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Auto & Verkehr Der spanische Bruder
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17:00 19.08.2011
Der Allrad-Alhambra liegt satt auf der Straße, drinnen gibt es ein flexibles Platzangebot für die ganze Familie.Foto: Werk
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Die Frage ist einfach: Braucht eine Familienkutsche im Van-Format einen Allradantrieb? Nein, braucht sie nicht. Denn Fahrzeuge dieses Zuschnitts werden sich eher nie in unbefestigtes Terrain verirren – und genau dafür war der Allradantrieb ja ursprünglich einmal erfunden worden. Doch die automobile Welt ist längst nicht mehr so schlicht, wie sie einmal war. Und deshalb gibt es jetzt den Seat Alhambra, den spanischen Zwillingsbruder des VW Sharan, erneut mit Allradantrieb. Bereits in zweiter Generation. Denn die Ingenieure sind einem simplen Gedankengang gefolgt: Was für einen Geländewagen gut ist, kann für ein reines Straßenfahrzeug nicht schlecht sein. Schnee, Glatteis oder auch nur Regennässe gibt es auf normalen Straßen – je nach Jahreszeit – alle naselang. Da kann ein Plus an Traktion nicht schaden. Es schützt das Fahrzeug in extremen Fahrsituationen und damit auch die Insassen. Dass viele Hersteller von SUVs, den gesofteten Nachfolgern der reinen Geländewagen, inzwischen ihre Fahrzeuge antriebsseitig abspecken und mit reinem Frontantrieb anbieten, sei da nur als kleine Randnotiz erwähnt.

Rein äußerlich sind die Veränderungen am Antriebsstrang des Alhambra nicht zu erkennen. Kein „4x4“-Logo am Heck, kein Zusatz im Namen. Auch im Innenraum findet der Fahrer keinen Hinweis, dass sein Fahrzeug bei Bedarf über alle vier Räder angetrieben wird. Kein Hebel zum Zu- oder Abschalten, keinen zusätzlichen Schriftzug an Mittelkonsole oder Handschuhfach. Wie bei moderaten Allradantrieben heute üblich, regelt die Elektronik – in diesem Fall eine Haldex-Kupplung der vierten Generation –, wann die Hinterachse zugeschaltet wird. Das wiederum hängt davon ab, wie der Untergrund beschaffen ist. Signalisieren die Sensoren Schlupf an einem der Räder, geht alles blitzschnell – aus dem Fronttriebler wird innerhalb von Millisekunden ein intelligenter 4x4-Antrieb, das Fahrzeug bleibt in Situationen stabil, in denen es jetzt eigentlich ins Rutschen oder Schleudern gekommen wäre. Die Insassen merken von alledem nichts. Sie erreichen auch bei widrigen Witterungsverhältnissen ganz entspannt ihr Ziel.

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Allerdings müssen sich die Besitzer des Allrad-Alhambra mit nur einer Motorisierung begnügen. Was kein Schaden sein muss, weil man sich keine Gedanken um die PS machen muss. Die Wahl der Spanier ist auf den 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 103 kW/140 PS gefallen, der das Fahrzeug tüchtig voranschiebt. Den Standardsprint erledigt der Familienvan in 11,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 191 km/h. Rekuperation und eine Start-Stopp-Automatik sind serienmäßig mit an Bord. Da er satte 2,4 Tonnen auf den Haken nehmen kann, eignet sich der Wagen auch hervorragend für den Familienurlaub – da passt auch ein großer Wohnwagen dran. Kleines Handicap: Der Wagen muss geschaltet werden, da nur ein Sechsgang-Handschaltgetriebe angeboten wird. Eine Automatik oder ein Doppelkupplungsgetriebe – das ja im Konzern mit großer Freude vermarktet wird – ist für den Alhambra nicht vorgesehen.

Obwohl das Fahrzeug durch das Antriebskonzept etwas schwerer geworden ist, kommt er dank der modernen Motorentechnik mit rund sechs Litern im Prüfzyklus zurecht. Ein guter Wert für ein so großes Auto. Deshalb beantworten wir die Eingangsfrage jetzt doch ein wenig differenzierter: Nein, im Grunde braucht ein Van keinen Allradantrieb. Kommt es mal drauf an, ist er trotzdem sinnvoll. Weil er Sicherheit produziert. Und das ab 32 050 Euro.

Von Gerd Piper

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