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Auto & Verkehr Der neue Saab 9-5 basiert auf solider Opel-Technik
Mehr Auto & Verkehr Der neue Saab 9-5 basiert auf solider Opel-Technik
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09:02 09.12.2010
Imposant: Das Cockpit der schwedischen Limousine hat XXL-Format. Quelle: Handout
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Leben totgesagte länger? Die Zeit wird es zeigen. Jedenfalls im Falle Saab: Vor reichlich zwei Jahrzehnten wurde die schwedische Automobilmarke vom amerikanischen Automobilkonzern General Motors übernommen und in der Folge dann ziemlich stiefmütterlich behandelt. Sowohl vom Image her als auch hinsichtlich technischer Innovationen hat der amerikanische Großkonzern die nordische Traditionsmarke heruntergewirtschaftet. General Motors entwickelte seine Marke Saab nicht hinreichend weiter. Mit dem Ergebnis, dass Saab vor einem Jahre tiefrote Zahlen schrieb und Anfang dieses Jahres in Trollhättan, der Produktionsstätte von Saab in Schweden, die Bänder stillstanden: Saab stand erneut zum Verkauf. Sämtliche Werker wurden entlassen, die Produktionshallen geschlossen.

Aus der Pleite aufgefangen

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Die Entwicklungsingenieure ließen sich allerdings nicht so leicht aussperren und gingen heroisch täglich weiterhin in Eigenregie ihrer Tätigkeit nach, ungeachtet der Tatsache, dass sie auch allesamt gekündigt waren. Sie lebten in dieser Zeit von den Bezügen ihres Arbeitslosengeldes. Entwicklung verzeiht keinen Stillstand. Die Saab-Ingenieure glaubten an die Werte „ihrer“ Marke – und außerdem stand der lang ersehnte neue 9‑5, das Flaggschiff von Saab, kurz vor der Markteinführung.

Der schwedische Staat beendete diesen ungewissen Zustand und griff ein, indem er mit einer Bürgschaft in der Größenordnung des Kaufpreises das Überleben von Saab sicherte. In diesem Frühjahr ging die ehemals schwedische Marke durch diese staatliche Unterstützungsmaßnahme nun an den niederländischen Hersteller Spyker über.

Spyker produziert mit hundert Mitarbeitern unter 50 Edelkarossen im Jahr, zu einem stattlichen Preis ab 200 000 Euro. Im neuen Saab 9-5, der im Sommer auf den Markt kam, sind keinerlei Teile aus einem Spyker verbaut. Dafür besitzt der 9-5 einen hohen Wiedererkennungswert. Seine markanten Scheinwerfer, die flache Fensterlinie und das zum Heck hin stark geneigte Dach fallen sofort auf. Immerhin kann die Limousine damit Akzente setzen.

Besonders wichtig ist Saab-Kunden ein individuelles Design, deshalb darf der 9-5 auf keinen Fall ein verkappter Insignia sein. Alles fällt runder aus, dazu kommt ein Mix aus typischen Stilelementen wie den silber eingefassten Frontscheinwerfern oder den Heckleuchten mit LED im Ice-Design, unterstützt von einem durchlaufenden Lichtband über die gesamte Breite des Hecks. Die Chromumrandung für die Fenster, bei Saab Hockey-Stick genannt, soll Eleganz verströmen. Innen kommt das Saab-typische, etwas wuchtige Cockpit zum Einsatz, wer genau hinschaut, erkennt Teile aus dem Insignia. Der früher Saab-typische Zündschlüssel in der Mittelkonsole weicht wegen des Keyless-Go-Systems einem Starterknopf.

Hauptorganspender ist nun mal der Opel Insignia. Das ist nicht unbedingt schlecht. Motor, Getriebe, Fahrwerk passen auch zu dem großen Saab und hinterlassen einen komfortablen Eindruck. Wir waren mit dem 220 PS starken 2,0-Liter-Turbobenziner unterwegs. Der beschert der knapp 1,9 Tonnen schweren Limousine passable Fahrleistungen, gibt sich mit normiert gemessenen 9,9 Liter Super je 100 km aber zu trinkfreudig.

Sportlich auf Knopfdruck

Spritzig fühlt sich der Wagen deshalb aber trotzdem nicht an. Da hilft auch die Elektronik nicht weiter, mit deren Hilfe man Fahrwerk, Motor, Automatikgetriebe, Allradantrieb und Lenkung auf Knopfdruck sportlicher abstimmen kann. Die verwendeten Kunststoffe im Saab-typisch sehr wuchtigen Cockpit können mit dem Premium-Anspruch der Marke nicht mithalten.

Immerhin stimmt das Platzangebot. Vorn thront die Pilotin wie die schwedische Königin, der üppige Fond reicht gar für königliche Hochzeitspaare. Beim Einsteigen im Fond sollte man jedoch das Kopfeinziehen nicht vergessen. Die Holme sind doch recht tief heruntergezogen. Der Kofferraum des Saab 9-5 bietet auf jeden Fall genug Platz fürs Gepäck (515 Liter).

Zum Modelljahr 2011 ist der Saab Allradantrieb jetzt mit einem 190-PS-Turbodiesel erhältlich. Als Ergänzung zur 160-PS-Maschine System mit Single-Turbo wird der Top-Diesel von einen Register-Bi-Turbo zwangsbeatmet. Bei den Benzinmotoren wird ein 180 PS starker, 1,6-Liter-Turbomotor ins Programm aufgenommen. Hinzu kommt ein 220 PS-Bio-Power-Motor, der für Benzin und für E85-Treibstoff (85 Prozent Bioethanol und 15 Prozent Benzin) in jedem beliebigen Mischverhältnis geeignet ist.

Das Angebot des Saab 9-5 wird durch die Einführung eines Abstandsregeltempomaten (Adaptive Cruise Control, ACC) mit hochwertigen Extras ergänzt. Die Farbpalette für das Modell wird außerdem von sieben auf elf Lackierungen erhöht. Auf Hybridtechnik oder ein Start-Stopp-System müssen die Kunden allerdings noch verzichten. Es fehlt derzeit noch die Kapitaldecke, derartige Features von Zulieferern einzukaufen.

Christiane Wildhage