurbreite vom Fünftürer übernommen hat, ein erfreulicher Anblick: Mit der Knickkante in der Mitte der Motorhaube zeigt das Fahrzeug von vorne das typische Astra-Gesicht. Zum Heck hin entwickelt das Zusammenspiel von Dachlinie und Fensterbogen eine ungeahnte Dynamik, die in einem für einen Kombi dieser Größenordnung auffallend sportlichen Heck endet. Vielleicht ist der von einem Opel-Kommunikationsprofi entworfene Begriff vom „Champagner“-Transporter etwas zu euphorisch, doch ein Blick in den Innenraum lohnt. Der Kofferraum mit einem Volumen von 500 bis 1550 Liter ist groß, aber nicht unbedingt spektakulär, doch die Tatsache, dass es hier weder Winkel noch Ecken und auch keine Radhäuser gibt, die stören, hebt den Wagen deutlich hervor. Gerade Flächen, eine Rückbank die im Verhältnis 40:60 per Knopfdruck kinderleicht umgelegt werden kann, ein Laderaumrollo, das per Ellbogen ausgelöst wird und zurückschwingt, sowie der Kratzschutz im Bodenbereich sind Details, die zeigen, dass sich hier jemand Gedanken gemacht hat – was diesen Teil des Fahrzeugs glatt um eine Fahrzeugklasse aufwertet. In diesen Kofferraum passt nicht nur was rein, nein, das Ladegut lässt sich auch einfach, praktisch, gut verstauen.

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Der Astrafahrer hat zudem die Möglichkeit, sich sein Fahrzeug aus vier Ausstattungslinien und zehn Motorisierungen – fünf Benziner, vier Diesel und ein Flüssiggasantrieb – zusammenzustellen. Wobei die Einstiegsvariante „Selection“ für 18 000 Euro ziemlich nackt daherkommt. Doch die meisten Astra-Kunden entscheiden sich ohnehin für die „Edition“- oder die hochklassige „Innovation“-Linie. Innovative Technik wie ein dreistufiges adaptives Fahrwerk mit flexiblem Dämpfersystem, das von sportlich bis komfortabel die meisten Situationen gut meistert, gibt es allerdings nur gegen Aufpreis. Und eine Start-Stopp-Automatik, als ein wesentlicher Baustein zur Verbrauchs- und Schadstoffreduzierung überall auf dem Vormarsch, steht erst vom kommenden Jahr an und dann auch nur im kleinsten Diesel zur Verfügung.

Auch am Interieur hat sich nicht viel geändert: Noch immer ist das Armaturenbrett zerklüftet und überzeichnet, noch immer erwarten den Fahrer in der Mittelkonsole eine Vielzahl von Tasten und Schaltern, deren Bedienung im Einzelfall gewöhnungsbedürftig ist. Ist ja auch klar, schließlich handelt es sich beim Sports Tourer lediglich um eine neue, in diesem Fall aber durchaus bemerkenswerte Karosserievariante. Positiv bleiben dagegen die 25 Liter Stauraum und Ablageflächen, in die eine Menge Krimskrams rein passt – bis zur Größe einer 1,5-LiterFlasche.

Dafür gefällt das Fahrzeug auf der Straße. Sowohl der große 2,0-Liter-Diesel (118 kW/160 PS) als auch der 1,4-Liter-Turbo-Benziner (103 kW/140 PS), die für erste Testfahrten zur Verfügung standen, machen Spaß. Im Zusammenspiel mit der präzisen und sauberen Sechsgang-Handschaltung lässt sich das Fahrzeug problemlos über Straßen jeden Zuschnitts bewegen. Durchaus sportlich auf ebenem Asphalt, aber auch komfortabel, wenn der Untergrund schwierig wird. Bodenwellen, Risse oder auch moderate Schlaglöcher im Asphalt – das adaptive Fahrwerk bügelt es weg. Der Wagen „fasst“ sich einfach gut an.

Ob sich Opel mit dem Astra an die Spitze der kompakten Kombis setzen kann, müssen die Verkaufszahlen zeigen. In jedem Fall aber fährt hier ein sportlicher Lifestyle-Kombi vor, der Design und Funktionalität erfreulich miteinander verbindet und das Zeug dazu hat, mitten in die Herzen seiner Besitzer zu fahren.

Von Gerd Piper