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Auto & Verkehr Audi bringt Spitzenversion des Q5
Mehr Auto & Verkehr Audi bringt Spitzenversion des Q5
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00:35 04.08.2012
Der SQ5 TDI wird auf dem Asphalt für Aufmerksamkeit sorgen. Quelle: Hersteller
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Hannover

Manchmal kommt der Eindruck auf, als würde es die Probleme um knapper werdende Ölreserven und alternative Antriebe nicht geben. Die Automobilindustrie scheint sich zurzeit geradezu an ihren PS-starken Spitzenmodellen zu berauschen. Darauf angesprochen, erntet man meistens ein verhaltenes Lächeln und den dezenten Hinweis, dass ein Markt für diese Autos vorhanden sei. Außerdem habe man ja die Verbräuche inzwischen so weit runtergedrückt, dass sich niemand mehr schämen müsse. Jüngstes Beispiel ist der gerade überarbeitete Audi Q5.

Dem knapp zwei Tonnen schweren Sport Utility Vehicle (SUV) stellen die Ingolstädter jetzt eine SQ5-TDI-Spitzenversion zur Seite, die es auf satte 230 kW/313 PS bringt. Der zweifach aufgeladene 3,0-Liter-Sechszylinder-Diesel wuchtet den dicken Brocken in 5,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 -­ das sind die Leistungsdaten eines Sportwagens. Der Normverbrauch beträgt dabei gerade einmal 7,2 Liter. Und selbst wer dem Wagen richtig Feuer macht, kommt selten auf mehr als 10,5 Liter. Da kann man nur noch staunen.

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Der Q5 ist ein Erfolgsmodell. Seit seinem Erscheinen im Jahr 2008 konnte Audi mehr als 130000 Fahrzeuge des Mittelklasse-SUV verkaufen. Ein breites Leistungsspektrum und viele Ausstattungsmöglichkeiten machten den Quasigeländegänger zum Allroundtalent im Modellprogramm der Bayern. Die Zeit war jetzt reif für ein Update, ­denn in den vergangenen vier Jahren hat sich technisch allerhand getan.

Weil man nicht einfach auf modernere Maschinen umrüsten wollte, wurde der Wagen gleich mit runderneuert. Neue Heckleuchten, ein paar Retuschen am stilbildenden Single-Frame-Kühlergrill, vor allem aber viel Chromzierrat im Innenraum - das Ergebnis ist sowohl von außen als auch von innen hübsch anzusehen, obwohl sich die Grundstruktur des Fahrzeugs nicht verändert hat. Die Antriebe sind jetzt - wie inzwischen branchenüblich - stärker, aber bis zu 15 Prozent effizienter. Die zwei Benziner und drei Diesel umfassen ein Leistungsspektrum von 105 kW/143 PS (2.0 TDI) bis 200kW/272 PS (3.0 TFSI quattro). Alles gut, aber auch nicht besonders spektakulär. Nichts, was der Konkurrenz den Schlaf rauben müsste.

Wenn da nicht dieser SQ5 TDI wäre. Er ist nicht nur der erste Diesel im Sportprogramm von Audi, er ist mit seinem Normverbrauch auch das sparsamste Modell in der S-Reihe. Die Karosserie wurde 30Millimeter tiefergelegt, was seinen ohnehin beschränkten Offroad-Eigenschaften trotz permanenten Allradantriebs nicht sonderlich förderlich sein dürfte. Aber dieses Auto wurde auch nicht für Sand, Matsch oder Geröll konzipiert, sondern für Asphalt. Und was der Wagen dort bietet, verschlägt einem in manchen Situationen glatt die Sprache.

Optisch ist der SQ5 TDI leicht zu erkennen: Die Streben im Kühlergrill sind bei ihm horizontal und nicht vertikal angeordnet, am Heck zeigen die vier elliptischen Endrohre der Abgasanlage und der Diffusor, dass an dem Auto etwas anders ist. Die Bereifung im 20-Zoll-Format kann auf Wunsch auch in 21-Zoll geliefert werden (die normalen Q5 starten mit 17-Zöllern). Im Innenraum signalisieren Aluminiumpedale und das Lederlenkrad mit dem abgeflachten Lenkradkranz erhöhten Sportgeist. Die schnelle Achtstufenautomatik vom Getriebespezialisten ZF und das Fahrdynamiksystem Audi drive select, über das sich Gasannahme und das Sportfahrwerk verstellen lassen, sind Serie. Selbstverständlich lässt sich der SQ5 TDI wie alle Q5-Modelle -­ die entsprechende Hardware vorausgesetzt - über einen eigenen WLAN-Hotspot mit dem Rest der Welt vernetzen.

Das ist alles schön und gut und schnell vergessen, wenn man die Pferde von der Leine lässt. Dann verschwinden Google & Co. in null Komma nichts hinterm Horizont, und man kann es einfach nicht fassen, dass der Zweitonner wie ein Sportwagen über die Straßen donnert. Erst recht, wenn der Fahrdynamikschalter auf dynamisch steht und der sogenannte Soundaktuator die Begleitmusik dazu liefert. Ein böses Grummeln dringt dann in den Innenraum, das umso mehr anschwillt, je weiter der Fahrer das Gaspedal durchdrückt.

Die elektromechanische Lenkung arbeitet präzise, das Gas setzt blitzschnell Befehle in vehementen Vortrieb um, und der Wagen liegt in jeder Kurve wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße - kein Wanken, kein Neigen, kein gar nichts. Wenn dieser Q5 im Rückspiegel auftaucht und mit Vollgas heranprescht, dürfte manchem Autofahrer angst und bange werden. Er dürfte sich erst dann wieder entspannen, wenn die Furie an ihm vorbeigerauscht und hinter der nächsten Kurve verschwunden ist.

Und wie kommentiert Audi dieses Auto? Na, es gibt eben das verhaltene Lächeln und den Hinweis, dass ein Markt für solche Autos vorhanden sei. Der öffnet im Spätsommer und beginnt bei 58500 Euro. Nach oben ist wie immer alles offen.

Gerd Piper