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Auto & Verkehr Ein Hybrid für alle - der Toyota Yaris
Mehr Auto & Verkehr Ein Hybrid für alle - der Toyota Yaris
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08:45 28.07.2012
Klein und sparsam: Der neue Yaris Hybrid fährt ganz vorn mit. Quelle: Hersteller
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Hannover

Na also, es geht doch. Während die deutschen Hersteller den Hybridantrieb so hochpreisig anbieten, dass er hierzulande quasi aus dem Markt genommen wird, weil ein vergleichbarer Diesel einfach die bessere Wahl ist, präsentiert Toyota jetzt den Hybrid in einem Yaris und damit erstmals im Kleinwagensegment. Und man darf staunen: Der Yaris kostet 17900 Euro - er ist über 1300Euro günstiger als das Dieselmodell. Ein Meilenstein! Denn dass die Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor bei neuen CO2-Vorgaben in den kommenden Jahren eine immer größere Rolle spielen wird, bestreitet heute eigentlich niemand mehr.

Die Japaner, die in den vergangenen Jahren nicht durch besondere Innovationen geglänzt haben, zeigen jetzt mit dem Yaris Hybrid dem Rest der Welt, wie es geht. Inzwischen bietet der Konzern in sämtlichen Modellreihen die Technologie an und verdient damit auch noch richtig Geld. Nach eigenen Angaben ist fast jeder zehnte Toyota mit einem Vollhybridantrieb ausgestattet, weltweit konnte man bereits mehr als vier Millionen Hybridautos verkaufen.

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Der Yaris ist zurzeit der meistverkaufte Toyota in Europa, der von seinen Besitzern zu achtzig Prozent in der Stadt genutzt wird. Die Idee, ihn mit einem zukunftssicheren Antrieb auszustatten, ist nur konsequent: Im Elektroantrieb fährt er zwei Kilometer weit emissionsfrei, was in den Ballungsgebieten immer wichtiger wird. Die zwei Kilometer sind natürlich nicht eine einmalige Sache, sie lassen sich ständig wiederholen, weil der Verbrenner die Batterie permanent wieder auflädt. Testfahrten mit - zugegeben - geübten Fahrern haben ergeben, dass man bei entsprechender Fahrweise bis zu 41 Prozent rein elektrisch fahren kann. Mit einer Tankfüllung sind so Reichweiten bis zu 1000 Kilometer möglich.

Als typisches Stadtauto fährt der Wagen seine Vorzüge genau dort aus, wo der Spritverbrauch konventioneller Antriebe üblicherweise ansteigt. 3,5 Liter auf 100 Kilometer sind im Prüfzyklus ja schon ein sehr guter Wert. Der lässt sich laut Herstellerangaben sogar noch auf 3,1 Liter drücken, wenn der Wagen elektrisch dahingleitet, also auf kurzen Strecken mit moderaten Geschwindigkeiten.

Ein konzeptionelles Problem bei Hybridfahrzeugen ist das Gewicht. Doch auch hier scheinen die Toyota-Ingenieure gute Arbeitet geleistet zu haben - derYaris Hybrid ist gerade einmal 30 Kilogramm schwerer als der Diesel. Um das zu erreichen, mussten Antrieb und Batterie geschrumpft werden, was zulasten der Leistung ging. Da Fahrer des kleinen Japaners nicht dazu neigen, an der Ampel die Ersten zu sein, dürfte sie diese Einschränkung nicht weiter stören. Der1,5 Liter große Benzinmotor leistet55 kW/74 PS, die E-Maschine bringt es auf 45 kW/60 PS, die Systemleistung - also die Leistung der gekoppelten Antriebe - liegt bei 74 kW/100 PS. Die machen den Kleinwagen 165 km/h schnell, für den Sprint von 0 auf 100 km/h braucht der kleine Japaner 11,8 Sekunden.

Leider hat die Zukunft noch so ihre Tücken. Denn das Fahren im Yaris will durchaus gelernt sein: Wer elektrisch anfahren will, braucht dazu nicht nur ein feines Füßchen, sondern auch ein stabiles Gemüt, denn er wird schnell zum Verkehrshindernis - hier ist auf Entwicklerseite sicherlich noch viel Spielraum nach oben. Also geben wir Gas, um den Wagen in Schwung zu bringen. Jetzt wiederum stellt sich der berühmte Gummibandeffekt ein: Die Drehzahl geht nach oben, die Geschwindigkeit leider nicht im gewünschten Maß. Toyota beteuert zwar, dieses Problem in den Griff bekommen zu haben, unser Testwagen wollte aber nicht so richtig. Wenn das Fahrzeug aber erst einmal rollt, kann man vom Gas gehen, der Wagen schaltet in den Elektromodus um und säuselt still und freundlich dahin. Wer jetzt vorsichtig wieder Gas gibt, wird Tempo 50 rein elektrisch halten können - so lange, bis sich der Verbrenner wieder zuschaltet, um die Batterie zu laden. Wenn man den Dreh erst einmal heraushat, funktioniert das ganz hervorragend. Auch wenn der Yaris in dem einen oder anderen Punkt noch verbessert werden könnte, das Konzept an sich ist in sich schlüssig. Mit einem CO2-Ausstoß von 79 Gramm pro Kilometer stellt er mit Ausnahme reiner Elektrofahrzeuge alles andere in den Schatten. Und das auch noch zum Sonderpreis!

Gerd Piper