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Auto & Verkehr Ein Hingucker: Der Nissan 370Z Nismo
Mehr Auto & Verkehr Ein Hingucker: Der Nissan 370Z Nismo
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09:20 24.06.2013
Breiter, bulliger, bissiger: Der 370Z Nismo hebt sich optisch deutlich von den meist braven Zweisitzern der Mitbewerber ab. Quelle: Hersteller
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Hannover

Wenn sich ganze Schulklassen an der Bushaltestelle, müde Handwerker bei der Arbeit und Menschen mit Einkaufstüten gleichermaßen nach einem Auto umdrehen, dann muss es wohl schon etwas Besonderes sein - sollte man annehmen. Und tatsächlich ist der Nissan 370Z Nismo, die neueste Kreation von Nissan Motorsport (= Nismo), ein echter Hingucker. Ein Heckspoiler so groß wie ein Bügelbrett, fette 19-Zoll-Walzen in dementsprechend wuchtigen Radläufen sowie Auspuffrohre, die angsteinflößend wirken, erinnern so manchen Feingeist allerdings zunächst an prollige Tuningkisten aus den achtziger Jahren. Für diese oberflächliche Beurteilung ist der Nismo freilich viel zu erwachsen.

Die Schüler, Handwerker und Einkaufstütenträger haben den sportlichen 370Z Nismo allerdings zuerst gehört, ehe sie ihn zu Gesicht bekamen. Um die Blitzergefahr zu bannen, haben wir uns brav an die Verkehrsregeln gehalten, jedoch mit zunehmender Dauer der Testfahrt Gefallen daran gefunden, das knackige Sechs-Gang-Getriebe noch vor dem Ortsschild gleich in den dritten Gang zu drücken. Der Sound, der den Endrohren beim Herunterschalten und später beim Herausbeschleunigen aus dem Ort entwich, hat dann auch so manch „Daumen hoch“ bei Zuschauern und Zuhörern hervorgerufen. Wie praktisch, dass der Drehzahlmesser groß in der Mitte des Cockpits protzt - so wie es sich für Sportwagen gehört.

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Von 0 auf 100 km/h in 5,2 Sekunden

Stolze 253 kW/344 PS leistet der 3,7-Liter-V6-Zylinder - und somit 16 PS mehr als der einfache 370 Z, der seit 2009 auf unseren Straßen unterwegs ist. 371 New-tonmeter Drehmoment sorgen für ordentlich Vortrieb, die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h erfolgt in kurzen 5,2 Sekunden. Erst bei 250 km/h Höchstgeschwindigkeit schließlich setzt der Hersteller dem Treiben mithilfe der Elektronik ein Ende. Irgendwo muss auch mal Schluss sein. Erst recht, wenn der Blick auf den Kraftstoffverbrauch fällt. Immerhin 10,6 Liter Super Plus (248 g/km CO2) gibt Nissan als Durchschnittsverbrauch an. Auf 100 Kilometern, versteht sich. Wer der arrivierten Konkurrenz auf der Autobahn jedoch zeigen will, wofür das Nismo am Heck steht, dürfte deutlich mehr verbrauchen.

Allerdings hat das Fahrwerk auf den Autobahnetappen nicht immer vollends überzeugen können. Lange Wellen mochte es überhaupt nicht. Und so bekam der Fahrer entsprechend spürbare Rückmeldungen. Deutlich souveräner absolvierte der 370Z Nismo schnelle Autobahnauffahrten, kurze Stöße auf schlechten Landstraßen - und natürlich lässige Ortsdurchfahrten.

Der Innenraum weiß auf den ersten Blick zu überzeugen. Das griffige Lenkrad mit einer Alcantara-Leder-Kombination fasst sich nicht nur schön an, für den sportlich ambitionierten Fahrer hat es zudem ganz in Rennsportmanier eine rote Markierung für die Geradeausstellung. Den Sportwagen selbst gibt es in nur drei Außen-Lackierungen: Weiß, Schwarz und Silber.

Es überzeugt die Liebe zum Detail

Doch zurück zum Innenraum. Die Anordnung der Schalter, die Ablesbarkeit der Instrumente sowie das serienmäßige Navigationssystem mit Touchscreen-Funktion und Rückfahrkamera können überzeugen. Von Liebe zum Detail zeugt auch die zwischen den Sitzen angebrachte Plakette mit der Produktionsnummer. Jeder 370Z Nismo trägt demnach ein auf den zweiten Blick erkennbares Alleinstellungsmerkmal. Apropos zweiter Blick: Dort fällt die Plastikverarbeitung im Innenraum schon eher ins Auge. Doch was will man angesichts eines solchen Preises verlangen? „Leistungsstark, aber erschwinglich und somit erreichbar für eine breite Masse von Personen“, soll der 370Z Nismo laut Michel Jensen, Produktmanager im Bereich Sport bei Nissan Europa, sein. Das dürfte den Japanern gelungen sein. Bei einem Preis von 44.900 Euro - nicht ab 44.900 Euro, sondern zu einem Festpreis - darf durchaus von einem absolut guten Preis-Leistungs-Verhältnis die Rede sein. Die bereits erwähnten arrivierten Mitstreiter hängt der 370Z Nismo bei diesem Vergleich ohnehin ab. So wird man in Deutschland keinen zweisitzigen Sportwagen mit mehr PS fürs Geld bekommen, behauptet Nissan - und hat recht. Audi TT RS, Porsche Cayman S und Co. sind allesamt deutlich teurer.

„Der Nismo wird in Japan gebaut, dann aus der Produktionslinie herausgenommen und veredelt“, klärt Nissan-Manager Jensen auf und kündigt an, dass neben dem bereits erhältlichen Juke Nismo und dem ab sofort bestellbaren 370Z Nismo weitere Sportler folgen werden.

Ein Fazit ist aber nicht so einfach: Große Liebe oder übertriebenes Tuning? Wessen Herz der 370Z Nismo nicht sofort erobert, der dürfte vielleicht der Liebe auf den zweiten Blick verfallen. Der Preis könnte dafür ein Argument sein.

Fakten

Motor: 3,7-l-V6-Benziner

Leistung Benziner: 253 kW/344 PS

Max. Drehmoment: 371 Nm

CO2-Emission: 248 g/km

Beschleunigung (0-100km/h): 5,2 s

Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

Verbrauch: 10,6 l Super Plus

Tankinhalt: 72 l

Länge/Breite/Höhe: 4,41/1,87/1,31 m

Leergewicht: 1610 kg

Zuladung: 190 kg

Kofferraumvolumen: 235 l

Preis: 44.900 Euro

Fazit:

+ leistungsstarker Motor, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

- Fahrwerksschwächen bei Boden-wellen, Materialauswahl innen

Markus Beims