Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Auto & Verkehr Diesel sei Dank
Mehr Auto & Verkehr Diesel sei Dank
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:19 11.02.2011
Bulliger Auftritt: Der neue Nissan Murano zeigt gleich, was in ihm steckt: Der Diesel ist an einer etwas geänderten Frontpartie zu erkennen. Quelle: Werk
Anzeige

Nissan Murano? Ein eher seltener Anblick auf deutschen Straßen. Der bis zur CO2-Debatte und nachgelagerter Finanz- und Wirtschaftskrise erstaunlich heftige Run auf Geländewagen ist weitgehend an der am US-amerikanischen Automobilgeschmack orientierten Kreuzung aus Off- und On-Roader vorbeigezogen. Nur mal so zur Einordnung: 473 Murano wurden hierzulande nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) in Flensburg im Jahr 2009 neu zugelassen. Das war gerade mal ein Zehntel dessen, was Audi, Porsche und Volkswagen von ihrem Offroad-Trio Q7, Cayenne und Touareg abgesetzt haben – je Modellreihe, versteht sich.

Der überschaubare Markterfolg des eindeutig im eher gehobenen Geländewagen-SUV-Cross-over-Segment heimischen Nissan Murano liegt wohl auch an seiner bislang einzig lieferbaren Antriebsquelle. Das war und ist der auch weiterhin eingesetzte 3,5-Liter-Benziner, ein vergleichsweise trinkfreudiges Aggregat ohne besondere Zieherqualitäten. Ein schlichter Saugmotor mit feinen Manieren in Akustik und Laufkultur, aber ohne Turbo- oder Kompressoraufladung eben.

Anzeige

Das reicht nicht aus. Im Gegensatz zum US-amerikanischen SUV-Piloten will der deutsche Geländewageneigner auch im weich gespülten Soft-Roader einen anständigen Selbstzündermotor haben. Am liebsten sechszylindrig – die wenigen noch lieferbaren V8-Diesel sterben demnächst aus – aber ohne Diesel geht da gar nichts. Nur in seltenen Sonderfällen machen schlichte Benziner in einem Hochsitzmobil das Rennen; der Porsche Cayenne durfte bis zur Einführung eines Audi-Diesels in das Angebot als die Ausnahme gelten, welche die Regel bestätigt.

Inzwischen dieselt auch das Porsche-SUV – und nun auch der Murano. Ein wenig derber zwar als das deutsche Edelmodell, aber immerhin. Noch ist es ungewöhnlich in dieser Fahrzeugklasse: Statt über sechs verfügt der Murano-Diesel nur über vier Zylinder. Die meisten Wettbewerber wie Mercedes-Benz ML, BMW X5 und Audi Q7 setzen auf prestigeträchtige V6-Aggregate. Das wird sich demnächst ändern. Daimler ist fest entschlossen, dem ML-Nachfolger mit dem 2,1-Liter-Diesel aus dem GLK Trinksitten aus dem CO2-Bilderbuch beizubringen.

Den Schritt zum Vierzylinder hat der Nissan Murano 2.5 dCi bereits hinter sich. Und kann vor allem in Sachen Laufruhe und Vibrationsarmut durchaus überzeugen. Sein fülliges Drehmoment von 450 Nm – der Daimler schafft auch nur 50 Nm mehr – schiebt den großen Allradler energisch nach vorn. Dabei liegt die volle Kraft bei moderaten 2000 U/min an. Den Rest managt die serienmäßige Sechsgangautomatik mit aufmerksamen Gangwechseln. Den Gummiband-Drehzahlterror einer Stufenlosautomatik, wie ihn der 3,5-Liter-Benziner werksseitig zwangsweise mitbringt, erspart der Diesel also überdies.

Der 2,5-Liter-Vierzylinder mit Turbolader leistet 190 PS und entwickelt wie erwähnt bis zu 450 Nm. Er ist ein guter Bekannter, werkelt schon seit Jahren in anderen Nissan-Modellen, wurde aber für seinen Einsatz im Murano überarbeitet. Höherer Einspritzdruck (2000 Bar in der Spitze), ein neuer Zylinderkopf und die elektronische Steuerung des Laders machen ihn für die Zukunft fit und natürlich Euro-5-konform.

Auf dem Prüfstand reicht die Verbindung aus Diesel plus Automatik für einen Normverbrauch von 8,0 Liter je 100 Kilometer. Der dazugehörige CO2-Ausstoß wird werksseitig mit 210 Gramm je Kilometer genannt. Das ist für einen Zweitonner nicht schlecht und auf jeden Fall ein ganz erheblich anderes Niveau, als es der 3,5-Liter-Benziner jahrelang vorlegte: 10,9 l/100 km und 261 g/km. Dabei sind die gefühlten, alltagsrelevanten Fahrleistungen des Selbstzünders ganz klar besser als die des Ottos – Turbo plus Stufenautomat sei Dank.

Hans-Jürgen Wildhage