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Auto & Verkehr Aus Freude am Sparen
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13:50 18.04.2011
Weniger Leistung, mehr Power: Der neue BMW X1 xDrive28i steht für eine neue Motorengeneration. Foto: Werk
Weniger Leistung, mehr Power: Der neue BMW X1 xDrive28i steht für eine neue Motorengeneration. Foto: Werk Quelle: Tom Kirkpatrick
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Das Projekthaus des Forschungs- und Entwicklungszentrums von BMW ist ein imposanter und lichtdurchfluteter Bau. Hier werden die Ideen für die Automobile der Zukunft entwickelt und auch einige präsentiert. Die aktuellen Planungen lassen sich vielleicht am besten dadurch charakterisieren: Freude am Fahren und Freude am Sparen sollen miteinander verschmelzen. Sparen wird dabei umfassend definiert, wie zum Beispiel geringeres Gewicht, weniger Zylinder, Reduktion des Verbrauchs und der Emissionen sowie Senkung der Kosten. Zugleich soll die Freude am Fahren erhalten bleiben oder sogar noch gesteigert werden. Keine einfache Aufgabe, Zielkonflikte sind hier programmiert. Dabei hat die BMW Group (BMW, Mini und Rolls-Royce) innerhalb der vergangenen 15 Jahre die CO2-Emissionen ihrer europäischen Neuwagenflotte um rund 30 Prozent auf aktuell 148 g/km CO2 reduziert. Ein guter Wert für einen Premiumhersteller, für die Umwelt aber viel zu hoch. Was tun?

Eine Strategie von BMW besteht darin, die im oberen Leistungssegment entwickelten effizienten Motorentechnologien nun auf möglichst alle Motorengrößen zu übertragen. Damit dieses Projekt nicht an den hohen Kosten scheitert, hat BMW einen Motorenbaukasten entwickelt. Kleinste Einheit der Bastelkiste ist dabei ein Kolben mit einer für Münchener Verhältnisse kleinen Hubraumgröße von einem halben Liter. Dieser Normzylinder dient dann als Backform für alle Drei-, Vier- und Sechszylinder, egal ob Benziner oder Diesel. Harald Unger, Leiter der Motorenentwicklung bei BMW, nennt dies „Upgrading“. Die Ingenieure haben noch weitere Motorenbestandteile identifiziert, die für alle Motoren verwendet werden können: Kurbelgehäuse, Zylinderkopf, Kettentrieb und Ausgleichswellenkonzept. Im Endeffekt können bei den Benzinern unabhängig von der Zylinderzahl etwa 60 Prozent der Motorenelemente vereinheitlicht werden, bei den Dieselmotoren ergibt sich ein ähnlicher Wert. Zwischen Diesel- und Benzinmotoren konnten immerhin noch 40 Prozent der Elemente gleich gestaltet werden. Unger: „Damit stoßen wir bei der Motorenfertigung in Bereiche vor, die bisher nur Massenherstellern vorbehalten waren. Dadurch können nicht nur die Kosten gesenkt und aufwendige Technologien günstiger angeboten, sondern auch Robustheit und Qualität der Fertigung gesteigert werden, da nun weniger Teile produziert und kontrolliert werden müssen.“ In drei bis vier Jahren sollen die ersten Fahrzeuge mit Baukastenmotoren vom Band rollen.

Alle Motoren sollen dann mit der BMW TwinPower-Turbo-Technologie ausgestattet werden, das heißt mit einer optimierten Luftzuführung inklusive Turbolader, einer im Zylinderkopf integrierten variablen Ventilsteuerung und Nockenwellenverstellung sowie einer Kraftstoff-Direkteinspritzung. Welche Einsparpotenziale die TwinPower-TurboTechnologie eröffnet, zeigt sich am aktuellen Modell des BMW-X1-xDrive28i-Vierzylinder-Benziner. Im Vergleich zu seinem Vorläufer, einem Sechszylinder mit 190 kW/258 PS, konnten beim neuen Vierzylinder trotz einer Leistungsreduktion auf 180 kW (245 PS) das Drehmoment und die Beschleunigung um etwa 13 Prozent gesteigert werden. Das Drehmoment von 350 Newtonmeter steht dabei bereits ab einer Motordrehzahl 1250 U/min zur Verfügung – und dies weitgehend konstant bis zu einer Drehzahl von etwa 5000 U/min. Zugleich reduzierte sich der durchschnittliche Treibstoffverbrauch von 9,4 auf 7,9 Liter.

Weitere Verbrauchsminderungen sollen durch eine Palette von Leichtbaumaßnahmen erschlossen werden. Präsentiert wurden Motorhauben mit Kunststoffwaben im Innern, die nur die Hälfte der Stahlblechhauben wiegen, Dächer und Türen aus Aluminium sowie Schalensitze aus kohlefaserverstärkten Materialien. Des Weiteren wurde eine „vorausschauende“ Getriebesteuerung vorgestellt. Das neue Achtgang-Automatikgetriebe greift dabei auf die Daten des Navigationsgerätes zurück, um schon vor einer Kurve den idealen Gang einzulegen. All diese Maßnahmen werden die Freude am Fahren kaum schmälern. Ob sie jedoch ausreichend sind, um die von der EU geplanten CO2-Grenzwerte einzuhalten, bleibt zweifelhaft.

Von Hans-Jürgen Leist

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