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Auto & Verkehr Bescheidenheit ist Trumpf
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15:25 16.09.2011
Die neue M-Klasse: Das große SUV macht auch in der Großstadt eine gute Figur. Im Gegensatz zu manchem Mitbewerber fühlt sich der Wagen aber auch im Gelände wohl.Foto: Hersteller Quelle: Daimler AG - press department
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Bescheidenheit ist angesagt. Mit nur drei Motoren zur Wahl schickt Mercedes-Benz die dritte Auflage seines soften Geländewagens M-Klasse auf Kundenfang. Zwei Diesel sind darunter, einer ist ein nach dem klassischen Verständnis für das von der neuen M-Klasse beackerte Fahrzeugsegment angemessener 3,0-Liter-Motor mit sechs Zylindern. Der andere ist ein Vierzylinder mit einem vergleichsweise bescheidenen Arbeitsvolumen von 2,1 Litern. Abgerundet wird das Auftaktangebot zur Händlerpremiere am 12. November von einem 3,5-Liter-V6-Benziner.

Bescheidenheit ist auch die Maxime, mit der jedes der drei Triebwerke in puncto Kraftstoffkonsum brillieren soll. So wird für den Vierzylinderdiesel – mit 500 New- tonmetern Maximalzugkraft und 150 kW/ 204 PS gewiss kein Schwächling – ein Prüfstandsnormverbrauch von nur sechs Litern je 100 Kilometer genannt. Mit 6,8 l/100 km auch noch kein Schluckspecht in einem schon leer mindestens 2,2 Tonnen schweren Geländewagen ist der 3,0-Liter-Diesel. Der kombiniert die Laufkultur einer V6-Maschine mit 620 Nm und immerhin 190 kW/258 PS.

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Dass es später eine eher unbescheidene AMG-Variante mit V8-Turbo-Power geben wird, steht außer Frage. Bis dahin müssen Freunde des Ottomotors im neuen Mercedes ML zum V6-Aggregat greifen. Die Maschine arbeitet im Vergleich zu den Selbstzündern auf einem erheblich höheren Drehzahlniveau. Dabei bleibt die Zugkraft mit 370 Nm bescheiden – kein Treibsatz, um aus dem neuen ML einen kräftigen Zugwagen für Gespannfahrer zu machen.

Dafür aber läuft der direkteinspritzende Ottomotor noch einmal um einiges weicher als die Selbstzünder. Freunde der beschaulichen Fortbewegung kommen hier, nicht zuletzt auch wegen der harmonisch mitarbeitenden Siebenstufenautomatik, durchaus auf ihre Kosten. Und wer hohe Drehzahlen hier und da toleriert, ist mit dem nominal 225 kW/306 PS starken Benziner durchaus flott unterwegs. Den Normverbrauch hat Mercedes mit 8,5 l/100 km gemessen.

Gelassener klappt die Fortbewegung natürlich mit den Dieseln. Die kleine Maschine zieht super gut, klingt aber immer irgendwie deplatziert in dem großen Auto – gewiss eine Frage der Gewöhnung. Der 3,0-Liter-V6 gefiel uns bei den ersten Probefahrten hingegen exakt so, wie wir das erwartet hatten: zurückhaltend in der Tonlage, kraftvoll in – am liebsten – tiefen Drehzahlregionen. Die schöne Zugkraft kann man bei beiden Dieselmotoren mit der Schaltautomatik recht gut auskosten, weil es den Getriebetechnikern hier erlaubt war, ein erfrischend unhektisches Schaltprogramm zu hinterlegen.

Noch schöner kann man 620-Nm-Selbstzünder freilich ziehen lassen, wenn das Manuellprogramm eingeschaltet ist. Dafür ist es allerdings nötig, bei der Fahrzeugbestellung ein 2261 Euro teures „On & Off-Road-Paket“ zu ordern. Dann gibt es das M-Schalterchen, und dazu noch eine Geländeuntersetzung, eine 100-Prozent-Sperre im Mitteldifferenzial und einiges mehr. Derart vorkonfiguriert, schreckt die feine M-Klasse vor kaum einem bösen Geländeabschnitt zurück – das Auto kann im Gelände, besonders bei geeigneter Bereifung, klar mehr als die Mehrzahl seiner zumeist Asphalt-affinen Fahrer.

Die bekommen mit dem sogenannten Active Curve System für 3689 Euro noch etwas mehr Fahrdynamik-Potenzial ins Auto eingebaut, als der große Wagen ohnehin schon mitbringt. Hinter dem englischen Technikbegriff verstecken sich aktive, also steuerbare Stabilisatoren für die Vorder- und die Hinterachse. Mit dieser Technik gelingt es die fahrdynamischen Vorteile von Querstabilisatoren zu nutzen, ohne deren Nachteile beim Geradeausfahrkomfort hinnehmen zu müssen.

Damit sich der so erzielte Fahrkomfort auch bei den Passagieren langstreckenfördernd niederschlägt, gibt sich der neue Mercedes ML im Innenraum angenehm luxuriös. Der geräumige, helle Innenraum bietet mehr Ellbogenfreiheit als sein Vorgänger. Die Sitze der neuen M-Klasse sind für hohen Langstreckenkomfort und bestmöglichen Seitenhalt ausgelegt. Neu sind die Lehnenneigungsverstellung der Rücksitze und die Durchlademöglichkeit über die Armauflage für den Transport von Skiern. Werden beide Lehnen und die Sitzflächen nach vorne geklappt, entsteht ein ebener Laderaum von 2010 Litern.

Dass Mercedes-Benz bei seinem neuen Full-Size-SUV in Sachen Sicherheit nichts anbrennen lässt, war zu erwarten. Die hochstabile Fahrgastzelle der M-Klasse bildet gemeinsam mit den vorderen und hinteren Verformungszonen das Fundament für die Insassen-Schutzsysteme. Bis zu neun Airbags, die je nach Unfallart und Unfallschwere bedarfsgerecht aktiviert werden, können die Belastung der Insassen reduzieren.

Von Hans-Jürgen Wildhage

27.08.2011
19.08.2011