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10:24 13.01.2014
Neue Farben für die Autos sollen den Klassikern Konkurrenz machen. Quelle: Hersteller
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Hannover

Das Leben ist bisweilen bunt. Geht es nach den Vorstellungen der Automobilhersteller, wird es 2014 noch bunter: Nach Angaben des internationalen Designteams von BASF werden mehr als 60 neue Farben für die unterschiedlichen Marken auf den Markt kommen. Klassiker wie Ferrari-Rot, Silber oder Weiß wird es natürlich auch weiterhin geben. Ebenso wie das unverwüstliche Schwarz, mit dem früher gerne französische und amerikanische Gangster herumgefahren sind und das heute von vielen Politikern bevorzugt wird. Doch daneben wird es farbenfroh.

Der Trend geht vor allem bei den kleinen Lifestyleautos wie Mini, Citroën DS3 oder dem Opel Adam zur Zweifarbigkeit. Wobei neue Farben nicht ganz unproblematisch sind. Denn steht der Wiederverkauf des einstmals geliebten Fahrzeugs an, können sich Modetrends ganz schnell zum Bumerang entwickeln. Da agiert der Markt konservativ.

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Unklare Farbentwicklung

Eine Prognose, welche Farbe sich in den kommenden Jahren neben den klassischen Lackierungen durchsetzen wird, gleicht einem Blick in die Glaskugel. Noch vor rund 15 Jahren galten weiße Autos als nahezu unverkäuflich, und häufig war Weiß die einzige Farbe, die es ohne Aufpreis gab. 2012 haben dann Weißtöne alle anderen Farben abgehängt. Es sei sehr spannend, diesen Trend in den nächsten Jahren weiter zu verfolgen, sagt Meinungsforscher Korbinian Schalch von TNS Infratest, der Autofahrer zu ihren Lieblingsfarben befragt hat. Zumal sich bei vielen Autofahrern inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt haben dürfte, dass Weiß im Showroom ganz toll aussieht, auf der Straße aber schon nach den ersten gefahrenen Kilometern viel von seinem Glanz verliert – vor allem bei dem derzeit vorherrschenden Schmuddelwetter.

Vorherrschaft der Farben Weiß und Schwarz endet

Eines scheint jedoch sicher: Die jahrelange Vorherrschaft der Farben Weiß und Schwarz scheint sich – bei einem Blick auf die farbliche Vielfalt, die die Hersteller mittlerweile offerieren – langsam dem Ende entgegen zu neigen. Zwar werden sich auch weiterhin etliche Käufer von Neuwagen für die Klassiker entscheiden, einfach deshalb, weil damit auch künftig hohe Wiederverkaufswerte zu erzielen sind. Doch neue Töne werden nach und nach die Märkte erobern. Wobei die Tendenz zu „unbunten“ Farben, den sogenannten Neutrals, geht. Darunter versteht man die eher gedeckten Töne, die laut Farbforschern für Fortschritt und zeitlose Eleganz stehen.

Allerdings kann man auch hier nicht den gesamten Automarkt über einen Kamm scheren. Denn die Fahrer einer Oberklasselimousine bevorzugen bei der Farbwahl andere Lackierungen als Käufer von Kleinwagen – ganz abgesehen davon, dass Frauen anders entscheiden als Männer. Allgemein gilt zumindest: Während in der Oberklasse weiterhin dunkle Töne wie Schwarz, Blau oder Braun gewählt werden, die Seriosität und Wertigkeit signalisieren, geht es in den unteren Klassen frecher zu. Die Lackhersteller experimentieren mit neuen Technologien und Pigmenten, die Lackierungen möglich machen, an die man vor wenigen Jahren noch nicht denken konnte. Changierende Farbnuancen und optische Effekte machen sogar Neutrals zu Hinguckern.

Trend zur Zweifarbigkeit

Dazu kommt der relativ neue Trend zur Zweifarbigkeit, der besonders bei den Lifestyleautos in den unteren Klassen immer mehr Freunde gewinnt. Ein Mini oder ein DS3 stehen für das Lebensgefühl der Großstadtmenschen, und weil auch hier ein von der Werbung intensiv geförderter Hang zur Individualisierung besteht, ist der Gedanke für viele Käufer reizvoll, ein Auto zu besitzen, das es nur ein einziges Mal gibt.

Beim Opel Adam beispielsweise lassen sich zwölf Karosseriefarben mit 15 Farben für das Dach kombinieren. Dazu kommen Felgendesign, Zierclips, und, und, und – und wer sich etwas Zeit nimmt, um sein Fahrzeug schon mal vorab am Computer zu konfigurieren, fährt am Ende mit einem Auto vom Hof des Händlers, das tatsächlich einmalig ist. Interessant ist übrigens auch, dass Signalfarben beim Autokauf nur noch eine untergeordnete Rolle spielen – ganz offensichtlich sind hier emotionale Aspekte wichtiger als der Sicherheitsgedanke.

Farben stehen für Charaktereigenschaften

Farbpsychologen ordnen bestimmten Farben inzwischen grundsätzliche Charaktereigenschaften zu, so steht Schwarz beispielsweise für autoritär, selbstbewusst und ehrgeizig, während Silber für Menschen steht, die Sinn für Stil haben und sich auch schon mal für etwas Besseres halten. Autos in einem pastelligen Gelbbeige werden demnach von Menschen bewegt, die eher introvertiert sind, mit einem Hang zu Depressionen.

Wie dem auch sei, es gibt Trends, die sich nicht durchsetzen konnten. So haben die Mattlacke die hohen Erwartungen der Industrie nicht annähernd erfüllen können. Sie gelten als empfindlich und werden von vielen Autofahrern als protzig empfunden. Das mag wiederum niemand.

Die Lieblingsfarben der Deutschen

  • Blau (29 Prozent)
  • Rot (24 Prozent) 
  • Grün (16 Prozent
  • Schwarz/Gelb (11 Prozent)

(Quelle: Allensbach-Institut)

Gerd Piper

Hanne Lübbehüsen 16.12.2013