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Auto & Verkehr Hersteller präsentieren die Trends im neuen Jahr
Mehr Auto & Verkehr Hersteller präsentieren die Trends im neuen Jahr
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00:54 26.01.2013
Weltpremiere: Der neue Porsche Cayenne Turbo S strotzt nur so vor Kraft.
Weltpremiere: Der neue Porsche Cayenne Turbo S strotzt nur so vor Kraft. Quelle: Hersteller
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Detroit

Und da kann man vor allem Dreierlei feststellen: Die mit großen Hoffnungen gestartete Elektromobilität ist vorerst gescheitert, von der drohenden Krise in der Alten Welt ist in Michigan nichts zu spüren, und Pferdestärken sind wieder gefragt. In den Messehallen gibt es kaum einen Hersteller, bei dem keine vor Leistung strotzenden Autos im Mittelpunkt stehen.

Vor allem die deutschen Hersteller haben in Detroit mächtig aufgefahren. Allen voran Mercedes-Benz: Die Stuttgarter zeigten am Vorabend der NAIAS das Coupé CLA, das auf der Architektur der neuen A-Klasse aufgebaut ist und nach Auffassung von Fachleuten das Zeug dazu hat, Konkurrenten aus der Mittelklasse wie den BMW 3er von unten anzugreifen. Am ersten Messetag - und das hat es noch nie gegeben - präsentierte Mercedes-Benz das komplette Modellprogramm der stark überarbeiteten E-Klasse, also Limousine, Kombi, Cabrio, Coupé und die AMG-Version (430 kW/585 PS). Begleitet wurde der Auftritt von dem amerikanischen Song-writer Bruce Hornsby („The Way It Is“) und den Hollywood-Schauspielern Diane Kruger („Troja“) sowie Joshua Jackson („Dawson‘s Creek“). Dass die Präsentation so bombastisch ausfiel, hat einen guten Grund: Die schwäbische Business-Limousine aus der oberen Mittelklasse schwächelte zuletzt, sodass man Boden an die Konkurrenz von Audi und BMW verlor.

Angeblich sollen die Stuttgarter eine knappe Milliarde Euro in das Facelift der E-Klasse gesteckt haben, eine Summe, die weit über die üblichen Modellpflegen hinausgeht. Über 2000 Teile wurden ausgetauscht. Die neuen Fahrzeuge kommen mit deutlich schärferen Linien daher und sind technisch auf dem neuesten Stand. So gibt es im Angebot der Fahrerassistenzsysteme beispielsweise eine Stereokamera, die dreidimensional „sehen“ kann und durch Notbremsungen Unfälle vermeiden soll, die aus dem Querverkehr entstehen. Diese Technik war eigentlich für die neueste Generation der S-Klasse vorgesehen, die auch noch dieses Jahr auf den Markt kommt.

Ein weiterer Hoffnungsträger ist das CLA-Coupé als kleiner Bruder des bekannten CLS. Das Fahrzeug soll nach Ansicht von Mercedes-Vertriebschef Joachim Schmidt ganz neue Zielgruppen erreichen, „darunter auch jene, die nie einen Mercedes fahren wollten“. Mit dem besten Luftwiderstandswert eines Serienautos aller Zeiten ist der CLA wegweisend in Sachen Effizienz. Und als multimedial hochgerüstetes Auto verstehen die Stuttgarter das kompakte Coupé auch als attraktives Angebot an die Facebook- und Twitter-Generation.

Auffallend zurückhaltend präsentierte sich in Detroit lediglich Volkswagen. Die Wolfsburger zeigen in der Cobo-Hall mit dem Crossblue die Studie einer neuen SUV-Generation. Dabei handelt es sich um ein seriennahes Midsize-SUV, das hauptsächlich den amerikanischen Markt im Visier hat. Der allradgetriebene Sechs- bis Siebensitzer spielt in der 30 000-Euro-Liga, dann aber ohne den höchst ambitionierten Plug-in-Hybridantrieb (TDI-Diesel, zwei E-Motoren, Doppelkupplungsgetriebe, elektrische Kardanwelle).

Anstelle von VW durften mit Audi und Porsche zwei andere Konzernmarken groß auffahren: Porsche präsentierte als Weltpremiere den Cayenne Turbo S, der mit 405 kW/550 PS die Spitzenposition in der SUV-Modellreihe einnimmt.

Und Audi baut mit dem RS 7 Sportback die Palette seiner RS-Modelle weiter aus. Die große Fahrmaschine schöpft aus einem mächtigen 4,0-Liter-Biturbo-Achtzylinder 412 kW/560 PS, was zu überzeugenden Fahrleistungen führt: Den Spurt von 0 auf Tempo 100 km/h erledigt der Wagen in 3,9 Sekunden, die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 305 km/h.

Mit ebenfalls 412 kW/560 PS startet BMW ins neue Kalenderjahr: Die Bayern fuhren in Detroit das M6 Gran Coupé auf die Bühne, das neben seinem kraftstrotzenden Achtzylinder vor allem mit seiner Linienführung überzeugt. Der Hochleistungssportwagen dürfte zu den schönsten Autos des Jahres zählen. Außerdem hatte BMW noch eine weitere Weltpremiere im Gepäck: Das BMW Concept 4er Coupé bietet einen ersten Ausblick auf die kommende Generation des sportlichen BMW-Mittelklasse-Coupés. Es übertrifft das aktuelle 3er Coupé in Länge, Breite und Radstand, ist aber flacher als der 3er. Ebenfalls als Weltpremiere konnte Mini mit dem John Cooper Works Paceman eine besonders sportliche Version präsentieren: Der Vierzylinder des kleinen Lifestyle-Flitzers leistet 160 kW/218 PS, die dank der Tieferlegung und des Allradantriebs für echtes Rennsportfeeling sorgen sollen. Dieser neueste Sprössling in der inzwischen umfangreichen Mini-Familie kommt im März auf den Markt.

Bei den Amerikanern sticht besonders eine Neuvorstellung heraus: Zum 60. Geburtstag packte Chevrolet mit der Corvette C7 „Stingray“ die siebte Generation seiner Supersportwagen-Legende aus. Ein bulliger 6,2-Liter-Achtzylinder, der 331 kW/450 PS leistet, treibt die deutlich kantiger gewordene Ikone an. Aus amerikanischer Sicht ist die Corvette natürlich der Star der diesjährigen Autoshow.

Gerd Piper