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Auto & Verkehr Der Opel Adam spielt mit den Farben
Mehr Auto & Verkehr Der Opel Adam spielt mit den Farben
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00:02 17.11.2012
Der Opel Adam lässt fast unbegrenzte farbliche Gestaltungsmöglichkeiten zu.
Der Opel Adam lässt fast unbegrenzte farbliche Gestaltungsmöglichkeiten zu. Quelle: Hersteller
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Rüsselsheim

Wenn nicht alles täuscht, hat Opel auf der Suche nach der Lücke einen Volltreffer gelandet: Der neue Adam (sprich: Ädäm) ist ein Auto der tausend Möglichkeiten und dazu angetan, die Herzen junger und jung gebliebener Menschen, vor allem aber auch vieler Frauen, zu erobern. Denn der kleine Tausendsassa bietet eine nie da gewesene Fülle an Individualisierungsmöglichkeiten und überzeugt durch seine nahezu perfekte Qualitätsanmutung.

Darüber hinaus hat Opel virtuos günstige und hochwertige Materialien verbunden. Was sich auch im Preis niederschlägt: Den Lifestyle-Stadtflitzer, der am 19. Januar auf den Markt kommt, gibt es zu einem Einstiegspreis von 11500 Euro. Dann allerdings ist das Auto so gut wie nackt und kann auch nicht aufgehübscht werden. Wer die neue Welt des Adam ausschöpfen will, muss mindestens 13400 Euro anlegen. Dann kann es losgehen. Der Wagen lässt sich nach und nach auf- und auch wieder umrüsten.

Der Adam spielt für Opel eine Schlüsselrolle. Die Rüsselsheimer wollen mit dem Auto, das in der Länge gerade einmal 3,70 Meter misst, mehr als 50 Prozent an neuen Kunden gewinnen und erstmals im Segment der Lifestyle-Autos mitmischen. Die Konkurrenz ist hart, weil es gegen Erfolgsmodelle wie den Mini von BMW, den Audi A1 oder den Fiat 500 geht. Doch der Adam braucht sich nicht zu verstecken, denn wer einmal in ihm Platz genommen hat, kommt aus dem Staunen so schnell nicht mehr heraus: So edel anmutende Flächen, so wertige Instrumente und Schalter bekommt man in dieser Fahrzeugklasse nur selten zu Gesicht.

Natürlich gibt es auch Hartplastik, beispielsweise an den Türverkleidungen, aber das kann man mit abgesteppten Lederapplikationen kombinieren, und schon sieht die ganze Sache wieder hochwertig aus. Die Abdeckung der Instrumente besteht aus unterfüttertem Kunststoff. Das Zentraldisplay ist mit Kunststoff in Klavierlackoptik eingefasst, die Klimaanlage besticht durch Drehschalter, die auch noch schön beleuchtet sind. Das Lederlenkrad liegt gut in der Hand und ist sowohl horizontal als auch vertikal verstellbar.

Doch die alles überragende Idee ist das Spiel mit den Farben. Um hier eine auch nur ungefähre Vorstellung davon zu bekommen, was mit dem Adam alles möglich ist, hilft nur eine Aufzählung: So gibt es unter anderem zwölf Karosseriefarben (zweifarbig, weil das Dach optisch über dem Korpus schweben soll), drei zusätzliche Dachlackierungen, 31 Rad/Reifendesigns, Felgenclips in sechs Farben, vier Innenraumgrundtöne, 15 Sitzdesigns, 19 Dekore, die zum Teil hinterleuchtet sind, sechs unterschiedliche Dachhimmel, Ambiente-Beleuchtung in acht Lichtfarben und vieles mehr. Das alles lässt sich frei kombinieren und baut auf den drei „Lebenswelten“ Jam (funky), Glam (elegant) und Slam (sportlich) auf, die anstelle der üblichen Ausstattungslinien stehen. Das Beste: Wenn man etwas nicht mehr leiden kann, lässt sich der Wagen über den Zubehörhandel umdekorieren.

Ein Schmankerl ist der Sternenhimmel aus LEDs, der aufleuchtet, sobald die Tür aufgeht und der Zündschlüssel abgezogen ist. „So etwas gibt es nur noch bei einem Mitbewerber“, heißt es bei Opel mit hintergründigem Humor. Denn der „Mitbewerber“ heißt Rolls-Royce. Für dessen Sternenhimmel muss man 8000 Euro berappen.

Technisch kann der kleine Opel mit einem Parkassistenten, beheizbarem Lenkrad, Toter-Winkel-Warner, Geschwindigkeitsregler mit Begrenzer oder der elektrischen Servolenkung mit dem sogenannten City-Modus ausgerüstet werden. ESP und Berganfahrassistent sind serienmäßig an Bord. Und als Sahnehäubchen bietet Opel mit dem IntelliLink-Infotainement-System die Möglichkeit, das Auto über das iPhone oder Android-Smartphones zu vernetzen. Das ist pfiffig gemacht und im Vergleich zu Wettbewerbern auch günstig, weil das Smartphone einfach über einen USB-Anschluss oder Bluetooth angedockt werden muss.

Zum Marktstart bietet Opel drei Benziner an, die 51 kW/70 PS, 64 kW/87 PS und 74 kW/100 PS leisten. Hier liegt eine Schwäche des Adams - es handelt sich um Saugmotoren, die technisch nicht gerade auf der Höhe der Zeit sind. Einen modernen Turbo-Direkteinspritzer mit ungefähr 120 PS wird es erst Ende 2013 geben.

Wir waren bei einer ersten Testfahrt mit der mittleren Maschine unterwegs, die im Anzug manchmal etwas zäh ist und kräftig geschaltet werden will. Das Handschaltgetriebe umfasst fünf Gänge, ein Sechs-Gang-Getriebe wird es mit dem neuen Motor geben. Der Testwagen war mit dem optionalen Sportfahrwerk ausgerüstet, das uns etwas hart vorkam und Unebenheiten gerne auch ungefiltert an die Insassen durchreichte. Dafür liegt der Wagen anständig auf der Straße und geht sicher um die Kurven, sodass auch der Fahrspaß nicht zu kurz kommt. Gut, auf der Rückbank kann man eigentlich nicht Platz nehmen und der Kofferraum ist winzig, aber in Autos dieser Fahrzeugklasse ist das Platzangebot eben begrenzt.

Unterm Strich hat Opel mit dem Adam aber ein Gesamtpaket geschnürt, das begeistern kann. Ein so kleines Auto mit einem so hohen Wohlfühlfaktor hat es zu diesem Preis noch nicht gegeben.

Gerd Piper