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Auto & Verkehr Im Wendekreis der Großstadt
Mehr Auto & Verkehr Im Wendekreis der Großstadt
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00:53 15.11.2014
Vom Designmodell (oben links) auf die Straße: Nicht nur in London werden die neuen Smart Fortwo und Forfour schnell ein alltägliches Bild sein. Fotos: Hersteller (3) Quelle: Daimler AG - Global Communications Mercedes-Benz Cars
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Barcelona

Nun muss es endlich klappen: 15 Jahre nachdem der erste Smart in Barcelona präsentiert wurde, geht am 22. November die neue Generation an den Start. Vorgestellt wurde sie jetzt wiederum in Barcelona. Auch wenn es dort zeitweise wie aus Kübeln schüttete, war es für Smart-Chefin Annette Winkler „ein ganz besonderer Moment“. Man glaubt es der umtriebigen Managerin aufs Wort. Denn die neuen Zwei- (Fortwo) und Viertürer (Forfour) sollen die Marke in bessere Zeiten fahren. Dafür haben sich die Entwickler einiges einfallen lassen. Wenn es sehr gut läuft, könnten sie mit ihren Ideen sogar den Markt revolutionieren.

Smart ist zum Erfolg verdammt. Auch wenn es offiziell niemand zugibt und die 100 000 Einheiten, die man pro Jahr verkauft hat, inzwischen als Erfolg gefeiert werden, blieb die Marke deutlich hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück. Ein Insider: „Es war nicht so, dass wir das Geld mit der Sackkarre nach Hause gefahren haben.“

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Dabei ist Smart für die Daimler AG wichtig. Zum einen hat Mercedes-Benz nichts unterhalb der A-Klasse zu bieten, zum anderen könnte die Marke eine glorreiche Zukunft haben. Denn die Idee einer speziell auf den urbanen Lebensraum zugeschnittenen Mobilität hat riesiges Potenzial: Städte wie Barcelona, Rom, Paris, San Francisco, Los Angeles, Shanghai, Peking oder Nanjing gieren geradezu nach kleinen, klassenlosen Autos, die quicklebendig durch den Verkehr wieseln und jederzeit ein Plätzchen finden. In genau diese Lücke will Winkler stoßen: „Wir gucken nicht mehr nach ganzen Märkten, sondern nach rasant wachsenden Städten. Und wir haben alle möglichen Situationen durchgespielt, die Kunden in der Stadt erleben. Besorgungen machen, Dinge transportieren, Kindersitze montieren, mit Einkaufstüte und einem Coffee to go ans Auto kommen und vieles mehr.“

Um solche Wünsche auf kleinstem Raum erfüllen zu können, haben sich die Entwickler viele pfiffige Ideen einfallen lassen: Sitze, die mit einer Hand umgeklappt werden können, iPad-Halterungen hinten auf den Rücksitzen, ein ausgeklügeltes Ladekonzept für den Viertürer, oder Türen, die fast rechtwinklig öffnen und den Einstieg und das Beladen leicht machen. Dazu kommt ein durchgestyltes, klares Innenraumdesign, das sich auf vielfältige Weise individualisieren lässt und ganz klar hochwertiger ist als im Renault Twingo, der durch die Kooperation der beiden Hersteller sozusagen der Entwicklungshelfer der beiden Smart-Modelle war. Und auch an die Vernetzung wurde gedacht. Worüber? Natürlich übers Smartphone.

Vom alten Smart übrig geblieben ist beim Fortwo die Länge von 2,70 Metern sowie Heckmotor und -antrieb. Das schuf die Möglichkeit für einen steileren Lenkeinschlag, mit frappierendem Ergebnis: Der Wendekreis beträgt beim Fortwo nur noch 6,95 Meter. Das ist Weltrekord. Gefühlt dreht der Kleine auf dem Teller, ein Vorteil, den jeder Städter beim Rangieren auf kleinstem Raum ganz schnell lieben wird. Geblieben ist auch die tridion-Sicherheitszelle, die Insassen wie eine feste Nussschale schützt. Smart hat einen Fortwo gegen eine S-Klasse crashen lassen, danach ließen sich die Türen des Winzlings noch öffnen. Assistenzsysteme wie ein Seitenwind-Assistent (Serie), Abstandswarner oder Spurhalteassistent (beides optional) sorgen für zusätzliche Sicherheit.

Weil die neuen Modelle in der Breite um zehn Zentimeter zugelegt haben, macht sich das nicht nur im Raumgefühl, sondern auch im Fahrverhalten bemerkbar. Die Autos liegen satter auf der Straße, die frühere Härte ist dank des neuen Fahrwerks ebenfalls verschwunden. Und weil auch das alte, muckelige Getriebe durch ein Fünf-Gang-Schaltgetriebe, die miese Automatik durch ein Sechs-Gang-Doppelkupplungsgetriebe ersetzt wurde, geht es jetzt geradezu komfortabel in dem Fahrzeug zu. Zum Marktstart bietet Smart einen Dreizylinder-Sauger mit 52 kW/71 PS und einen Dreizylinder-Turbobenziner mit 66 kW/90 PS an. Beide stammen aus französischer Produktion. Vor allem Letzterer sorgt dafür, dass der Slalom durch den Großstadtverkehr richtig Spaß macht. Da vergisst man schnell, dass das Maschinchen etwas rumpelig ans Werk geht. Eine Ausgleichswelle? Fehlanzeige.

Leider hat die Sache einen unschönen Haken: Obwohl die Fahrzeuge speziell für die Großstadt konzipiert worden sind, was bei jeder Gelegenheit gerne betont wird, gibt es in den Datenblättern nur die kombinierten Verbrauchsangaben aus dem Prüfzyklus. Die betragen 4,1 bzw. 4,2 Liter. Das liest sich richtig gut und hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Im Stadtverkehr darf man ruhig eine Acht vors Komma setzen, bisweilen sogar mehr. Schade, liebe Smarties, dass ihr hier nicht ganz so smart ans Werk gegangen seid.

Technische Daten

Motoren: Zwei Dreizylinder

Leistung: 52/71–66/90 kW/PS

Max. Drehmoment: 91–135 Nm

Höchstgeschwindigkeit: 151/155 km/h

Beschleunigung (0-100 km/h): 10,5–15,9 s

CO2-Emission: 93–97 g/km

Verbrauch (kombiniert): 4,1/4,2 l Super

Länge/Breite/Höhe: 2,70 (3,50)*/1,66/1,56 m

Wendekreis: 6,95 (8,65)* m

Kofferraum: 260-350 (185-975)* l

Preise: ab 10.895 (11.555)* Euro

* Angaben für den Forfour

Fazit:

Plus: so viel pfiffiges Auto für die Großstadt gab’s noch nie

Minus:  relativ hoher Verbrauch, Navi nicht immer leicht zu bedienen