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Auto & Verkehr Ich bin der König der Großstadt
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10:57 28.10.2013
Der i3 definiert die Standards bei den Elektroautos neu. Quelle: Uwe Fischer
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Hannover

Das grüne Gewissen kann manchmal ganz schön garstig sein: Damit das neue Elektroauto i3 eine möglichst saubere Geburt erlebt, hat BMW sämtliche Zulieferer im Vorfeld abgeklopft, wie es bei ihnen um die Nachhaltigkeit in der Produktion bestellt ist. Nicht jeder konnte die strengen Maßstäbe erfüllen. „Wir haben da sehr genau hingeschaut und auch gesiebt“, sagt Projektleiter Andreas Feist. Wobei er einräumt, dass es hier und da noch Verbesserungsbedarf gibt. „Aber der Weg, den wir gehen, ist vorgezeichnet.Und das gilt auch zunehmend für die normale Autoproduktion.“

Ganz offensichtlich wollen sich die Bayern nicht vorwerfen lassen, mit zweierlei Maß zu messen: Denn von der ersten Kohlefaser, die im amerikanischen Moses Lake entsteht, bis zur Endmontage in Leipzig wird die gesamte Produktion des i3 aus regenerativen Energien gespeist. Wasser- und Windkraft seien hier nur als Beispiel genannt. Was dann auf dem Weg über die USA nach Deutschland entsteht, ist ein Auto, das anders ist. Ganz anders.

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Ein neues Zeitalter

Der i3 markiert für BMW den Eintritt in ein neues Zeitalter: Nicht nur, dass die Bayern mit dem Fahrzeug ein Auto konzipiert haben, das ausschließlich für die Elektromobilität entwickelt wurde, sie haben auch die Fertigung kohlefaserverstärkter Kunststoffe (CFK) industrialisiert und sich damit einen Technologievorsprung vor der Konkurrenz erarbeitet, der einige Jahre anhalten dürfte. Und sie haben den Wagen konsequenterweise nach rein ökologischen Gesichtspunkten gebaut.

BMWs Chefdesigner Adrian van Hooydonk schüttelte offensichtlich alle Zwänge des konventionellen Automobilbaus ab und begab sich auf formale Wege, die manchmal nur schwer nachzuvollziehen sind: Dieser hochbeinige Knubbel soll die Zukunft des Automobilbaus definieren? Warum müssen sich die Türen gegenläufig öffnen lassen? Und wo ist die sportliche Linienführung geblieben, immerhin einer der Kernwerte der Bayerischen Motoren Werke?

Sportlichkeit wird durch Dynamik ersetzt

Wer diese Fragen stellt, bekommt Antworten: „Wir haben ein Auto für den urbanen Lebensraum gebaut, Sportlichkeit wird da durch Dynamik ersetzt“, heißt es beispielsweise. Oder: „Der E-Antrieb eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten in der Innenraumgestaltung.“ Tatsache ist: BMW hat beim i3 eine Menge Dinge umgesetzt, die es vorher so noch nicht gegeben hat: Die stets zweifarbige Außenhaut ist mit thermoplastischen Kunststoffen beplankt. Sie wird niemals rosten. Die CFK-Karosserie ist so steif, dass sich hier nichts verwindet. Und die Heckleuchten scheinen äußerst elegant durch die verglaste Heckklappe.

Im Innenraum wird es noch bunter: Die Kunststoffe bestehen aus recycelten Plastikflaschen, das Holz wurde in europäischen Eukalyptusplantagen gehauen, die Filzmatten für die Türverkleidung und den Instrumententräger sind gar nicht aus Filz, sondern aus Kenaf, einem tropischen Malvengewächs. Und das Leder der Sitze wurde ohne jede Chemie mit einem Extrakt aus den Blättern des Olivenbaums gegerbt. Selbstredend fühlt sich das alles hochwertig an.

Das leichte Gefühl des Fremdelns, das einen bis hierhin beschlichen hat, setzt sich fort, sobald man im i3 Platz nimmt: Mehr kleiner Van als Sportwagen, eine ungewohnt hohe Sitzposition, kein Mitteltunnel, weil der Elektromotor direkt an der angetriebenen Hinterachse sitzt, und nur digitale Informationen über zwei Bildschirme.

In 7,2 Sekunden auf 100km/h

Wenn sich der i3 aber in Bewegung setzt, treten alle bisherigen Gedanken schlagartig in den Hintergrund, und das Auto wird zum echten BMW: Der Wagen schießt nach vorne, beschleunigt in den ersten zwei Sekunden schneller als ein M3, ist nach 3,7 Sekunden 60 km/h schnell und knackt in 7,2 Sekunden die 100-km/h-Grenze. Geht der Fahrer vom Pedal, rekuperiert der i3 so kräftig, dass man in den meisten Situationen rechtzeitig zum Stehen kommt, ohne das Bremspedal auch nur berührt zu haben.

Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 150 km/h, mit einer Batterieladung kommt der Fahrer etwa 130 bis 160 Kilometer weit, die auch im Winter gehalten werden sollen, weil der Fahrer via Smartphone-App die Batterie vom heimischen Herd aus vorheizen lassen kann.

Drei verschiedene Fahrmodi bestimmen die Reichweite

Man kann zwischen drei verschiedenen Fahrmodi wechseln und so die Reichweite bei geübter Fahrweise auf bis zu 200 Kilometer erhöhen – dann fährt der i3 bestimmte Funktionen herunter oder schaltet sie ganz ab. Wem das allerdings nicht reicht, der kann für 4.500 Euro einen kleinen Benzinmotor als Reichweitenverlängerer bestellen. Damit kommt er bis zu 300 Kilometer weit.

Fazit: Ich bin den i3 zwei Tage lang im Raum Amsterdam gefahren, habe mich durch den dichtesten Stadtverkehr gequetscht und konnte am Ende gar nicht genug bekommen. Es macht ungeheuren Spaß, mit ihm durch die Großstadt zu wieseln. Der i3 definiert die Standards bei den Elektroautos neu; mit einem Preis ab 34.950 Euro ist es das erste Fahrzeug seiner Art, das jeden Cent wert ist. Die Besitzer werden dieses Auto lieben.

BMW i3

  • Motor: Elektromotor
  • Leistung: 125 kW/170 PS
  • Max. Drehmoment: 250 Nm
  • CO2-Emission: 0 g/km
  • Beschleunigung (0-100 km/h): 7,2 s
  • Garantie Batterie: 8 Jahre oder 100.000 km
  • Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h
  • Reichweite: 130-200 km
  • Länge/Breite/Höhe: 3,99/1,76/1,60 m
  • Wendekreis: 9,86 m
  • Kosten: 3,5-4,0 Euro auf 100 km
  • Preis: ab 34.950 Euro

Fazit:

+ Der i3 ist das erste Elektroauto, das seinen Preis wert ist.

– Das Design ist und bleibt gewöhnungsbedürftig.

Navi zeigt mehr als nur den Weg

Bei der Ausstattung des i3 hat sich BMW nicht lumpen lassen: Das große Navigationssystem Professional ist eine Zentraleinheit im Fahrzeug und gehört zur Serienausstattung. Damit haben die Fahrer Zugriff auf alle Mobilitätsdienste des in diesem Jahr neu ausgerichteten Connected Drive.

Dazu gehören nicht nur Fahrerassistenzsysteme und ein riesiges Infotainmentangebot, sondern auch ein Service rund um das elektrische Fahren, der über eine App auf das Smartphone gespielt werden kann. So kann der i3-Besitzer schon von zu Hause aus wichtige Voreinstellungen programmieren und an das Fahrzeug senden. Unterwegs begleitet ein Reichweitenassistent den Fahrer, der seinen Aktionsradius über das Navigationssystem kontrollieren und eventuell modifizieren kann, indem er in einen anderen Fahrmodus schaltet. Dabei werden automatisch die aktuelle Verkehrslage, topografische Gegebenheiten und der Fahrstil berücksichtigt. Angezeigt wird, wie sich andere Verbraucher an Bord wie Sitzheizung oder Klimaanlage auf die Reichweite auswirken und wo die nächsten Ladestationen sind.

Die sogenannte intermodale Routenplanung soll den i3-Fahrer darüber hin- aus in urbanen Ballungsräumen unterstützen. Muss das Auto weit vom Zielort geparkt werden, zeigt das System, wie man am schnellsten dorthin zurück- kommt - Fußwege oder öffentliche Verkehrsmittel mit exakten Fahrplanangaben können abgerufen werden.

Gep

Gerd Piper