Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Auto & Verkehr Wo sich die Geister scheiden
Mehr Auto & Verkehr Wo sich die Geister scheiden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:28 03.05.2014
Foto: Der Honda fällt im Straßenbild zumindest auf, die Rückleuchten erinnern ein wenig an einen Autoskooter.
Der Honda fällt im Straßenbild zumindest auf, die Rückleuchten erinnern ein wenig an einen Autoskooter. Quelle: Honda
Anzeige
Hannover

Honda ist so etwas wie der Gemischtwarenhändler unter den Autoherstellern. Denn neben Automobilen bauen die Japaner auch Motorräder, Roller, Gartengeräte, Bootsmotoren, Generatoren, Wasserpumpen und Schneefräsen. Im kommenden Jahr kommt dann noch der erste Businessjet dazu. Hierzulande ist Honda allerdings eher ein unbekannter Riese. Mit gerade einmal 290 Beschäftigten sind die Asiaten in Deutschland nur schwach vertreten und hängen mehr oder weniger am Tropf der Europazentrale im britischen Langley.

Dabei sind die Japaner nicht nur der größte Motorenhersteller der Welt, sondern auch äußerst innovativ: Unter dem Namen Earth Dreams Technology bringen sie schrittweise eine neue Generation von Motoren, Getrieben und Hybridantrieben auf den Markt, die für exzellente Leistung und herausragende Umwelteigenschaften stehen soll. Den Anfang macht unter der Bezeichnung 1.6 i-DTEC ein 88-kW/120-PS-Diesel, der ab sofort für alle Civic-Modelle und das SUV CR-V zur Verfügung steht.

Was nur den wenigsten bekannt sein dürfte: Im Ranking „Best Global Brands 2013“ der Agentur Interbrand belegt Honda Platz 20 der wertvollsten Marken der Welt. Damit rangieren die Japaner noch vor Volkswagen (Platz 34) und müssen sich von den Autoherstellern nur Toyota (10), Mercedes (11) und BMW (12) geschlagen geben. In der Formel 1 waren die Japaner mit McLaren jahrelang äußerst erfolgreich unterwegs, eine Partnerschaft, die 2015 erneuert wird. Bei den Modellen für die Straße ist der Hang zum Sportlichen am ehesten beim Kompaktmodell Civic auszumachen, der vor zwei Jahren in der mittlerweile neunten Generation auf den Markt kam und seit seinem Erscheinen 1972 mehr als 18,5 Millionen Mal verkauft wurde.

Allerdings ist der Civic auch ein Auto, an dem sich die Geister scheiden. Was in erster Linie an dem immer noch zerklüftet wirkenden Armaturenträger liegen dürfte. Drehzahlmesser analog, Tachometer digital, angeordnet in zwei verschiedenen Ebenen, sind eine Designlösung, an die sich das Auge erst einmal gewöhnen muss. Auf der anderen Seite stehen so patente Lösungen wie der Magic Seat, der sich wie ein Kinosessel hochklappen lässt und so den Stauraum im Bedarfsfall signifikant erweitert. Mit dem Facelift erhält der Civic in der Tourer-Version (Kombi) zudem ein optionales adaptives Dämpfersystem für die Hinterachse. Dieses erkennt das jeweilige Gewicht, das auf der Achse lastet, was für mehr Stabilität bei den unterschiedlichen Zuladungen auch bei hohen Geschwindigkeiten sorgen soll. Wie ernst Honda den europäischen Markt nimmt, zeigt auch schon die Tatsache, dass sowohl der Civic-Tourer als auch der neue Fünftürer speziell für die Länder der Alten Welt entwickelt wurden.

Um mit der starken europäischen Konkurrenz auch in puncto Sicherheit mithalten zu können, gibt es für die Fahrzeuge eine ganze Latte an (aufpreispflichtigen) Fahrerassistenzsystemen mit Kamera-, Laser- und Radartechnologien, deren Verfügbarkeit allerdings von bestimmten Ausstattungslinien abhängig ist.

Das Highlight ist jedoch der neue Motor, den wir im Fünftürer gefahren sind. Der Diesel bringt es auf ein Drehmoment von 300 Newtonmetern bei 2000 Umdrehungen pro Minute - ein ordentlicher Wert in der Kompaktklasse. Den Durchschnittsverbrauch geben die Japaner mit 3,6 Litern auf 100 Kilometern an, was einem CO2-Ausstoß von 94 Gramm/Kilometer entspricht. Dank seines geringen Gewichts - er ist der leichteste Diesel seiner Klasse - und einer reduzierten mechanischen Reibung auf dem Niveau eines Benziners kommt auch der Fahrspaß nicht zu kurz. Er drückt den Wagen in 10,2 Sekunden von 0 auf Tempo 100 km/h und bringt es auf eine Endgeschwindigkeit von 207 km/h. Dabei klingt die Maschine im unteren Drehzahlband rau, aber angenehm kernig. Angesichts der tatsächlichen Verbräuche, die bei uns knapp über fünf Liter lagen, sind das gute Werte. Zumal sich der Wagen durchaus auch sportlich bewegen lässt, was Spurtreue und Stabilität betrifft.

Insgesamt hat Honda mit der überarbeiteten Civic-Familie ein Angebot im hart umkämpften Segment der Kompaktwagen vorgelegt, das nicht nur wettbewerbsfähig, sondern auch eine interessante Alternative ist.

26.04.2014
08.03.2014
01.03.2014