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Auto & Verkehr Die Zukunft wird vertagt
Mehr Auto & Verkehr Die Zukunft wird vertagt
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10:15 20.01.2014
In der Autobranche herrscht wieder Optimismus. Quelle: Uli Deck
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Detroit

Die Zukunft muss noch etwas warten. Zumindest was die Freude der Entwickler an alternativen Antriebstechnologien betrifft. Zwar werden Elektromotoren, die ja im Auto bereits viele Funktionen übernehmen, künftig verstärkt Benziner und Diesel unterstützen. Doch die Aufregung um die Elektromobilität hat sich gelegt. Dass sie eines fernen Tages den Verbrennungsmotor ablösen wird, steht außer Frage. Aber eben noch nicht jetzt. Beim ersten Branchentreffen des Jahres im krisengeschüttelten Detroit wurde eins klar: Wo sich noch vor einigen Jahren eine ganze Industrie am Abgrund wähnte, herrscht jetzt wieder hoffnungsfroher Optimismus. Einen beträchtlichen Anteil daran haben klassische Sportwagen und Limousinen.

Die Lust am Auto ist weltweit ungebrochen

Auch wenn die Märkte ganz unterschiedlich reagieren, ist die Lust am Auto weltweit ungebrochen. Experten schätzen, dass 2014 rund 71 Millionen Neuwagen verkauft werden – das ist neuer Rekord. Und die deutschen Hersteller werden hier als Global Player kräftig mitmischen. Ein Highlight der nordamerikanischen Automesse NAIAS (North American International Auto Show) ist die nächste Generation der C-Klasse von Mercedes-Benz. Die Stuttgarter setzen mit ihrem Volumenmodell die eingeschlagene Verjüngungskur konsequent fort. Denn so sportlich, dynamisch und sparsam kam die Mittelklasselimousine noch nie daher. Hier will man ganz klar BMW und Audi Konkurrenz machen, die den Schwaben in den vergangenen Jahren das Fürchten gelehrt haben. Dass der Wagen technisch von den Fahrerassistenzsystemen bis hin zur Luftfederung wie die S-Klasse hochgerüstet werden kann und auf der Motorseite eine Leistungsspreizung von 85/115 bis 245 kW/333 PS aufweist, zeigt, wie breit dieses Segment inzwischen aufgestellt ist. Weil man die Zukunft nicht ganz aus den Augen lassen darf, wird es die C-Klasse auch als Hybrid und Plug-in-Hybrid geben. Schon am Vorabend der Autoshow zeigte Mercedes den Wagen Fachjournalisten aus aller Welt. Der Auftritt des amerikanischen R-’n’-B-Superstars Kelly Rowland setzte die Präsentation in Szene, und der ansonsten eher zurückhaltende Mercedes-Chef Dieter Zetsche versprach: „Dieses Auto wird die Mittelklasse rocken.“

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Mit dem S 600 feiert außerdem eine extralange Version der S-Klasse ihre Weltpremiere, die von einem riesigen Zwölfzylinder angetrieben wird. Als Dritten im Bunde fuhr Mercedes die AMG-Version des kompakten SUV GLA ins Rampenlicht.

Auch BMW zeigt in Detroit Flagge: Mit dem M3 und der Coupéversion M4 stellen die Münchener ihre neuen Mittelklassesportler auf die Bühne in der Cobo-Hall. Die ganz auf Fahrdynamik ausgelegten Autos haben erstmals einen aufgeladenen Sechszylinder statt der bisherigen Achtzylinder. Die Maschine ist mit knackigen 317 kW/431 PS alles andere als ein Kind von Traurigkeit. Das Drehmoment von 550 Newtonmetern lässt erahnen, was passiert, wenn der Fahrer das Gaspedal durchdrückt. Neben dem M3/M4 zeigten die Bayern außerdem das Facelift des X-1.

Etliche Ableitungen beim Mini

Dass beim neuen Mini, der im Frühjahr bei uns auf den Markt kommt, wieder mit etlichen Ableitungen zu rechnen ist, zeigt die getunte John-Cooper-Works-Concept-Studie. Mit einer Länge von knapp unter vier Metern ist der Mini allerdings gar nicht mehr so mini – was in erster Linie den Insassen und einem um 51 Liter gewachsenen Gepäckabteil zugute kommt. Den wichtigsten Beitrag aus dem VW-Konzern liefert in Detroit Porsche ab: Das bessere Schiebedach des 911 Targa – den es nur als Allrad geben wird – ist bei dem neuen Modell einer Dachkonstruktion gewichen, die sich wieder so weit öffnen lässt, dass den Insassen ein echtes Freiluftvergnügen ohne Reue (sprich: ohne steifen Nacken) ermöglicht wird. Audi zeigt die Studie allroad shooting brake, die einen Ausblick auf einen neuen quattro wie auch auf das neue Mini-SUV Q1 gibt und auch schon Elemente einer überarbeiteten Designsprache hat. Auch das Antriebskonzept ist spannend, denn der Motor wird von zwei Elektroaggregaten unterstützt und kommt so auf Leistungswerte eines echten Sportwagens. Mehr als 294 kW/400 PS katapultieren das Crossover in 4,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 km/h. Ob der Antrieb tatsächlich ein konkreter Hinweis auf die nahe Zukunft ist, wie es Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg formuliert, muss man aber abwarten.

Und Volkswagen? Bei den Wolfsburgern standen der Passat Blue Motion und das Showcar Beetle Dune im Mittelpunkt. Der Dune ist eine aufgebockte und verbreiterte Beetle-Version mit Buggy-Genen, die von 154 kW/210 PS angetrieben wird. Volkswagen plant, den Dune 2015 in Serie gehen zu lassen.

Offizieller Verkauf des Mustang in Europa

Ganz unbescheiden und mit breiter Brust treten die Amerikaner bei ihrer wichtigsten Automesse auf: Ford präsentiert mit dem neuen Mustang die nächste Version seiner Sportwagenikone, die es erstmals auch offiziell in Europa zu kaufen gibt. Neben dem mächtigen 5,0-Liter-Achtzylinder, der es auf satte 313 kW/426 PS bringt, wird es für den europäischen Markt auch einen Vierzylinder-Turbo mit 227 kW/ 309 PS geben, der den Wagen über ein modernisiertes Fahrwerk antreibt: Statt der starren Hinterachse sind jetzt die Räder endlich einzeln aufgehängt. Und noch eine Autolegende wird uns beglücken: Chevrolet zeigt in Detroit mit der Rennstreckenversion Z06 der Corvette Stingray, wo nach dem „American Way of Drive“ der Hammer hängt: Das Auto soll aus 6,4 Litern Hubraum die Abgase von mehr als 625 Pferdestärken (460 kW) durch die Auspuffrohre fauchen. Der Wagen wird um die 70 000 Euro kosten und bleibt damit auch weiterhin das Schnäppchen unter den Supersportwagen.

Gerd Piper