Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Auto & Verkehr Der Hoffnungsträger
Mehr Auto & Verkehr Der Hoffnungsträger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:10 26.02.2011
624365.jpg
Stämmiger Vertreter: Der Antara ist ein kompaktes, aber kräftig gebautes SUV mit einem ordentlichen Raumangebot. Quelle: www.weigl.biz
Anzeige

Nicht nur die Oberklasse fährt statusbewusst. Auch die Mittelklasse zeigt Flagge. Besonders das Segment der SUVs wächst seit Jahren. Anfang dieses Jahres machte der Anteil der Quasi-Geländegänger bereits zwölf Prozent des Gesamtmarktes aus. Wer hier ein ordentliches Produkt anbieten kann, wird es auch verkaufen – das Auto als Imageträger, als Botschafter des Lebensstils seines Besitzers, ist aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken. Opel, seit einiger Zeit wieder auffallend optimistisch unterwegs, setzt große Hoffnungen auf den neuen Antara. Das eher kräftig gebaute SUV hebe sich in seinem Charakter stark von seinem Vorgänger ab, heißt es aus Rüsselsheim.

Wer jetzt einen automobilen Befreiungsschlag erwartet, wird bei dem ersten Aufeinandertreffen enttäuscht sein. Ein paar optische Retuschen, ein neuer Frontgrill mit verchromter Einfassung, neu modellierte Scheinwerfer – das war es auch schon. Wo also ist das Neue an dem Fahrzeug? Tja, manchmal ist es die Summe vieler kleiner Veränderungen, die aus einem alten Modell ein neues machen.

Wobei die Veränderungen tatsächlich gar nicht so klein sind: Neue, moderne Motoren, ein völlig neu abgestimmtes Fahrwerk und der neue Antriebsstrang – das geht weit über die Maßnahmen üblicher Modellpflegen hinaus. Dazu kommen ein deutlich aufgewertetes Ambiente, eine neue Mittelkonsole und eine Akustik, an deren Verbesserung intensiv gearbeitet wurde. Nach Angaben von Opel konnte das Geräuschniveau um mehr als drei Dezibel reduziert werden, das heißt: Die Innenraumgeräusche des Antaras wurden kurz einmal halbiert.

Das Paket, das Opel für den neuen Antara geschnürt hat, macht aus dem Fahrzeug zwar keinen Überflieger, ein interessantes Angebot ist der Wagen aber allemal. Da wären zuerst die drei neuen Motoren: dynamisch, effizient und sauber – die zwei Diesel und der Benziner erfüllen die Abgasnorm Euro 5. Der 2,2-CDTI-Diesel wird in zwei Leistungsstufen mit 120 kW/163 PS und mit 135 kW/184 PS angeboten, der 2,4-Liter-Benziner leistet 123 kW/167 PS. Wobei dieser Motor, der bei ersten Testfahrten sehr gefällig daherkam, nur eine untergeordnete Rolle spielen wird. Den Löwenanteil von 90 Prozent, so die Opel-Prognosen, werden sich die beiden Diesel teilen. Während der Benziner eher auf kultivierte Laufruhe ausgelegt ist, packen die Selbstzünder kräftig zu.

Auch wenn der Antara mit reinem Frontantrieb angeboten wird, dürfte sich die Mehrheit der Käufer für den Allradantrieb entscheiden – schon wegen der besseren Traktion und dem daraus resultierenden Plus an Fahrsicherheit. Denn auch der 4x4-Antrieb arbeitet zuallererst einmal als Frontantrieb – was Verbrauchsvorteile mit sich bringt. Erst wenn Schlupf an der Vorderachse entsteht, wird die Hinterachse blitzschnell zugeschaltet, und die Antriebskräfte werden je nach Bedarf variabel bis zu 50 Prozent zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt. Das ist im Vergleich zu anderen Fahrzeugen technisch relativ einfach gehalten – macht aber gar nichts, es funktioniert.

Auf der Getriebeseite bietet der Antara entweder eine Sechs-Stufen-Automatik oder eine Sechsgang-Handschaltung, die allerdings nicht für den großen Diesel verfügbar ist. Auf der Gegenseite wird der Benziner als Frontantrieb nur mit dem Handschalter angeboten. Treffen die Opel-Prognosen ins Schwarze, wird das Fahrzeug darüber hinaus zu mindestens 60 Prozent in der Topausstattung „Cosmo“ geordert. Die ist ziemlich komplett, lediglich ein Infotainmentsystem mit Navi und den heute üblichen Gimmicks wie CD-Wechsler, Bluetooth-Schnittstelle und MP3-Anschluss fehlt. Besonders sympathisch ist auch die übersichtliche Optionsliste.

Auf der Straße macht der Antara einen gutmütigen, aber kräftigen Eindruck. Beide Diesel passen hervorragend zu dem Fahrzeug wie übrigens auch der Benziner. Die entsprechenden Fahrsicherheitssysteme sorgen dafür, dass der Fahrer auch in kniffeligen Situationen Herr der Lage bleibt – solange er es nicht übertreibt. Denn dass aus einem SUV kein Sportwagen wird, liegt auf der Hand.

Zum Schluss noch ein Wort zum vermeintlichen Zwillingsbruder, dem Chevrolet Captiva, dessen überarbeitete Version wir in einer der kommenden Ausgaben vorstellen werden: Er unterscheidet sich sehr wohl vom Antara, sowohl was den Innenraum, die Motorenpalette, als auch das Fahrwerk betrifft. Wer denkt, er spare Geld, wenn er auf den Captiva zurückgreift, weil er das gleiche Auto bekommt, der irrt. Er bekommt lediglich ein ähnliches Auto.

Von Gerd Piper