Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Auto & Verkehr Ein Auto für sonnige Stunden
Mehr Auto & Verkehr Ein Auto für sonnige Stunden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:43 14.02.2011
610797.jpg
Bayerisches Schmuckstück: Das BMW-6er-Cabrio ist eine Augenweide – zu einem stolzen Preis. Foto: Werk Quelle: U. Kröner
Anzeige

Die Zutaten sind bekannt: Langer Radstand, lange Motorhaube, ein nach hinten versetzter Fahrgastraum – so sieht das 6er-Cabriolet von BMW aus. Die jüngste Generation feierte in Januar auf der Autoshow in Detroit ihre Weltpremiere, schon Ende März kommt das gute Stück rechtzeitig zur Freiluftsaison in Deutschland auf den Markt. Mit einigen wenigen Veränderungen ist es den Münchener Designern gelungen, aus einem guten Auto ein schönes zu machen: die flache Niere, tiefergesetzte Leuchten, der breite Lufteinlass und zu guter Letzt eine Kofferraumhaube, die nicht mehr wie ein Purzel aussieht, sondern eben wie eine Kofferraumhaube, geben dem Cabrio seine athletische Figur – breit und griffig steht es auf der Straße. BMW spricht bei dem jüngsten Spross von der perfekten Kombination aus Technik und Design. Nun gut. Sicher ist aber, dass Käufer dieses Fahrzeugs aus dem Vollen schöpfen können, sprich: Das Cabriolet kann technisch mit allem ausgestattet werden, was die Bayern derzeit zu bieten haben.

Cabriolets stehen seit jeher für die Faszination am Autofahren. Sportlich, manchmal aggressiv, ganz häufig elegant: Ein Cabrio ist in den seltensten Fällen das Brot- und Butterauto für den Alltag. Es soll seinem Fahrer das Autofahren bei schönem Wetter versüßen, ist quasi das automobile Sahnehäubchen. Und hier kann der neue offene 6er punkten. Ein nahezu perfektes Interieur, hochwertige Materialien und die tadellose Verarbeitung garantieren rundum Wohlbefinden für die Insassen. Dass die hinteren Sitze etwas knapp bemessen sind, okay – der Wagen ist halt kein Viersitzer, sondern trotz seiner stattlichen Abmessungen ein 2+2-Sitzer. Trotzdem taugt der Wagen noch zur Einkaufstour: Bei geschlossenem Verdeck stehen 350 Liter Ladevolumen zur Verfügung, geöffnet sind es immerhin noch 300 Liter. Und – für BMW-Fahrer offenbar von wesentlicher Bedeutung: Auch zwei Golfbags lassen sich im Kofferraum verstauen. Etwas schade ist, dass das Fahrzeug schwer zu übersehen ist. Die breiten Backen und die lange Motorhaube erfordern auf engen Straßen viel Konzentration.

Die Bayern setzen bei der Kapuze auch weiterhin auf ein Stoffverdeck. Das ist zwar äußerst stabil und strapazierfähig, bleibt aber dennoch ein deutliches Indiz dafür, dass dieses Auto eher für die Sonnenstunden im Autofahrerleben konzipiert wurde.

Zur Markteinführung bietet BMW zwei Motorisierungen an, einen Sechs- (640i) und einen Achtzylinder (650i). Beides potente Maschinen, die den sportlichen Tenor – er ist im Hause BMW bekanntermaßen Pflicht – unterstreichen. Bei ersten Testfahrten stand leider nur der Achtzylinder zur Verfügung, der in erster Linie für die USA als Kernmarkt dieses Fahrzeugs interessant sein dürfte. Die Maschine brabbelt bärig vor sich hin, nimmt das Gas mit leichter Verzögerung an, doch wenn der Befehl den Empfänger erreicht hat, legt sie mächtig los. Die Achtgang-Sport-Automatik arbeitet unspektakulär und präzise im Hintergrund; etwas schade ist nur, dass sie die Schaltbefehle, die der Fahrer per Schaltwippe aussendet, schnell ignoriert, um ihrerseits wieder das Regiment zu übernehmen.

Wie jeder Hersteller großvolumiger Motoren unterstreicht auch BMW, dass es ihnen gelungen ist, den Maschinen trotz gesteigerter Leistung die ehemals unmanierlichen Trinksitten abzugewöhnen, für den Achtzylinder steht ein Durchschnittsverbrauch von 10,7 Litern im Datenblatt. Ein Wert, der in der Praxis nicht zu halten ist – vier bis fünf Liter auf 100 gefahrene Kilometer drauf, und die Sache kommt schon eher hin. Nun darf man den Ingenieuren nicht unterstellen, dass sie hier gemogelt haben, schuld ist mal wieder der unrealistische Normzyklus, den alle Hersteller zugrunde legen. Denn tatsächlich ist das Fahrzeug mit allem ausgestattet, was heute Sprit spart – Rekuperation (Bremsenergie zurückgewinnen), Leichtbauweise, rollwiderstandsreduzierte Reifen und eine Start-Stopp-Automatik für den Sechszylinder. Die entscheidende Schaltstelle bleibt aber der Gasfuß, und wem 235 kW/320 PS beziehungsweise 300 kW/407 PS zur Verfügung stehen, der setzt sie hin und wieder auch ein – alles andere ist Augenwischerei.

Auch wenn das neue 6er-Cabriolet die sportliche Gangart beherrscht, seine Paradedisziplin ist das lässige Dahingleiten. Hier macht der Wagen so viel Spaß wie nur wenige Fahrzeuge. Ganz einfach, weil sein Fahrer weiß: Er muss nicht Gas geben, er kann Gas geben. Und dann geht die Post ab. Leider hat die ganze Pracht auch ihren Preis: Mit 83 300 Euro – 94 300 Euro für den Achtzylinder – lassen sich die Bayern das Fahrvergnügen fürstlich bezahlen. Und da hat man noch keinen Blick auf die lange Aufpreisliste geworfen.

Von Gerd Piper

11.02.2011
11.02.2011